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könnte, darauf fußend, bei der späteren Erziehung mancher Kinder auf besondere Anlagen Rücksicht nehmen und Gaben zur Entwicklung verhelfen, die vielleicht sonst sich nur müh­sam zum Leben durchringen oder im späteren Leben ver­kümmern. Besonders auf die seelische Entwicklung solcher Kinder müßte dies von großem Einfluß sein. Rührend ist mir oftmals das unbedingte Vertrauen, das die Kinder in Vater und Mutter setzen, indem sie annehmen, daß diese alles können, was ihrer kindlichen Phantasie als eine große Zache vorschwebt, ja, noch mehr, daß ihr Können mehr vermag als dasjenige aller andern Menschen.

Zo wurde mir von einem kleinen Jungen in einer Großstadt erzählt, an dessen Vater auch der Ruf erging, Vaterland und Heimat gegen mächtige Feinde verteidigen zu helfen. Die Mutter weinte, als es zum Rbschiednehmen kam, der Kleine aber sagte: ,,Rber Mutter, da können unsere Zoldaten ja nicht siegen, wenn der Water nicht mit ist!" Ich glaube, daß in dieser schweren Ztunde vielleicht nichts anderes die Herzen der beiden Eltern mit mehr Trost und Zuversicht erfüllen konnte, als dieses Kindeswort.

Und wir, die wir dies lesen, sagt es nicht auch uns viel, sehr viel? Me leicht müßte es sein, solche Kinder schon frühe dem großen Kinderfreunde zuzuführen, der einstens gesagt hat: Lasset die Kindlein zu mir kommen! Und wäre es nicht wichtig, Kinder von klein auf zu gewöhnen, in Wahr­heit in ihren Eltern und Ungehörigen die Vorbilder alles Guten, Edlen und Tüchtigen zu sehen? Kinderaugen sehen scharf, sie sehen noch mit der ungetrübten Klarheit neu er­schaffener Wesen. G möchten wir alles tun, reinen Kinder­augen und Kinderherzen diesen Gottesfrieden zu erhalten, sie für ihr späteres Leben zu befähigen, das Gute von dem Bösen zu sichten und sie damit für den Kampf des Lebens zu stählen!

Uber ich glaube, das obige Kindeswort sagt uns noch mehr, etwas, das für einen jeden von uns von unaussprech­lichem Legen werden kann. Es lehrt uns den Rufblick zu unser aller Vater im Himmel, zu dem Vater, der unser Leben und Zchicksal lenkt, wenn wir uns von ihm leiten lassen wollen, wenn wir ihm das völlige vertrauen entgegenbringen, daß nur seine Gegenwart, seine Hilfe uns durch Rngst, Rot und Tod hindurch zum Frieden bringen kann.

Laßt uns ihm, unserm himmlischen Vater, stets mit einem unerschütterlichen Kinderglauben nahen!

Baronin R.

Im Gefangenenlager zu vinapur in Indien.

Einer der soeben aus Indien zurückgekehrten Missionare der Goßnerschen Missionsgesellschaft veröffentlicht nachstehende ansprechende Zchilderung:

Vinapur ist eine alte Militärstation aus der Zeit der Ostindischen Handelskompagnie, am Ganges gelegen. Um ein großes, mit schönen alten Bäumen bestandenes Viereck liegen die einstöckigen, äußerst solide gebauten Kasernen. Zum Teil standen sie während der Kriegszeit leer, die Zol- daten sind ins Feld gezogen. Rndere waren noch von einem Feldartillerie-Regiment besetzt. Die Ztation ist äußerst un­gesund. Zeit einigen Jahren hat sich ein bösartiges Fieber eingenistet, Dengue genannt. Zahlreiche Friedhöfe zeugen davon, baß hier der Tod reiche Ernte hielt. Zur Vorbeugung gegen die Zeuche herrscht in den Kasernen peinliche Zauber- keit. Doch ist die Luft während der Regenzeit nahezu un­

erträglich. Da vinapur in einer der fruchtbarsten Ebenen Indiens mit reichlichen Niederschlägen gelegen ist, entwickelt sich eine außerordentlich feuchte Hitze, so daß der Europäer eigentlich nie anders schlafen kann, als unter dem wehen des großen pankafächers.

