schätzen lernen, wir werden Gottes schöne Natur auf uns wirken lassen, indem wir das deutsche Land durchziehen, nicht mehr lärmend, sondern auf ruhiger, freudevoller Wanderung. Gottes bewahrende Treue, die wir seither in 18 Kriegs- monaten erfahren haben, wird auch in der schweren Zeit nach dem Kriege mit uns sein. h. B.
Aus der Zeit für die Zeit.
von Generalarzt a. V. Vr. Otto Kappesser in varmstadt.
Reichtum wird wenig, wo man es vergeudet; was man aber zusammenhält, das wird groß.
Sprüche Salomos 13, II.
Wir hatten seit Jahr und Tag ein Dienstmädchen, aus dem Dorfe T. in Uheinhessen stammend, mit dessen Leistungen und Betragen wir zufrieden waren, wie auch wir uns des Gleichen von ihrer Seite versahen. Letzte Weihnacht bekam sie ihr reichliches Geschenk, das sie sich selbst im Laden aussuchen durfte, und dann verlangte sie drei Tage Urlaub, um daheim das echt rheinische Fest, den Bündelches- lag,*) zu feiern und auch wohl um sich in ihrem neuen Staat zu zeigen. Bei der Rückkehr aber war sie wie umgewandelt und nur zu bald überraschte sie uns mit der Ankündigung, sie werde uns am I. Februar verlassen und nach Hause gehen. Sie erzählte dann, ihre Leute hätten ihr sofort angesehen und auf den Kopf gesagt, sie sähe schlecht aus, und das komme doch nur von den Brotkarten und den fleischlosen Tagen. (Sie hat allerdings einiges von der gebräunten Gesichtsfarbe, die sie sich bei der heimischen Feldarbeit geholt, eingebüßt, war aber seither stets kerngesund. Zch selbst, alz geborener Uheinhesse, halte an dem heimischen Brauch fest, danach im krause so gekocht wird, „daß noch ein zugereister handwerksbursch mit satt werden kann".)
Des weiteren berichtete sie, ihre Eltern hätten ein Schwein geschlachtet, das 280 Pfund gewogen habe, und hätten schon wieder vier junge als Nachwuchs im Stall. Wegen fleischloser Tage aber ließen sie sich von niemandem Vorschriften machen. Außerdem hätten sie gesagt: das mit dem Sparkassebüchlein sei reiner Unsinn, damit werde sie sich nur einen Steuerzettel zuziehen, den sie dann bezahlen müsse. Wenn sie Geld übrig habe, dann solle sie sich ein Gutes damit tun; denn man sei nur einmal jung. (!)
vergebens haben wir ihr dann vorgestellt, daß ja die Solberknochlein und die frischen Bratwürste wohl gegessen sein würden, bis sie nach Hause komme, auch sei es dann mit dem bequem morgens Uusschlafen wohl vorbei, denn die Schweine und Kühe wollen schon vor sechs Uhr gefüttert und die letzteren auch gemolken werden und ihren Stall gemistet haben. Das ging freilich zu einem Ohr hinein und zum anderen hinaus, gerade so wie unser Hinweis, daß Ichon in der Bibel steht: Spare in der Zeit, daß du es habest in der Not, von Freunden im Leid wiegen hundert kein Lot. daß von ihren 30 Mark Spargut bis zur Kapitalrentensteuer noch ein himmelweiter weg sei. daß dieselben aber an ihrem jetzigen Platz ohne alles Zutun nach einem Jahr zu 31 Mark und noch darüber wachsen, während, wenn sie sich etwa dafür einen Hut mit Federn kaufe, sie nach Jahr und Tag nur einen altmodischen Haderlump übrig behalte.
