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Darmstadt zum Verfasser. Zeine Schrift behandelt die Ge­schichte einer hessischen Familie, sie schildert aber auch das geistige Leben, das in Deutschland besonders in Hessen in dem Zeitraum ungefähr von Lessings Tod bis zum Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts zu finden war. Das Buch pfannmüllers ist, wie sein Titel besagt, eine Bio- graphie des Pfarrers Ludwig Wilhelm Luck zu Wolfs- Kehlen (18131881), behandelt aber auch das Leben des Pfarrers Johann Karl Gottlieb Lanz in wolfskehlen (1768 bis 1842), der der Schwiegervater Lucks war, und so kann man wohl sagen, daß wir in dem Luche ein Jahrhundert hessischer Geschichte in einem Ausschnitt dargestellt finden.

Lanz war zu Pirmasens in der damals zu Hessen-Darm- stadt gehörigen Grafschaft Hanau-Lichtenberg geboren. Land­graf Ludwig IX. residierte in der Kegel in dieser damals noch sehr kleinen und unbedeutenden Stabt, die gar nicht im Mittelpunkt seines Gebietes lag. Pirmasens war das hessische Potsdam, da der Landgraf sich sehr viel mit militärischen Angelegenheiten beschäftigte. Zn seiner Jugend weilte Lanz eine Zeitlang in dem damals ganz französisch gesinnten Metz, wo das ist bezeichnend genug junge Mädchen aus dem Elsaß und aus der Grafschaft Hanau-Lichtenberg sich etwas Bildung aneigneten. Dann kam er in das Pädagog, das spätere Gymnasium, zu Darmstadt. Cs ist interessant, heute, in einem Zeitalter, da durch den Telegraphen, die drahtlose Telegraphie, das Telephon und die Schnellzüge man denke nur an den Balkanzug sich der Verkehr ungemein rasch vollzieht, die Verkehrsverhältnisse der alten Zeit in das Buge zu fassen, pfannmüller berichtet: ,,während Lanz noch in Darmstadt war und etwa siebzehn Jahre zählte, brachte plötzlich ein reitender expresser Bote, der freilich bei dem damaligen Mangel an guten wegen und Ehausseen Tage dazu gebraucht hatte, die schreckhafte Botschaft von der gefährlichen Erkrankung seiner Mutter. Der junge Mann nahm sich sogleich ein Pferd und ritt, von kindlicher Liebe getrieben, in raschester Eile nach Hause. Bei seiner Rnfcunft' zog ihm der Leichenzug seiner Mutter unterm Tor entgegen. Er konnte den Anblick und Eindruck nie mehr vergessen."

Zm Sturm der auch nach dem linken Bheinufer sich ausdehnenden französischen Revolution ging die Grafschaft Hanau-Lichtenberg unter, die Familie mrsßte das Land ver­lassen. Der junge Lanz wurde nach Verlauf einiger Jahre Pfarrer zu wolfskehlen, wo er bis zu seinem Tode geblieben ist. Damals waren die Pfarrer vielfach die Träger und För­derer aller Bestrebungen, die die äußere Lage unseres Volkes heben wollten. Eine spätere Zeit hat ihnen den Vorwurf gemacht, daß das nicht ihre Aufgabe gewesen sei, sie hätten sich auf die Verkündigung des Evangeliums beschränken sollen. Nun ist ja richtig, daß die Hauptaufgabe eines Pfar­rers ist, religiöses christliches Leben zu pflanzen und zu pflegen, aber man wird es jenen Alten doch immer hoch anrechnen, daß sie sich auch um Landwirtschaft, volks- gesundheit, Schulwesen und Wohlfahrtsbestrebungen geküm­mert haben. heute brauchen das die Pfarrer nicht mehr zu tun, weil der Staat und bie freie Vereinstätigkeit alle diese Arbeiten in die Hand genommen haben, aber um d-as Jahr 1800 gab es weder Landwirtschaftslehrer noch Kreisschul­inspektoren, noch sozialpolitische Vereine, und man wird es den alten Pfarrern, unter denen der treffliche Schlez in Schlitz hervorragt, als ein Verdienst anrechnen, daß sie sich die Hebung der Volkskultur angelegen sein ließen. Besondere Verdienste erwarb sich Lanz um seine Gemeinde in den Kriegszeiten im Anfang des 19. Jahrhunderts, indem er

