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auch ich kam als choleraverdächtig in eine alleinstehende Varacke. Kn dem Tage, als das vor sich ging, bekam mein veschützer. der Lazarettgehilse. aus seiner Heimat einen vries. ' darum suchte er mich in der varacke aus. das; ich ihm leinen vries vorlesen solle. Der vries mar von seiner Schwester geschrieben, sie teilte ihm mit. daß sie sich am l. September mit einem Hausmann verlobt habe, außerdem schrieb sie ihm, was sich sonst noch in dem Dorschen begeben hatte. Kls ich den vries vorgelescn hatte, sagte mir mein Z re und. er wolle bei mir der Cholera Vorbeugen. Gegen Lebend kam er wieder, brachte eine kleine Zlasche. schenkte mir von deren Inhalt ein großer Glas, das ungesahr *» Liter enthielt, ein und nötigte mich, davon zu trinken. Ich nahm es zu mir. es schmeckte wie alter wermuth. ob es solcher war. kann ich jedoch nicht sagen. Aber welche Wirkung übte dieses Getränk aus mich aus. das ist säst nicht zu beschreiben. Ich siel in einen starrkrampsahnlichen Zustand, die Schustern und die Laza- rcttgehilsen bekamen mit mir schlvere Arbeit. Später erzählte mir die Schwester, daß sie mich stündlich von einem in das andere Veit gehoben halten und daß die Kerzte die Kopse ge> schüttelt hätten, da ihnen so etwas noch nicht vorgekommen sei. Ich aber wußte von allem nichts, erst am vierten Tage lvachte ich aus und verlangte Wasser, ich bekam aber keins. Zwei Merzte und eine Krankenschwester waren bei mir. ich horte den einen Krzt sagen: i! eat aauv6 (er ist gerettet), vald bekam ich auch etwas zu essen und zu trinken, wurde auch gefragt, ob ich etwas Schädliches zu mir genommen habe, ich schwieg aber wohlweislich, um mir und meinem Zreunde keine Strafen zuzuziehen. Ich bekam nun sehr gutes und kräftiges Essen in kleinen, aber oft sich wieder- holenden Mahlzeiten, überhaupt konnte ich in dieser Zeit nicht mehr über die vehandlung klagen. Noch fünf Tage lag ich in der varacke. aber welche Menge Toter gab es da. viele waren kaum als krank eingeliefcrt worden, da wurden sie auch schon als tot hinausgeschafft. Ts rvar.ein Jammer, aber auch diele schwere Zeit ging vorüber. In dieser Zeit bekam ich einen vries von meinen Eltern, er hatte eine Krise von 14 Monaten gemacht und war mir von Afrika aus überallhin nachgewandert. Zreude und Trauer ergriffen mich, als ich ihn las. hilflos und schwerkrank lag ich im fremden Lande, und wieder wie so oft regte sich die Neue. Kber der Wunsch, die Heimat und die Meinen wiederzusehen, erfüllte mich auch mit starker Willenskraft, und ich hielt mick in

dielen trüben Tagen aufrecht.

Km neunten Tage kam ich in eine andere Varacke. Vas Lieber nahm nun eUvas ab. früher hatte ich zwischen 40 und 41 Grad gehabt, jetzt sank meine Temperatur auf 39 Grad. Ob das die Wirkung des oben geschilderten Nadikalmittels war oder die Wirkung der besseren Verpflegung, weiß ich nicht, jedenfalls war ich froh, daß es mir nun besser ging.

Leider habe ich meinen Zreund. den Lazarettgehilfen. nur noch einmal gesehen: denn ich kam von Hanoi weg Ich kam nämlich zu einem anderen Krzt in Vehandlung. der den Vorschlag machte, ich solle, um Luftveränderung zu haben, an die Küste gebracht werden. In dieser Zeit wurde ich ^ auch zur Dekorierung vorgeschlagen, ich sollte einen französischen Orden bekommen, doch ist ein solcher mir nicht verliehen worden, weil ich ein Deutscher war. wäre ich wenigstens ein Elsässer gewesen, so hätte man mir die Dekoration ver­liehen. Doch habe ich mir keinen Kummer gemacht, weil diese ausblieb.' denn mein ganzes Sehnen stand nack Deutsch' land. < Fortsetzung folgt.)

tDü$ Ser alte Vetter erzählte.

