Nun sind es wohl nur wenige, die ihr Leben von Jugend auf in Harmonie mit dem Göttlichen zu bringen sich bestreben, in der Ueberzeugung, daß wir doch nur Gäste hinieden sind, und daß unser ganzes Leben und Zein erst in der Ewigkeit in seinem wahren Lichte geschaut rverden wird. Da werden die vielen unausgenühten Stunden unseres Lebens uns Ankläger sein. Es handelt sich dabei nicht nur um unterlassene Arbeit, sondern viel viel mehr darum, daß wir der pflege unserer Seelen so wenig Zeit zugewendet haben.
wie selten finden wir Zeit, für nur eine Viertelstunde innerer Einkehr, stiller Sammlung! Wohl haben wir Zeit in erster Linie für unsere häuslichen und Berufsarbeiten, die gewiß nicht unterschätzt werden sollen und die mit ihren mannigfachen Anforderungen, besonders in der heutigen Zeit, viel von unserer Zeit und Kraft beanspruchen, wir haben ferner Zeit zu besuchen, zum Lesen der Zeitung, zu Landarbeiten und Unterhaltungen mannigfacher Urt, aber haben wir auch Zeit, an Gott zu denken, an den inneren Verkehr mit ihm zum heil unserer Seele?
Wohl gibt es Gotteskinder wem wären sie nicht schon begegnet? — in deren Nähe wir fühlen, daß ein Segens- strom von ihnen ausgeht, obwohl sie nichts davon reden, was ihre Seelen ausfüllt und bewegt. Man fragt sich, was das Geheimnis ihrer Kraft ist, auch den schwersten Anforderungen ruhig, fast selbstverständlich nachzukommen, nie Eile, dafür aber immer Zeit zu haben für sich und andere? Zst es nicht das, daß sie das band, welches sie mit ihrem himmlischen Vater verbindet, nie los lassen, daß sie vielmehr es stetig und treu in ihren Herzen verwahren, daß sie stets darum ringen, es nicht zu verlieren?
wir wissen doch uxchl oder sollten es wissen, daß alle Kraft, die in den vielerlei Kreuz- und Leidenswegen dieses Lebens uns trägt, nur aus unserer Verbindung mit demhimm- lischen Vater kommt' sie ist nicht die Folge unserer Tüchtigkeit, unserer Gesundheit oder unserer guten Verven, nein, dies alles kann uns im Stiche lassen, uns genommen werden) was uns aber nie genommen werden kann, wenn wir daran festhalten, das ist die Liebe Gottes, unseres himmlischen Vaters.
Zch wurde kürzlich durch das soeben erschienene Lebensbild der vor wenig Jahren Heimgegangenen verwitweten Gräfin Marie waldersee an diese edle Frau erinnert, der ich nur flüchtig im Leben begegnet bin, die aber damals einen tiefen Eindruck in mir hinterließ. Um immer inniger mit ihrem Gott verbunden zu werden, faßte sie in jungen Jahren schon den Entschluß, die ersten Morgenstunden eines jeden Tages Gott zu weihen, ein versprechen, das sie treu gehalten hat. was für eine Ausdauer und Hingabe dies bei einer Frau in ihren Lebensverhältnissen erfordern mußte, kann man sich kaum vorstellen, ver große Frieden aber, der von ihr ausging, und die Hilfe, die sie Unzähligen gab und sie auf den weg zum Frieden leitete, rvar der widerstrahl ihrer völligen GoNesgemeinschaft. Ich glaube, wir alle würden einen großen Segen für jeden einzelnen Tag, ja, für unser ganzes Leben verspüren, wenn wir darum ringen wollten, nicht nur die erste Morgenstunde oder einen Teil davon ausschließlich dem Verkehr mit unserm himmlischen Vater zu opfern, sondern wenn wir auch ernstlich versuchten, dieses band, welches uns mit der Ewigkeit verbindet, festzuhalten, es nie zu verlieren.
