Ausgabe 
10.1.1915
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Nr. 1. Gießen, 1. Sonntag nach Epiphanias, 10. Januar 1915. 4. Jahrgang.

vorwärts mit Gott!

Evangelium des Lukas 9, 62. Wer seine Hand an den Pflug

leget und schauet zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes.

Vas Jahr 1914, das aus dem Erdball so große Ver­änderungen hervorgerufen und uns den Krieg gebracht hat, dessen Kommen wir seit langer Zeit voraussahen, ist ver­gangen, und das neue Jahr, das Jahr 1915, hat seinen Anfang genommen. Es gibt viele unter uns, die mit Zagen und in ängstlichen Gedanken die Silvesternacht erlebt haben. Sie haben sich gesagt: Koch ist die Entscheidung nicht gefallen, noch haben wir nicht unsere Feinde völlig überwunden, immer neue Truppen führen sie gegen uns in das Feld, was will das werden? Und der Gedanke an die vielen Opfer, die dieser Krieg schon gekostet hat und voraussichtlich noch kosten wird, hat vielen in den ersten Tagen des neuen Jahres den Schlaf verscheucht. Sie haben die Hände gefaltet und Gott die Kot ihres Herzens geklagt.

Diesem ängstlichen Kückwärtsschauen setzt der Heiland sein männliches, unverzagtes, klares Mort entgegen: Mer seine Hand an den Pflug leget und schauet zurück, der ist nicht geschickt zum Keich Gottes. Er hat dieses Mort einem IKanne gesagt, der ihm Nachfolgen, aber zuvor noch eine Abschiedsfeier mit seinen Hausgenossen halten wollte. Jesus sah in diesem Wunsche eine Halbheit und Unentschlossenheit, von der der frei sein muß, der ihm Nachfolgen will, wer sein Jünger werden will, der muß das mit ganzer Seele wollen. Tr muß es machen wie der Landmann, der seinen Ucker pflügt und stets nach vorwärts schaut, nach der Pflug­schar, nach den Zugtieren, damit die Furche sich in gerader Linie durch das Land zieht. Dieses Wort gilt für uns zu jeder Zeit, weil es uns ausfordert, das rechte Ziel, unserer Seele Seligkeit, unverwandt im Uuge zu behalten, es gilt ganz be­sonders für uns in der gegenwärtigen Zeit. Zaghaftes Kück­wärtsschauen, grübelndes Ueberlegen, tatenloses Seufzen kann uns jetzt nichts helfen. Unser Vaterland ist ringsum von Fein­den bedroht, seither haben die deutschen Waffen ihre Schuldig­keit getan, Erfolg aus Erfolg ist uns beschieden gewesen, nun gilt: weiter vorwärts mit Gott! Ls ist uns klar, daß wir den völligen Sieg erringen müssen, damit unsere Kinder und Kindeskinder vor dem ruchlosen Volke jenseits des Kanals sicher sind. Sicher auch vor den wilden Horden, die von

Osten gegen die deutschen Gaue oorgedrungen sind und die in den Grenzbezirken mit heidnischer Grausamkeit gewütet haben. Sch denke, indem ich das schreibe, an einen lieben Freund von der Schule her, einen für deutsches Wesen und deutsche Dichtung in unseren Jugendtagen begeisterten Klas­sengenossen, der als Oberförster im deutschen Osten gewirkt hat, auf Befehl des Generals Kennenkampf standrecht­lich erschossen worden ist und vor wenigen Wochen in seiner Vaterstadt im deutschen Westen an der Seite seiner Eltern die Grabesruhe gesunden hat. Sicher auch wollen wir für alle Zukunft vor den leichtsinnigen, prahlerischen Politikern sein, die je und je das unglückliche Frankreich regiert haben. Des­halb dürfen wir nicht halbe Krbeit tun.

Der Januar ist der Monat des aussteigenden Lichtes. Die Tage werden länger, die Kächte kürzer, es geht dem Frühling, dem Erwachen des Katurlebens entgegen. So haben wir auch die Zuversicht, daß wir in dem neuen Jahre, das Gott uns hat anbrechen lassen, dem Siege, dem Erfolge ent­gegengehen. Koch haben wir Millionen kampfgeübter Strei­ter, noch haben wir Tausende erfahrener Führer, Millionen junger begeisterter Truppen werden in der nächsten Zeit in das Feld gehen. Sie alle werden dem deutschen Kamen Ehre machen. Und wir in der Heimat wollen mit neuem Mute unsere Schuldigkeit tun, um die Kämpfenden zu stützen und zu versorgen, wir wollen, wo es noch nicht geschehen ist, dem Leichtsinn und der unedlen Vergnügungssucht, die dem deutschen Kamen in dieser ernsten Zeit Knehre macht, den Abschied geben, wir wollen alle auf Gott vertrauen und ausharren, bis der ehrenvolle Friede geschlossen ist und unsere tapferen Soldaten heimkehren, wie 1815 für Deutschland ein Jahr war, da Glockenläuten und Triumphgesang den Zusammenbruch des korsischen Tprannen und eine neue Blüte­zeit für unser Vaterland anzeigten, so wird auch 1915 in der Geschichte als ein Siegesjahr weiterleben. Darum: vor­wärts mit Gott! H.B.

Weihnachten im Zeinderland.

wie die Söhne der Stadt Gießen den heiligen Abend im Feindesland zugebracht haben, mögen die nachfolgenden Mitteilungen schildern, die wir Briefen entnehmen, die zwei junge Gießener an ihre Gemeindepfarrer gerichtet haben.