zwischen den einquartierten feindlichen Truppen und seinen Gemeindegliedern vermittelnd auftrat, wie froh können wir sein, daß in diesem Kriege bei uns die Pfarrer diese Aufgabe nicht zu erfüllen haben und wie dankbar müssen wir sein, daß diesmal die großen Fortschritte der Medizin Seuchen von unserem Lande ferngehalten haben. In den Jahren 1813 1815 hat der Flecktyphus, damals Spitalpest oder Nervenfieber genannt, in Mittel- und Westdeutschland, be­sonders auch in Hessen, viele Menschen weggerafft. Lanz hat damals in Gemeinschaft mit einem jungen Darmstädter Arzte die Kranken aufgesucht und deren pflege überwacht.

Besondere Verdienste hat er sich in seiner Gemeinde er­worben, indem er eine Industrieschule (handarbeitsschule) gründete, es war dies in Hessen die erste Anstalt dieser Art. Die Mädchen wurden in weiblichen Handarbeiten, die Knaben in der Baumkunde unterrichtet. Leider wurde diese Schule später sehr eingeengt, da durch eine kreisrätliche Verfügung im Jahre 1841 ein Teil der Besoldung der Lehrerin weg­fiel' man wird es aber dem Begründer der Schule stets hoch anrechnen, daß er auf diesem Gebiete die Bahn gebrochen hat.

Sein Schwiegersohn Luck war gleichfalls ein eifriger Mann, aber doch von anderer Art. Er widmete sich aus­schließlich den kirchlichen Angelegenheiten, kümmerte sich um Aeußere und Innere Mission, den Gustav-Adolf-Verein, be­gründete in wolfskehlen eine Lesegesellschaft, verfolgte mit besonderem Interesse die religiösen und kirchlichen Ereignisse, aber auch das politische und geistige Leben in Deutschland, so daß die kurze Biographie aus der Feder pfannmüllers uns eine anziehende kulturgeschichtliche Schilderung gibt. Sehr ausführlich hat Lanz in einer Ehronik die Geschichte seiner Gemeinde geschrieben. Mit einem Großen des deutschen Geisteslebens, nämlich mit dem Dichter Friedrich Hebbel, war Luck befreundet, und so bilden die Briefe, die der holsteinische Dichter an den hessischen Pfarrer gerichtet hat, das Inter­essanteste des Buches.

Beide Männer, Lanz wie Luck, ragten geistig über das Mittelmaß nicht hinaus. Besonders war Luck nicht das, wofür er sich hielt, er war nämlich kein Dichter. Er hatte seine Gedichte an Hebbel gesandt, baß dieser ihm für einen Verleger sorgen solle, Hebbel lehnte ab,' wie die dem Buche beigefügten Gedichte beweisen, mit gutem Grunde. Aber die beiden Männer, Schwiegervater und Schwiegersohn, waren kernhaft deutsche, tüchtige und verdiente Männer. Männer dieser Art haben in vergangenen Tagen dazu mitgeholfen, Deutschland geistig und sittlich erstarken zu lassen, so daß wir in diesem ungeheuren Weltkrieg mit guter Zuversicht ausharren können, wir danken es deshalb pfannmüller, daß er uns die Lebensbeschreibung der beiden gegeben hat, und diese Zeilen haben den Zweck, auf sein Buch empfehlend hinzuweisen und ihm Leser zu gewinnen, von der großen Sorgfalt und Mühe, die der Verfasser aufgewendet hat, zeugen die Anmerkungen mit ihrem reichen lokalgeschicht­lichen und biographischen Material. h. B.

Meine Erlebnisse

in der französischen Zremdenlegion.

von einem Gießener.

(Fortsetzung.)

Bis ich am nächsten Tage wieder vorüberkam, fragte mich der Araber, was ich in seinem Hause gewollt habe, ich sagte ihm, daß mich die Neugierde Hineingetrieben habe, wir kamen mit­einander in bas Gespräch ,' bas wiederholte sich von da an jeden Tag, so daß wir miteinander gewissermaßen befreundet