In diese Militärstation wurden Ende Juli und Rnfang Rugust 1915 alle Ungehörigen der Goßnerschen Mission in Thota Nagpur gebracht, soweit sie nicht ins Gefangenen­lager nach Rhmednagar geschickt worden waren. Es waren 99 Personen. Einzelne Familien wurden in den Wohnungen der Unteroffiziere einquartiert. Jede Familie erhielt drei Zimmer. Im dritten war auch das Bad untergebracht, wir ließen dort unsere braunen Kindermädchen schlafen. Rndere Familien hatten es nicht so gut. Zie wurden aus Platz­mangel getrennt. Die Männer kamen dann zu den unver­heirateten Missionaren in eine besondere Kaserne, die eigent­lich eine riesige Halle mit vielen Zäulen war. Die Ver­pflegung hatte die Regierung in die Hand genommen. Jede Person erhielt eine festgesetzte Portion Fleisch, Kartoffeln, Brot, Tee, Zucker, Butter und Milch. Je drei Familien er­hielten zusammen einen Koch. Die Küche lag abseits von den Kasernen, über ihre Reinlichkeit wachte ein Beamter. Für sonstige Bedienung und für den Wäscher mußte man selbst aufkommen. Ruch war die Gelegenheit gegeben, die gelieferte Kost zu vervollständigen durch Einkauf von Gemüse, Eiern und anderen Lebensmitteln. Lin eigner Laden war im Lager eingerichtet und außerdem hatten einzelne Händler die Er­laubnis, ins Lager zu kommen. Zur Bestreitung solcher be­sonderen Rusgaben wurden jedem von uns Erwachsenen für den Tag 8 Rnna (60 Pfg.), jedem Kind 4 bezw. 2 Rnna be­willigt. Für die Kinder unter 2 Jahren wurde täglich 1 Liter Milch geliefert.

Der Tageslauf begann um 5 Uhr. Tin großer Platz und eine Ztraße bis zu etwa drei englischen Meilen waren uns zu Zpaziergängen eingeräumt. Die Hitze war aber in den Monaten Juli bis Oktober so groß, daß man von dieser Erlaubnis eigentlich nur ganz früh oder ganz spät Gebrauch machen konnte. Um 7 V 2 Uhr abends mußte jeder in der Nähe der Kaserne sein, um 9 Uhr ertönte das Zignal, d. h. nur dann, wenn der Hornist nicht krank war, dann mußte jeder zu Bett gehen. Lin zweites Zignal um Vs 10 Uhr bedeutete ,,Licht aus". Doch mußte der Zchlangengefahr wegen immer eine Laterne in der Wohnung brennen. Brillen­schlangen schien es viel zu geben. Um 9 Uhr erhielten wir eine wache von vier bis sechs Mann, die anfangs sehr auf dem Posten waren und mit aufgepflanztem Zeitengewehr vor der Kaserne auf und ab marschierten. Zpäter aber, als sie merkten, daß wir nicht so schlimm waren, schliefen sie meist. Ueberhaupt konnte man die Erfahrung machen, daß die Be­handlung und Bewachung mit der Zeit immer besser wurde.

Der Gesundheitszustand war dem Klima entsprechend ein sehr schlechter. Fast alle, die Erwachsenen mehr als die Kinder, wurden von dem entsetzlichen Dengue-Fieber heim­gesucht. Zchon lange vor Rusbruch des Fiebers lag es einem wie Blei in den Gliedern. Die haut wurde trocken mit frosti­gem Gefühl. Der Durst war gering, aber die Mattigkeit übergroß. Das Zchlimmste war, daß bas Fieber sich so lange hinzog, nur ganz langsam konnte man sich erholen. Einer unserer Mitarbeiter, der Kräftigsten einer, aber von den Ruf­regungen der letzten Zeit hart mitgenommen, ist dem Dengue- fiebe.r erlegen. Die Lagerverwaltung gestattete uns, daß wir ihm eine Leichenfeier in unserer deutschen Weise hielten. Zechs Missionare im Ornat begleiteten den Zarg.