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im Bett. So geht es den meisten, sie sterben nicht an ihrer Krankheit, sondern sie erliegen der Beue, dem Heimweh, dem Leid über ihr verfehltes Leben.
Ls war am 11. November 1885, als ich 0}uang=l)en verließ, immer noch schwer leidend. Das Schiff war ein Transportschiff der ,,Transatlantique Compagnie", es führte den Titel ,,France" und war eigens für den Transport von Soldaten hergerichtet. Ich gab mir die größte Mühe, meine Schwäche solange zu verbergen, als wir noch im Hafen waren,- denn, hätte man gemerkt, daß ich noch krank sei, so hätte ma,n mich sofort wieder vom Schiff heruntergebracht. Bber Gott wollte es anders. Ich habe mich, solange das Schiff noch im Hafen war, versteckt gehalten, erst als es den Hafen verlassen hatte, kam ich wieder zum Vorschein, um der letzten Stätte, an der ich in Bsien geweilt hatte, den Scheidegruß zuzuwinken, vor Schwäche bin ich bald zusammengebrochen, Hunger hatte ich mehr denn je, aber ich hielt mich doch leidlich aufrecht, hatte ich auch keinen Bekannten auf dem Schiff, so versuchte ich doch auch hier, mir Essen zu verschaffen. Jeden Mittag stellte ich mich an die Kombüse und wartete, bis sich der Koch sehen ließ - den bat ich, er solle mir doch etwas geben. Zuerst wollte er nicht- denn es ist dem Koch streng verboten, den Kranken etwas zu verabreichen, dann aber ließ er sich erweichen. Ich hatte mir eine Konservenbüchse verschafft, in die er mir Essen einfüllte. Leider dauerte das nicht lange- denn eines Tages erwischte mich der Brzt, und nun mußte ich in das Krankenzimmer. Dort mußte ich Bede und Bntwort stehen, ich gab der Wahrheit die Ehre und erzählte, wie ich mir die größte Mühe gegeben Hache, um aus Bsien fortzukommen. Erst machte der Brzt ein ernstes Gesicht, dann sagte er, ich solle nun keinen Hunger mehr leiden. Bus seine Weisung bekam ich jetzt so viel zu essen, als ich swollte, und siehe da, mein Zustand besserte sich schon nach einigen Tagen, so daß ich auch wieder auf Deck gehen konnte.
Brn 20. Bov. kamen wir in den Hafen von Saigon, wo ein- und ausgeladen wurde. Bm 26. Bov. verließen wir Saigon wieder. Bn jedem hafenorte, an dem wir anhielten, hatte ich große Unruhe, man könne in mir einen Kranken sehen, der mit dem nächsten Dampfer wieder zurückbefördert werde, aber Gott war mit mir, und alles ging glücklich vorüber. In den Hafen von Singapore fuhren wir am 1. Dezember ein, hier lagen Hunderte von Schiffen aller Gattung und Größe aus aller Herren Ländern, wir nahmen hier Kohlen, Früchte und Güter ein und fuhren nach drei Tagen wieder ab. Durch die Meerenge von Malaga und durch die Meerenge von Sumatra fuhren wir am 5. Dezember. Bn der Insel Ceylon vorüber ging unsere Fahrt, dann ging es weiter durch das Bote Meer. Suez wurde am 18. Dezember erreicht, Port Said am 20. und am 28. Dezember waren wir wieder in Blgier.
Bm nächsten Tage wurden wir nach einer Bbwesenheit von 15 Monaten und, nachdem wir viele Leiden ausgestanden hatten, wieder auf afrikanische Erde gesetzt. Die ersten zwei Tage brachten wir in Blgier in der Zuavenkaserne zu. während der Reife hatte meine Gesundheit zusehends zugenommen. Der Brzt, der mich auf ber Beise so wohlwollend behandelt hatte, sagte mir, als wir an Bden vorüberfuhren: „Mein junger Freund, jetzt sind Sie gerettet, halten Sie sich weiter so, so werden Sie das Glück haben, Ihre Heimat wieber? Zusehen." Ich dankte dem Brzte, baß er mir so freundlich beigestanden hatte. Er war sehr über meine zähe Batur erstaunt. Die Hauptsache war, daß Gott mir geholfen hatte, diese Leiden zu überstehen.