Eine Erzählung aus der Zranzosenzeit von E u g e n M a y e r.

(Fortsetzung.)

wir fühlten uns. so erzählte der ..Vetter", unter der Zranzosenherrschaft bald ganz wohl, viele wollten es gar nicht mehr unssen. daß es einmal anders gewesen war. Za. wir wurden ordentlich stolz daraus, der ..großen Kation anzugehoren. als der Kaiser Napoleon seine siegreichen Schlachten schlug und eines Tages ein Sohn des Dorfes, der als Soldat mitgezogen war, heimkehrte als Korporal und mit dem Kreuz der Ehrenlegion geschmückt, und erzählte vom Soldatcnkaiser. wie der seine Leute kenne und für sie sorge. Da wachte in manchen vurschen die Lust am Soldatenleben auf und er wollte es kaum abwarten. bis auch an ihn die Neihe kam. daß er in die siegreiche Krmee eintreten sollte.

Doch dar kam bald anders und die Zreudc am Sol- datenleben kühlte sich rasch ab. als die unaufhörlichen Kriege des Kaisers immer neue Kushebungen oeranlaßten. Kuch an unser Haus klopfte die Kriegssorge der Zeit. Mein vruder Hannes war ein großer stattlicher vursche geworden und in das Alter getreten, da er zur Ziehung kommen sollte. Er war außer mir der einzige Sohn der zahlreichen Za- inilic und ging dem Vater in der Ivaldarbeit kräftig zur Hand, während ich noch ein Knabe war. der kaum in die Schule gehen konnte, wenn überhaupt in diesen unruhigen Zeiten von einer Schule für unser abgelegenes walddorf ganz vorübergehend einmal die Nede war. Der Vater wollte und konnte den Hannes nicht gut entbehren. Dazu kam noch die Kngst. er könnte in einer der vielen Schlachten fallen. Damals wurden viele Pfälzer nach Spanien geschickt, um gegen die Engländer zu kämpfen oder die wilden Spanier niederzuwersen. welche sich dar französische Joch nicht ge« fallen lassen wollten. Man erzählte sich schreckliche Ge- schichten von den Kämpfen drunten im Süden, wie die Spa. nicr mit den gefangenen oder verwundeten Zeinden um­gingen. Meine Mutter weinte manche stille Träne, wenn sie sich für ihren Keltesten ein solches Schicksal vorstellte.

In solcher vedrängnis schien meinen Eltern eine Tat» sache zur Hilfe zu kommen, von der sie vorher nichts hatten wissen wollen. Hannes hatte nämlich seit einiger Zeit ein ..Gehänge" mit einem Mädchen im Dorfe. Die Eltern sahen es nicht gern: denn der Hannes war noch jung und sie konnten ihn noch nicht in ihrem Haushalt entbehren. Kuch war die Gret nicht ganz nach ihrem Geschmack: sie war in ihren Kugen etwas leicht. ..ein bißchen schlampig", wie sie er nannten, wenn sie auch sonst ein sauberes Frauenzimmer war: endlich war sie älter als der Hannes und die Lieb- schaft mit diesem war nicht die erste, die sie hinter sich hatte. Schon zu manchem ernsten Auftritt war cs zwilchen Vater und Sohn gekommen und wenn die Mutter nicht manchmal bittend und obwehrend dazwischen getreten wäre, hätte es vielleicht schon etwas gegeben, was beiden nachher nicht lieb gewesen wäre, besonders als man sagte, daß die Gret sich Mutter fühle, und Hannes die Vaterschaft des zu erwartenden Kindes nicht gerade ableugnete, wenn er sich auch noch scheu um die Sache herumdrückte.

Nun aber kam ihnen die vorher so verhaßte Liebschaft mit allen ihren sonlt so unangenehm empfundenen Folgen wie gerufen, um das noch Unangenehmere abzuwenden. Nur vor einer Schranke machte nämlich die Menschenschlächterei des großen Napoleon halt: vor der Ehe. Die verheirateten Männer waren bisher nicht zum Militär eingezogen worden: