feite sieht man einen Frauenkopf als Zymbal 6er französischen Republik, auf der Reversseite stehen die Namen Rnam, Tonkin, Formosa, pescadore, Sonhai usw., die Medaille wird am gelb-grün gestreiften Rande getragen. Es ist das einzige Stück von pekuniärem IDert, das ich aus Frankreich mitgebracht habe, aus dem Sande, dem ich meine Gesundheit und meine Jugend zum Opfer gebracht habe. Rber eins habe ich doch aus der Fremde mitgebracht, das ist die Siebe zum deutschen Roden und zum deutschen heimatlande, und die Erkenntnis, daß unsere Kultur über der der anderen Volker steht.
wie es in französischen Offizierskreisen mit der Wertschätzung der Republik aussieht, davon will ich eine kleine Geschichte erzählen. Sn der Hoffnung, daß wir am 14. Juli etwas Resonderes erhalten würden, hatten wir verabredet, unser Zimmer der Feier entsprechend festlich herzurichten. Ein Offizier, den wir darnach fragten, gab uns die Erlaubnis dazu, wir machten uns daran, einen Sorbeerkranz mit den Zeichen der französischen Republik und mit der Inschrift: Siberte, (Egalite, Fraternito (Freiheit, Gleichheit, Rrüder- lichkeit) über unsere Tür zu zeichnen und den Zwischenraum in den Farben der französischen Trikolore: blau, weiß, rot zu halten, wir gaben uns alle Mühe, etwas Ordentliches zustande zu bringen, soweit das mit unseren bescheidenen Mitteln möglich war, und wurden von unserem Offizier auch belobt.
Rm andern Tage, dem 14. Juli, wurden alle Räume durch den Rommandanten, die übrigen Offiziere und zwei Rerzte besichtigt. Rls unser Zimmer an die Reihe kam, war alles gut, bis der Rommandant wieder den Raum verlassen wollte. Da fiel sein Rüge auf unsere über der Tür angebrachte Runstleistung. Sofort fragte er, wer das gemacht habe, er bekam zur Rntwort, daß alle Insassen des Zimmers daran gearbeitet hätten. Da gab uns der strenge Herr zwei Stunden Zeit, um alles wieder verschwinden zu lassen mit der Rn- drohung, daß sonst alle Vergünstigungen für den Tag wegfallen würden. Der Rommandant war nämlich ein Monarchist, der von der Republik, der er diente, nichts wissen wollte. Mit Reisig und Fahnentuch haben wir darauf unsere Malerei verdeckt. Der Gegensatz zwischen Monarchisten und Republikanern im französischen Offizierskorps ist unterdessen noch viel größer geworden.
wie ich schon erwähnte, mußte ich jeden Morgen den Rerg hinuntersteigen, um mir die mir verordnete Milch zu holen. Rn dem Wege, den ich dabei zurückzulegen hatte, hatte ein arabischer Einsiedler seine Hütte. Im Saufe des Tages kamen viele Rraber zu ihm, ließen sich aus dem Roran vorlesen oder beteten auch mit ihm. Rllmählich wurde ich mit dem sonderbaren Manne bekannt, und eines . Tages faßte ich mir Mut und betrat seine Rehausung, sie war gerade so einfach ausgestattet, wie das Haus eines jeden anderen Rrabers. Ich sah niemand im Innern und schlich mich wieder davon.
(Fortsetzung folgt.)
war der alte Vetter erzählte.