Frühmorgens am 51. Dezember fuhren wir von Blgier ab und kamen nach Brzew, einem kleinen Hafen des Mittelländischen Meeres. Bm 11. Januar 1886 mußte ich wieder in das Lazarett,' denn mein Fieber war wiedergekehrt. Bm 50. Januar wurde ich wieder entlassen, mußte aber vom 14. bis zum 25. Bpril abermals in das Lazarett, da sich die Dysenterie wieder gezeigt hatte. Bber es ging mir doch bedeutend besser als in Bfrika, die Luft und die Bewegung waren mir sehr zuträglich.
Brzew ist eine kleine, meist von Fischern und Schiffern bewohnte Stadt, ihrer Bationalität nach sind die Bewohner Spanier und Italiener, weniger waren unter ihnen die Eingeborenen vertreten.
wir lagen auf einem Berge in der höhe des Gleiberges, in einem Fort oder in einer Bedoute. Es waren nur Fremdenlegionäre- denn die Franzosen kamen sogleich in ihre Heimat. Beun Monate habe ich auf diesem Berge zugebracht,- nicht ein einziges Mal erreichte mich eine Liebesgabe, wie sie jetzt unseren Kriegern in so großer Zahl gespendet werden. Gehört habe ich wohl, es seien eingemachte Früchte und wein angekommen, aber bekommen habe ich nichts von diesen Gaben. Der Brzt hatte mir aber doch dort ein Bezept zur Stärkung meines geschwächten Körpers verschrieben, welches ich sehr geschätzt habe- er hatte mir nämlich für jeden Tag 5 Liter Milch verordnet, die ich mir selbst holen mußte. Es ist dort eine besondere Brt, wie sich die Leute die Milch holen. Hirten oder auch die Besitzer selbst treiben ihre Ziegenherden, etwa 50—50 Stück, vor die Stadt. Die Ziegen tragen Schellen, durch das Geläute werden die Leute, die Milch haben wollen, aufmerksam gemacht, und die Frauen und Kinder kommen mit ihren Töpfen, um die Milch frisch von den Ziegen zu bekommen. Jeden Morgen kam auch ich mit zwei Flaschen unter dem Brm den Berg heruntergeschritten, ein Liter trank ich frisch von der Ziege, die beiden anderen Liter nahm ich mit. Ich war der einzige, der diese Vergünstigung erhielt, daraus kann man sehen, wie krank ich gewesen bin. Trotzdem ging es langsam mit meiner Gesundung vorwärts. Das Essen war genau so wie in der Kaserne, nur bekam jeder eine kleine Zulage, der eine wein, der andere besseres Brot. Eigentlich waren nur drei Monate des Bufenthaltes für uns in Brzew vorgesehen, für mich aber wurden es neun Monate.
Es war die beste Zeit, die ich in der Fremdenlegion zubrachte. In unserer freien Zeit gingen wir an das Meer, fingen Bale und andere Fische, oder schauten den Fischern bei ihrer Brbeit zu. Dort werden sehr viele Sardinen gefangen, die von der Bevölkerung auf allerlei Brt verpackt und versandt werden. Buch wurde in Brzew sehr viel Salz verschifft.
In diese Zeit fiel das französische Bationalfest, das Fest der Bepublik am, 14. Juli, damit ist immer eine militärische Feier ersten Banges verbunden, wir mußten uns alle, soweit es der Gesundheitszustand erlaubte, auf einen freien Platz begeben. Dort waren die Militär- und Zivilbehörden versammelt, und es wurde ein großes Lobgehudel auf die Bepublik und die tapferen französischen Truppen losgelassen, dann mußte ein jeder vortreten unb bekam von dem derzeitigen Kommandanten mit eigener Hand eine Medaille angesteckt. Diese Medaille ist kein Orden oder Ehrenzeichen wie das Eiserne Kreuz oder die hessische Tapferkeitsmedaille, sondern eine Gedenkmünze, die jeder bekommt, der einen Feldzug mitgemacht hat. Sie hat die Größe eines Zweimarkstückes und ist aus echtem Silber hergestellt. Bus der Bvers-