Schließlich gab ich ihr dann noch anheim, sie möge ihren Leuten sagen, was sie von einem alten Mann gehört habe.
k Eay. Qn dem die vienstmägde ihre neue Stelle antreten
der lang genug gelebt hat, um zu wissen, daß nichts in der Welt so beständig ist als der Wechsel. Wenn unsere biederen Heimalgenossen etwa glauben, daß das jetzige „Bärenleben" gerade nur so weiter gehe, indem man den Ertrag einer überreich gesegneten Ernte um den drei- und noch mehrfachen Preis verkauft und etwa für ein fettes Schwein so viel erlöst, als man sonst für eine fette Kuh oder gar Ochsen forderte, dann ist das eine recht kindliche Uberweisheit. Gerade vor hundertundzwei Jahren tobte auch der Kriegssturm durch ganz Europa und auch hier am Rhein. Da haben auch die Pfälzer Bauern, die damals auch noch Franzosen waren, die Erträgnisse von drei einander folgenden guten Ernten 1813 1814 und 1815 für schönes Geld den heereslieferanten verkauft und mochte wohl mancher gedacht haben, das w.rde noch eine Weile so fortgehen. Dann kam aber das Hungerjahr 1816, von dem uns Bechtolsheimer in seiner danach benannten Geschichte (Wiesbadener Volksbücher Nr. 97, 21. bis 35. Tausend, 1913) eine, ergreifende Schilderung gibt, wie da ein braver Bauersmann seinen Uckergaul, seine frischmelkenden Kühe und fetten Schweine verkaufen mußte, weil er kein Futter mehr für sie hatte und er den Erlös bitter notwendig hatte, um für sich und die Seinen das Hungerbrot zu kaufen, das noch nicht einmal K-Brot war! Und wie er dann noch froh war, beim Straßenbau, durch den die neue hessische Regierung Notstandsarbeit beschaffte, als Taglöhner etwas zu verdienen. Dann kamen noch die 20er Jahre, als durch die geänderten Verkehrsverhältnisse eine Zeitlang der Wert der landwirtschaftlichen Erträgnisse einen Tiefstand erreichte, daß manä^er Grundbesitzer den Erlös für seinen Ueberschuß in der Westentasche heimtrug und kaum die Steuern herauswirtschaftete.
Wie sagt doch schon der alte Ben Ukiba: Ulles ist schon einmal dagewesen.
Meine Erlebnisse
in der französischen Fremdenlegion.
von einem Gießener.
(Fortsetzung.)
Zch wurde mit noch einigen Kranken am I. Oktober von Hanoi weggeschafft und kam in dem Tonkinesischen Hafen Ouang-Pen in das Hospital, hier wurde ich von einem Schiffsarzte behandelt, dem ich bei der ersten Untersuchung erklärte, daß ich keinen Wein vertragen könne, wohl aber jede Kost. Uuch er schüttelte den Kopf und meinte, das könne nicht möglich sein, ich solle mich nur ganz seinen Unordnungen fügen, dann werde ich in kürzester Frist wieder hergestellt sein. Das versprach ich auch. Nun sollte ich jeden Tag Pillen nehmen, den ersten Tag eine, den zweiten Tag zwei, den dritten Tag drei, dann wieder abwärts. Zch nahm den ersten Tag die Pille, die mir eine Schwester brachte; denn ich wollte doch gesund werden. Uber welche Schmerzen bekam ich darauf, laut habe ich geschrieben, daß Urzt und Schwester herbeikamen, aber sie halfen nicht dazu, daß die Schmerzen gemildert wurden, erst gegen Morgen bekam ich etwas Linderung. Der Urzt sagte, ich solle die Pillen nur weiter nehmen, es würde in der nächsten Uacht nicht so schlimm werden. Uber als mir die Schwester die Pillen brachte, nahm ich doch nur eine, da wollte sie Gewalt anwenden, aber ich nahm mein Wasserglas als Waffe in die Hand und weiß nicht, was geschehen wäre, wenn sie mich nicht in Ruhe gelassen hätte. Wie gut war es, daß ich nur eine Pille genommen hatte; denn die Schmerzen wurden so groß, daß ich es kaum