Eine Erzählung aus der Franzosenzeit von Lugen Mayer. (Fortsetzung.)
hier machte der ,,Vetter" eine lange Pause. Die Erinnerung übermannte il)n; er dachte an alles, was seine Familie in jenen Tagen an Schmerz und Grimm durchzumachen hatte. Die Pfeife war ihm darüber ausgegangen, was selten geschah. Endlich klopfte er den Rest von Tabak samt der Rsche heraus, stopfte sie aufs neue, setzte sie in
Rrand und fuhr dann bedächtig in seiner Erzählung fort. Rber seine Stimme klang dumpfer; es klang daraus eine verhaltene Klage über das, was nun kam.
von Hannes hörten wir lange nichts. Raid hieß es, ein neuer Krieg werde ausbrechen. Niemand wußte, gegen welches Volk er gerichtet war,' denn sie waren ja alle von ihm zu Roden geworfen, die Völker und Staaten, von denen die £eute etwas wußten. Nur von England und Rußland sagte man, daß sie dem Eroberer noch widerstand entgegensetzten und sich von ihm keine Refehle vorschreiben ließen. Nicht lange darauf begannen auch die Truppendurchzüge auf der großen Straße, die von Paris nach Mainz führte. Jeden Tag war jemand von uns drunten in der Stadt, um. nach Hannes auszuschauen, wenn er etwa unter den Durchziehenden sein sollte. Und er war darunter. Lines Tages kam ein Rursche eilenden Sauses ins Dorf und bestellte im Ruftrag der ältesten Schwester, die gerade auf der Gasse gestanden hatte, die Eltern und die Gret hinunter in die Stadt. Spät in der Nacht kamen sie zurück, niedergeschlagen und mit verweinten Rügen. Sie waren mit Hannes, der ein schmucker Kürassier geworden war, zusammengetroffen. Rber sie hatten nur kurzen Rbschied von ihm nehmen können, da das Regiment, zu dem er gehörte, nur ein paar Stunden in der Stadt gerastet hatte, um abzukochen, neuen Proviant einzunehmen, um dann weiter nach Norden zu ziehen gegen Rußland, wie man sich jetzt allgemein sagte. Es war ein herzzerreißender Rbschied gewesen. Rls die Trompeten des Regiments zum Sammeln bliesen, hatten sich die Frauen dem Hannes an den hals geworfen und wollten ihn gar nicht mehr loslassen; der Vater aber hatte daneben gestanden und die Hand des Sohnes in der seinen gehalten in stummem Schmerz. Es war, als ob sie geahnt hätten, daß sie einander nicht Wiedersehen würden. Rber das hatte alles nichts geholfen. Der Hannes mußte fort. Die Kommandos ertönten, die Reihen ordneten sich und unter dem lustigen Schmettern der Trompeten zogen die Kürassiere zur Stadt hinaus in die ungewisse Ferne, während drei arme Menschenkinder mit blutendem Herzen ihre müden Füße durch den Wald zum Dorfe herauftrugen.
Das Trauern wollte nun kein Ende mehr nehmen. In unserm Hause sah man kein frohes Gesicht mehr und auch wir Rinder unterdrückten jedes heitere Sachen, wenn wir den Eltern in die vergrämten Gesichter sahen oder wenn die Gret mit ihrem Rind zu uns kam, was sie jetzt jeden Tag tat, da die Eltern in ihr und dem verwaisten Enkelkind das letzte Vermächtnis des ihnen entrissenen Sohnes ehrten.
INonate gingen dahin, von Zeit zu Zeit kam eine dunkle Nachricht von dem Vormarsch der ,,großen Rrmee" und von den Siegen des Kaisers Über die zurückweichenden Russen, von Hannes kam kein Lebenszeichen; denn er konnte nicht schreiben. Damals empfanden die Leute im Dorf, zum erstenmal vielleicht, den Mangel einer regelmäßigen Schule. So kam der Winter und ging unter harter Kälte und vielem Schnee herum. Mit Rangen und doch wieder auch mit geheimer Hoffnung horchten wir in die Ferne auf jede Kunde, die spärlich genug ihren weg zu uns fand. Eines Tages brachte einer der Dorfleute, der in der Stadt gewesen war, die Nachricht, der Kaiser sei auf der Fahrt von Mainz nach Paris durchgekommen,' er habe sich nicht aufgehalten, sondern nur die Pferde seien gewechselt worden, was war das? was sollte das bedeuten? war der Krieg zu Ende? würden die Soldaten heimkehren, um sich auszuruhen von den Strapazen? würde auch der Hannes unter ihnen sein? Durfte


