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Sonntagsgnch

Gemeinöeblatt füröittvangelischt Kirtbenaememüe

Gieszew

Nr. 6.

Gietzen, 6. Sonntag n. Epiph. den 13. Februar 1916.

5. Jahrgang.

Der Uamps um den Glauben.

1. Petri 1, 6 und 7. Ihr werdet euch freuen, die ihr jetzt eine kleine

Zeit, wo es fein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf dah euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde denn das vergängliche Gold, das durch das Feuer be­währet wirb.

Vassächsische Gemeinschaftsblatt" schreibt:Dm fluguft 1914 waren die Versammlungen so gut besucht, daß wir auch glaubten, Gott wolle uns die schon lang ersehnte und erflehte Erweckung schenken. Wir stimmten deshalb so leise ,,Licht und Leben" bei, als es sagte: Der Krieg sei ein Evangelist mehr als 10 000 Lchrenk. Leider hat sich das bis heute nicht be­stätigt. Die Evangelisationen und Konferenzen sind jetzt meist schlechter besucht wie vor dem Kriege. Wir haben nach den Ursachen gesucht und sind zu folgenden Ergebnissen gekom­men: 1. Unser Volk ist durch die in erster Zeit so rasch aus­einander folgenden Liege siegestrunken unb sicher geworden.

2. Ulan hat sich an den Krieg und an die furchtbaren Verlust­listen gewähnt. Z. Die Not hat noch nicht ins eigene Fleisch geschnitten. 4. Manchen waren die Kriegsbetstunden und sonstigen christlichen Versammlungen genau das, was anderen abergläubischen Menschen die Himmelsbriefe und Amulette waren. Als der Mann, die Lohne, der Unverwandte doch fiel, da sagte man sich, der Kirchenbesuch und das versamm­lungsgehen nützt doch nichts. 5. Es ist bei vielen nur zu einem Glauben an denlieben Gott" gekommen, zu dem sie beten, daß er sie behüten soll vor äußeren Gefahren,- aber einen heiligen Gott, der einen heiligen, ihm wohlgefälligen Lebenswandel fordert, mag man nicht: ein gewisses Gottver­trauen, aber keine Gottesfurcht. 6. Bei den meisten ist der Krieg das einzige Interesse geworden. 7. Wir haben auch keine Verheißung, da,ß alle, die von großen Noten getroffen werden, sich auch bekehren. Gewiß, die meisten Gottes- kinder sind durch Trübsal zum Herrn gekommen, aber sind die nicht viel zahlreicher, die durch die Not sich noch viel mehr verbittert haben?"

Wer diese sieben Lätze, die wir hier in ihrem vollständi­gen Wortlaute wiedergeben, geschrieben hat, wissen wir nicht, aber das ist ersichtlich: es hat sie ein Mann geschrieben, der erstaunlichen Scharfblick und große Lebenserfahrung besitzt und von heiligem Ernste durchdrungen ist. Ls ist sicher richtig, daß wir in den anderthalb Jahren des Krieges eine

Steigerung der Frömmigkeit in Deutschland erlebt haben, aber es ist doch nicht alles, was uns jetzt zu Ghren und vor Augen kommt, erfreulich, wir zweifeln nicht daran, daß ernste Gesinnung die durchdringt, die in vorderster Linie dem Anprall des Feindes stand halten, aber es ist doch nicht alles erhebend, was wir von dem Leben hinter der Front hären, viele in der Heimat, die vom Kriege nicht unmittelbar be­troffen sind, scheinen jetzt mehr an ihr Vergnügen als an das Vaterland zu denken. Und die deutsche Volksfrömmigkeit bedarf noch sehr der Vertiefung. Das ist noch keine echte, christliche Frömmigkeit, wenn ein Mensch in Gott nur den Helfer aus jeder Verlegenheit und den Retter aus jeder Not sieht und seiner vergißt, wenn Gott geholfen oder wenn er die erbetene Hilfe versagt hat. Menschliches, Allzu-Menschliches durchdringt jetzt das Glaubensleben vieler. Das ist rechte christliche Frömmigkeit, wenn man sich sagt: Ich stehe in Gottes Hand, nichts kann mich von ihm trennen, ich ergebe mich ganz in seinen Willen, wie er es macht, so ist es gut. Was er mit mir vor hat, das ist nicht, mir irdisches Glück zu schaffen, sondern mich durch Jesus ewig selig zu machen.

Lolcher Glaube fällt uns nicht mit einem Male und ohne unser Zutun zu,' Paulus hat recht, wenn er sagt: Ringet dar­nach, daß ihr selig werdet mit Furcht und Zittern. Wir müssen den Kampf des Glaubens kämpfen. Dazu sollen uns die Anfechtungen und die Nöte helfen, die jetzt über uns ge­kommen sind. Aus dem halbglauben soll ein rechtschaffener Glaube werden, der nach den Worten des Apostels Petrus viel köstlicher ist denn das vergängliche Gold, das durch das Feuer bewähret ist. Gott gebe, daß unser Volk den Kampf gegen seine politischen Gegner mit Ehren bestehe und bald einen Frieden erlange, der es dauernd gegen fremde Willkür sicher stellt,- er verleihe auch, daß es den Kampf des Glaubens be­stehe und das Ziel dieses Kampfes davontrage, der Leelen Seligkeit! h. B.

Ninderglaube. _

Wer sich gern mit Kindern beschäftigt, wird sich an ihren Aussprüchen oftmals erfreuen,' ja, ich kann wohl sagen, daß sie mir mitunter viel zu denken geben, und ich kann es nur bedauern, daß bemerkenswerte Aeußerungen dieser kleinen Menschen nicht öfter gesammelt werden. Ich glaube, man