Ausgabe 
20.2.1916
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ITTan erkennt aus diesem Vorgang, wie uns die Eng­länder hassen. Der Zorn hat ihnen so die Zinne verdunkelt, daß sie das einfachste aller Lhristengebote nicht mehr kennen, früher hat man zum englischen Christentum hoch hinauf­gesehen,- heute sieht man, wie wenig fest es gegründet ist.

Ich glaube, daß diese Illustration des Verhaltens des Priesters und des Leviten im Gleichnisse vom barmherzigen Samariter durch den Engländer lange in unserm Volke im Gedächtnisse bleibt. Es ist nicht zu verwundern, daß sie die Erregung gegen die Engländer zumal im Anschlüsse an den Baralongfall maßlos steigert. Aber das muß man immer und immer wieder wiederholen, daß das alles für uns kein Grund sein darf, gleiches mit gleichem zu vergelten. Wenn andere sich an Christus versündigen, unser Volk soll es nicht tun. mir bleiben bei dem schonen Worte des ,Deutschen Kriegsgebets":

Daß, ob der Feind auch wüte In Greueln ohne Scheu,

Kein deutscher Held vergesse,

Daß er ein Christ auch sei.

wenn die Engländer zeigen, daß ihr Christentum viel Anstrich und wenig Kern ist, um so mehr gilt es für uns, zu beweisen, daß wir, die wir Christus vielleicht wenig im Munde führen, ihn um so tiefer im Herzen tragen.

' <Br.£. G. Sch.

Meine Erlebnisse

in der französischen Fremdenlegion.

von einem Gießener.

Fortsetzung.)

Km 29. März verließen wir, nachdem wir unsere Pa­piere erhalten hatten, mit der Eisenbahn Saida und kamen noch an demselben Abend nach Gran, wie glücklich war ich, als ich wieder das Meer sah! hier war es, wo wir am Abend des 30. März unser Abschiedslied an Afrika fangen. Unser Schiff, ein kleines Kauffahrteischiff, brachte uns am Abend des l. April nach Marseille. Diesmal war das Meer ruhiger als bei unserer Ueberfahrt nach Afrika, wie freuten wir uns über die großen Fische, die Delphine, die in ganzen Herden und unter großen Sprüngen unser Schiff umgaben. Bald schwammen sie am Bug und bald am Heck des Schiffes. Frohe Gefühle erfüllten uns auf dieser Fahrt,- denn es ging der Heimat entgegen.

Am l. April kam unser Schiff in Marseille an. Ich wollte mir gern die Stelle ansehen, wo wir uns bei unserem ersten Aufenthalt aufgehalten hatten, aber wir durften den Bahnhof nicht verlassen,- denn es hätte ja einer der Fremden­legionäre durch irgend eine Tat oder durch irgend ein wort dem französischen Staate Ungelegenheiten bereiten können. Deshalb durften wir ohne Bedeckung nicht aus dem Bahn­hof herausgehen. Für unser eigenes Geld mußten wir uns die Fahrkarten losen und wurden dann an den Zug geführt. Dies war aber auch das letztemal, daß ich militärisch bewacht wurde. Fort rollte der Zug in der Uichtung auf Lyon.

In Marseille hatte sich unsere Kolonne in alle winde zerstreut, nur noch wenige waren es, die mit mir nach Lyon fuhren.

Es wird wohl mancher von den Lesern denken, daß der Empfang, den man uns, den heimkehrenden Kriegern, in Marseille bereitete, ein ungemein herzlicher gewesen sei. Aber weit gefehlt! Die Legionäre sind gut genug, um ihre haut für Frankreich zu Markte zu tragen, aber die ,,grande

nation" verachtet sie, ja, die Franzosen gehen jedem Legionär mit Scheu aus dem Wege. Bei unserer Ankunft im Hafen wurden wir von französischen Soldaten empfangen, je nach unserem Bestimmungsort zusammengestellt, nach der Bahn geführt und bewacht, damit ja keiner mehr ausreißen konnte, wie ich das oben geschildert habe.

Am 3. April fuhren wir in Lyon ein. hier gingen wieder die meisten von uns weg, so daß wir zuletzt nur unser zwei waren. Mein Kamerad und ich, wir haben uns den ganzen Tag in Lyon aufgehalten und haben die Stadt mit allen ihren Sehenswürdigkeiten betrachtet. Da wir noch in voller Uniform und mit der Medaille von Tonkin geschmückt waren, so hatten sich bald Neugierige zu uns gefunken, sie verschwan­den aber schnell, als sie von uns die Wahrheit zu hören be­kamen.

Gegen Abend gesellte sich ein feiner Herr zu uns, augen­scheinlich ein französischer Schweizer, er ließ uns bewirten, fragte nach sehr vielen Einzelheiten, über die wir ihm auch willig Auskunft gaben. Nach ungefähr anderthalb Stunden verabschiedete er sich von uns unter vielem Dank und mit rührenden Worten. Seine letzten Worte waren, er habe auch einen Sohn in Asiens Gefilden liegen, und fort war er.

wir beide verließen nachts Lyon, um unsere letzte ge­meinsame Fahrt nach Beifort anzutreten., hier wurde mein Kamerad von seiner alten Mutter.abgeholt, wir blieben aber noch einen Tag zusammen in Belfort. wie freute sich das Mütterchen, ihren Sohn, von der Sonne verbrannt, durch Krankheit und Entbehrungen heruntergekommen, wieder bei sich zu haben, ihm die Hand zu drücken, ihm in die Augen zu sehen. Wohl zwanzigmal sagte sie zu ihm: ,,Jetzt gehst du aber nie mehr fort und bleibst immer bei mir." Oftmals mußte ich mich abwenden, um meine Gefühle zu unterdrücken. Abends kam der Abschied auch von diesem Kameraden, ich ging mit zur Bahn, er und seine Mutter traten die Reife nach der Schweiz an.

So stand ich nun allein und sinnend am Bahnhof. Ich entschloß mich, über Nacht noch in Belfort zu bleiben, da ich mir doch erst einen Anzug kaufen mußte,- denn in Uniform konnte ich doch nicht nach Deutschland fahren.

In dem Gasthof, in dem ich übernachtete, traf ich einen Werkmeister von einer dortigen Maschinenfabrik, in der große Zentrifugalpumpen gemacht wurden. Als er ge­hört hatte, daß ich Maschinenbauer sei, ersuchte er mich, da zu bleiben, und machte mir ein sehr vorteilhaftes Angebot. Obwohl mein Sinn nach der Heimat stand, so schwankte ich doch, ob ich dieses Angebot nicht annehmen solle. Ich sagte dem Werkmeister, er solle sich einige Tage gedulden, bis ich Antwort von meinen Eltern habe., Ich schrieb sofort nach Hause, daß mir eine vertraglich sehr gute Stelle angeboten sei, und fragte bei meinen Eltern an, was sie dazu meinten. Am nächsten Tage kaufte ich mir Kleider und alles, was ich sonst nötig hatte, und machte einen Besuch in der Fabrik. Ich wurde auch sehr freundlich ausgenommen, und die Direk­tion unterbreitete mir noch einmal das Angebot.

Schluß folgt.)

Aus vergangenen Tagen.

Liner, der sich vor dem Marschall Blücher nicht fürchtete.

Nach Hörensagen erzählt von Dr. Kappesser.

Als nach der Leipziger Völkerschlacht die Scharen des westlichen Erbfeindes, nachdem er seit Jahrhunderten und jetzt hoffentlich zum letztenmal sein Mütchen an dem wehr­los gewordenen deutschen Volke gekühlt, eilig dem Rheine