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Weihnachten IM in Rußland.
von der Art, wie unsere tapferen Krieger im vorigen Jahre in kußland Weihnachten gefeiert haben, geben die im Nachfolgenden mitgeteilten, an einen Pfarrer im Odenwalds gerichteten Briefe Auskunft.
Grt unbekannt, den 26. Dez. 1914.
Km 23. abends feierten wir Weihnachten. Unser Herr Kompagnieführer hielt im Kreise seiner Kompagnie eine Ansprache, worauf die allbekannten Weihnachtslieder gesungen wurden. Darauf erhielten wir Zigarren und Tabak, solange der Vorrat reichte. Lin Kochgeschirr voll Tee mit Uum und Zwieback. Dann legten wir uns in einer Scheune nieder. Ulan muß nur zufrieden sein, wenn man unter Dach und Fach kommen kann. So bildet ein Ziegenstall, mit Stroh gedeckt, das beste Ouartier. Ls wird gehörig Stroh hineingebracht und das Lager ist fertig, heute, 24., gehts wieder weiter. Wer weiß, wo wir am heiligen Abend sind. „Wohlauf Kameraden, heraus, es ruft die Pflicht, eilt an die Gewehre, macht schnell, besinnt euch nicht. Ls droht Gefahr, die Waffe schnell zur Hand. Wir Kämpfen alle gern fürs Vaterland! Kanonendonner sausen durch die Lüfte."
Geschrieben den 26. Dez. 1914.
Am 24. abends rückten wir in die Schützengräben ein. Vas Lrste: „5. und T., ihr geht Patrouille!" Immer Kopf hoch und zusammengerissen. So verlebten wir den heiligen Abend im Schützengraben. Am 25. abends wurden wir wieder abgelöst. Wir mußten ungefähr zwei Stunden zurückgehen, daß wir doch etwas hätten von den Feiertagen. Der Divisionsprediger hielt eine ergreifende Nede. Wir waren in einer alten Scheune, das ganze Bataillon. Ls standen einem Jeden die Tränen in den Augen. Ich fühlte mich so wieder einmal zurückversetzt nach T. an dem heiligen Abend. Aber trotzdem, wenn wir auch dieses Weihnachten fern von der Heimat feiern müssen, wollen wir doch aushalten, daß Ihr, die Ihr zu Hause seid und nicht die Wacht halten könnt vor dem Feinde, ruhig Weihnachten feiern könnt. An Liebesgaben fehlt es ja nicht. Wir verleben den zweiten Feiertag im Ouartier. hoffentlich ist der Krieg bald zu Lnde und wir kommen auch wieder nach Hause. Alles andere dann mündlich. Linstweilen seid alle herzlich gegrüßt von W. 5.
Gruß an meine Litern. Auf Wiedersehen!*)
S., den 25. Dezember 1914.
G. h. Psr.!
„O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit." Ja, wer hätte das geglaubt, daß wir Weihnachten 1914 im elenden Nußland feiern müßten und doch ist es tatsächlich der Fall. Aber trotzdem, trotz der Mühsale und des Lntbehrens haben wir alle ein Weihnachten gefeiert, wie vielleicht noch nie zuvor. Ich will nachfolgend unsere Feier schildern. Unseren Baum holten wir uns im nahen Walde. Ich und L. F. mit unserem Inspektor mußten Baum und Saal schmücken. Als Saal benutzten wir unseren Dperationssaal. Wände wurden mit Fahnen bedeckt und diese wieder mit Tannenzweigen und Bildern von unserem Kaiser und Großherzog. Der Baum war gerade nicht so schön, da die Post unsere Sachen nicht brachte. Aber 12 Lichter hatten wir und auch Watte, und so war auch diesem Uebel abgeholfen. Um 7 Uhr sollte die Bescherung stattfinden. Jetzt war der Saal fertig. Schnell heim, die Pferde gefüttert und wieder ins Lazarett. Nun klingelt es, und wir wurden
*) Der Schreiber dieses Briefes ist am 5. Zebruar gefallen. D. Reb.
hereingesührt, wo sich bereits unsere Offiziere versammelt hatten. Wie schön alles war und wie die Lichter strahlten. Ganz anders wie zuhaus. Wir sangen nun das Lied: „Stille Nacht." Dann hielt unser Thef eine Ansprache, wie wir heute fern der Heimat das schönste aller Feste feierten, daß wir gezwungen das Fest in Feindesland feiern müßten, und daß wir unserem Gott zu vielem Dank verpflichtet seien, der uns bisher so glücklich geführt. Jetzt sangen wir noch „G du fröhliche" und dann gings zur Gabenverlosung, denn jeder mußte ein Los ziehen und das Nummer einer zog, das paketchen erhielt er. Zum Schluß gabs einen Kessel mit Glühwein, und saßen wir so in froher Weihnachtsstimmung bis in die Nlitternacht beisammen. Ts war wirklich eine erhebende Feier, und manchem war wieder leichter ums Herz. Aber dazwischen brummten unsere schweren Geschütze, denn die Nüssen hatten unseren Kameraden die heilige Nacht verdorben und einen Angriff gemacht. Und was hat er genützt ? Tausende und Abertausende lagen nach dem Angriff auf dem Schlachtfeld, furchtbar zusammengemäht von unseren guten Nlaschinengewehren. Wollte Gott, daß dieses Menschen-- morden bald ein Lnde habe, und daß wir unsere Weihnachtslosung : „Lhre sei Gott in der höhe und Friede auf Lrden und den Menschen ein Wohlgefallen" mit Necht aussprechen können. L. h.
Erinnerungen eines alten Mannes.
von Generalarzt a. D. Dr. Otto Kappesser in varmstadt.
24. Fleck,höruf!
Das 1. Großh. hessische Dragonerregiment (Garde-Dra- gonerregiment) Nr. 23, dem auch ich in den letzten 20 Jahren meiner aktiven Dienstzeit als noch althessischer Dberstabs- und Negimentsarzt angehört und das ich im Feldzug 1870/71 als solcher vom ersten bis letzten Tag begleitet habe, konnte im Jahre 1891 den hundertsten Jahrestag seiner Errichtung feiern. Als ich beim letzten Liebesmahl, dem damals durch Teilnahme Großherzog Ludwigs IV., unseres einstigen Führers in ernster Zeit, eine besondere Ehrung widerfuhr, aus dem Negiment schied, habe ich in meinen Abschiedsworten dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß es mir nicht mehr vergönnt sein sollte, wie ich mir wohl gewünscht hätte, noch mit ihm sein hundertjähriges Wiegenfest zu feiern, daß aber meine besten Wünsche allezeit dem Negiment gehören werden, auf daß es im kommenden Jahrhundert nur Tage des Nuhms und der Ehre zu verzeichnen haben möge in althessischer Treue für Kaiser und Neich! Vieser mein, ich möchte sagen vorahnender Wunsch geht jetzt in Erfüllung, indem das Negiment jetzt blutige Lorbeeren sammelt, deren wir Daheimgebliebenen uns in stolzer Wehmut freuen.
Unter den vielen, welche in der langen Zeit dem Negiment angehört haben, findet sich gar mancher Name mit Hellem klang, Hat doch der Feldmarschall Liman von Sanders, dessen Nuhm als Verteidiger der Dardanellen jetzt die Welt erfüllt, noch in der Zeit, als ich aktiv war, als einfacher Leutnant Liman aus Berlin und später noch als Adjutant bei unserem Negiment seine kriegerische Laufbahn begonnen und ich bewahre noch als wertvolles Andenken sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift in dem Album, das mir von den Offizieren des Negiments als Andenken verehrt wurde.
Aber auch unter den Subalternen und den Gemeinen, die hier ihrem Vaterland gedient haben, gab es viel brave Männer, deren Andenken in Ehren gehalten werden muß. Heute aber will ich nur eines unter ihnen aus der frühesten


