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Nr. 4. Eichen, 4. Sonntag n. Epiph. den 30. Januar 1916. 5. Jahrgang.

Der gute Hirte.

Evangelium des Zahannes 10, 14. Ich bin der gute Hirte; ich kenne

die Meinen und bin bekannt den Meinen.

von allen Gestalten, in welchen die Person des Hei­landes die christliche Einbildungskraft beschäftigt, reicht doch keine an Bedeutung an die heran, in welcher er uns in diesen Worten gegenübertritt. Vas hat vielleicht darin seinen Grund, daß in dieser Gestalt, derjenigen des Hirten, die Mühe und Beschwerde, die dem Herrn sein Heilandsberuf ver­ursacht, am klarsten und sinnenfälligsten herausgehoben wird. Der Simmann wirft seinen Samen auf das Land und hat dann weiter mit dem, was er in das Dasein gerufen hat, nichts mehr zu tun. sehnlich ist die Haltung, die der Bräu­tigam im Gleichnis von den zehn Jungfrauen einnimmt. Näher kommt der Hirtengestalt schon diejenige des barm­herzigen Samariters, obwohl auch von diesem festzustellen ist, daß er sich von seinem Werke lost, ehe dieses vollendet ist.

Der Hirte aber ist Tag und Nacht, bei wind und Wetter bei seinen Schafen, hat beständig beide Bugen über ihnen offen stehen und breitet beide Hände über sie aus. Tr wandelt mit ihnen im Staube der Landstraße, teilt mit ihnen Frost und Hitze auf freiem Felde, spürt alle Nöte seiner Herde an seinem Leibe. Ts gibt demnach kein Bild, das die Zusammengehörigkeit des Heilands mit seiner Christenheit in innigerer weise zur Darstellung brächte, als dasjenige des guten Hirten. Somit ist es kein Wunder, daß gerade dieses sich mit der größten Schärfe in die Einbildungskraft der Ehristenheit eingeprägt hat. So wandelt Jesus in der Gestalt des guten Hirten durch die Jahrhunderte, ein leben­diges Bild der Hilfe und ein Vorbild. Buch den Nöten des Krieges zeigt er sich auF diese weise als den Lebendigen, viele sagen, der Krieg habe dem Christenglauben, der be­reits vorher nur noch eine Scheinwahrheit geworden sei und sich zur Redensart verflüchtigt habe, vollends den Todesstoß gegeben. Man redet von dem endgültigen Ban­kerott des Thristentums.

Nichtet man auf die den Blick, deren Gedankenwelt am unmittelbarsten durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogen worden ist, so stehen denen, die draußen unter den Plagen und Gefahren des Krieges an dem Christenglauben eine

wertvolle Stütze gefunden haben, die sie in Not und Tod aufrecht hielt, auch solche gegenüber, die bekunden, daß sie der Krieg an ihrem Glauben erst recht irre gemacht hat. Cs tut not, nicht bloß auf die zerrissenen Leiber das Bugenmerk zu richten, die von draußen herein kommen und deren Zu­stand oft zum Himmel schreit, sondern auch auf die zerrissenen Seelen. Bn denen hat die christliche Glaubensgemeinschaft eine Bufgabe zu vollbringen, von deren befriedigender Lösung wahrscheinlich ihr eigener zukünftiger Bestand in bedeutendem Maße abhängen wird. Möge sie sich bei der Bewältigung dieser Bufgabe nach allen Seiten des Vor­bildes erinnern, das ihr ihr Herr und Meister in der Gestalt des guten Hirten gegeben hat, und ihr in seiner Busübung auch der rechte Erfolg beschieden sein ! K. G.

Meine Erlebnisse

in der französischen Fremdenlegion.

von einem Gießener.

(Fortsetzung.)

Wie froh war ich, als mir gesagt wurde: du darfst Bsien verlassen, du kommst als Rekonvaleszent nach Bfrika. wie lebte ich da auf, wie faßte ich wieder neuen Mut, es war die erste Freude, die ich seit langer Zeit wieder hatte, wenn ich nach Bfrika kam, so war ich ja noch lange nicht in der Heimat, aber es war doch der erste Schritt, der mich näher zu ihr hinführte. Sch glaube auch Glicht, daß ich es noch lange in Bsien ausgehalten hätte,' denn ich war nur noch ein Schatten. Bls ich Bbschied nahm, hörte ich einen der Kranken sagen: der geht, der ist aber nur noch Futter für die Fische. Ueber diese Bede beunruhigte ich mich nicht, ich drückte jedem von ihnen die Hand und bin im Herzen als guter Kamerad von ihnen geschieden. Namentlich tat mir der Bbschied von einem deutschen Landsmann, einem Mecklen­burger, der mir manchmal während meiner Krankheit ge­holfen hatte, weh. Sch glaube nicht, daß er so glücklich war, seine Heimat wiederzusehen' denn er hatte allen Mut verloren, wie oft habe ich ihm Mut zugesprochen. Bber es half nichts, in der nächsten Stunde saß er wieder, still brütend,