wir müssen dazu in die Stille gehen, selbst im Getriebe des Lebens uns immer wieder innerlich sammeln)
denn nur in der Stille finden wir Gott. Es fällt uns schwer und scheint uns oft unmöglich zu sein, zu einer inneren Sammlung zu kommen, nachdem wir den Tag begonnen haben und das Leben mit seinen lauten Unsorderungen uns umgibt. Lasset uns darum in der Morgenfrühe Kraft und Sammlung suchen, und wir werden finden, daß wir dann weniger hastig, ungeduldig und zerstreut sein werden, daß unsere Kraft nicht so schnell verbraucht sein wird, weil wir für alles und alle mehr Zeit, Geduld und Verständnis haben werden als zuvor.
welch großer Segen könnte dann von einem jeden von uns ausgehen, wenn unser Denken, Sinnen und Flehen der Ewigkeit zugewendet wäre, dem Vater, der uns liebt und der uns alle den weg zur Heimat führen möchte!
baronin R.
Meine Erlebnisse
in der französischen Fremdenlegion.
von einem Gießener.
(Fortsetzung.)
wie ich schon mitgeteilt habe, so kam ich am 24. Uugust in das Lazarett in Hanoi. Rls ich die Kompagnie verließ, waren von den 290 Mann, die mit mir in Ufrika eingeschifft worden waren, nur noch 55 da, die übrigen waren Mpfer des französischen Kolonialkrieges geworden, die meisten waren infolge von Krankheit gestorben.
Zn Hanoi kam ich in eine große baracke zu liegen, in der schon 20 Mann von allen Waffengattungen Unterkunft gefunden hatten. Zch wäre verhungert, wenn nicht ein Lazarett- gehilfe mir Lebensmittel besorgt hätte, und zwar tat er das, weil ich ihm die briefe, die er aus seiner Heimat bekam, vor- las und auch ihm seine briefe an seine Ungehörigen schrieb. Da es nun mit meiner Kenntnis der französischen Sprache sehr mangelhaft bestellt war, muß es den Ungehörigen in Frankreich doch sehr schwer gefallen sein, aus meinen briefen herauszukommen, aber auf alle briefe kam doch Untwort und zwar richtige Untwort.
Die behandlung seitens der Uerzte war gut, auch waren Krankenschwestern da, und fast jeden zweiten Tag kam ein französischer katholischer Pfarrer und besuchte die Kranken. Zch bat ihn, er möchte mir doch etwas Deutsches zu lesen geben, er versprach es auch, aber er brachte mir doch nichts, im Gegenteil, nachdem er erfahren hatte, daß ich evangelisch sei. mied er mein bett.
Meine Krankheit Gurde immer schlimmer, das Fieber immer höher, selbstverständlich nahmen unter diesen Umständen auch meine Kräfte gewaltig ab. so daß ich schließlich nur noch ein mit haut überzogenes Knochengerüste war. Die heimtückische Dysenterie nahm mir alle Kräfte, so daß mein Ubleben stündlich erwartet werden konnte. Zch bat den Urzt, er möge mir doch kräftiges Essen verordnen, meine Natur könne das schon vertragen. Er zuckte die Uchseln und gab mir nichts. Ulle Kranken, d. h. die. die wie ich an der Dysenterie litten, bekamen dasselbe Essen, es war aber nur wenig, die meisten starben infolge Kräfteverlust. Es gab auch wein, aber diesen konnte ich nicht vertragen, während eine harte Brotkruste mir gar keine Beschwerden machte. Da ich nichts rechtes zu essen bekam, die Schwestern mir immer nur wein und Urznei anboten, so war ich sehr erbost und nahm von den Schwestern überhaupt nichts mehr an.
Zn dieser Zeit war die Tholeraepidemie auf das höchste gestiegen, ganze wagen voll Leichen wurden fortgeschafft,


