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Zeit gedenken und erzählen, was ich aus mündlichen Ueber- lieferungen von ihm weiß, nämlich vom wackeren Stabs- trompeter Fleck.

Geboren 1775 und gestorben etwa 1821, war er noch sehr jung als Trompeter in das damals neuerrichtete Land- gräflich Hessen-Darmstädter Reiterregiment eingetreten und dann mit diesem über manch blutiges Schlachtfeld in Europa geritten. Ruch an jenem blutigen ersten pfingsttag 1800 war er dabei, als die Hessendarmstädter, nur mit zwei rheinbünd- lerischen Bataillonen als Reserve, den furchtbaren Rampf um den Ruheplatz der Toten zu Rspern bestanden, der achtmal verloren und achtmal wieder erobert wurde, und die wich­tigste Entscheidung für jenen Tag bildete.

Rach seinem Ausscheiden als halbinvalide gehörte Fleck noch lange als Trompeter denGarde-Reutern" an, den Vorläufern der jetzigen Garde-Unteroffizierskompagnie, frei­lich einer Reiterei ohne Pferde, diweil dieselben der Thurfürst- Erzbischof von Mainz zweimal mit Sattel und Zaum an­gekauft hatte, da er als Primas des Reichs bei den beiden letzten Raiserkrönungen zu Frankfurt ein fertiges Reiter­gefolge notwendig und alsbald brauchte. Sm Drang der Zeiten behalf man sich dann ohne Ersatz. Sch habe noch 1847 die Truppe mit langen Pallaschen und bespornten, hohen Reiter­stiefeln nach Reiterkommando in den Wegen des herrn- gartens ihre Uebungen halten sehen.

Bis zu seinem Ende und noch darüber hinaus war Fleck als^,E)of-Trom- und Gardepeter" eine volkstümliche Persönlichkeit. Gern erzählte er von seinen Erlebnissen, ins­besondere aber, wie anno 1813 das Darmstädter Kontingent schon früh wieder, neu aufgerichtet, im Felde nach der Kata­strophe von 1812 auf dem plan erschien, diesmal unter Führung eines Sprossen des Herrscherhauses, des Prinzen Emil, dem Fleck als Stabstrompeter beigegeben war. Fleck berichtete gern, wie die Hessen damals in zahlreichen Schlach­ten und Gefechten stets ihre Pflicht getan, der tapfere Prinz immer voran und gleich hinter ihm fein Stabstrompeter Fleck, der unverzagt zum Angriff und sein vorwärts blies.

Auch bei Leipzig seien die Hessen dabei gewesen (leider auf der Seite Napoleons. D. Red.). Drei Tage hätten sie ihren Platz behauptet; wie aber der dritte Tag sich neigte und der Prinz im Umwenden sah, daß fast niemand mehr hinter ihm war als seinen Stabstrompeter Fleck, der gerade wieder die Trompete zum Mund führen wollte, da habe er gesagt:Fleck, hör uf, mir zwaa allaans Packens doch nimmer!" Daraus hat sich dann im Hessenland das fliegende Wort gebildet:Fleck, hör uf!" und weil das-so mancher in den Mund nimmt, ohne seine Bedeutung und Herkunft zu kennen, habe ich das jetzt zu bleibendem Gedächtnis aus­geschrieben.

war der alte Vetter erzählte.

Eine Erzählung aus der Franzosenzeit von Eugen Maper.

(Fortsetzung.)

Diese Guttat sollte uns später einmal Zinsen tragen. Dir. Franzosen, die damals geschlagen waren und weichen mußten, kehrten bald zurück und nahmen ungehindert das ganze Land in Besitz, da inzwischen Preußen Frieden geschlossen hatte und Desterreich im italienischen Land beschäftigt war. Jetzt waren dieHerrn Ghnehosen" Keineswegs die Friedensengel und Volksbeglücker, als die sie sich so gern ausgaben. Sie hausten gar wild in Stadt und Dorf. Sm Städtchen drunten richteten sie französische Verwaltung ein, nahmen von welt­lichen und kirchlichen Gütern, was sie bekommen konnten,

und es dauerte nicht lange, da kamen sie auch zu uns armen Leuten, nicht um uns reich zu machen, sondern um uns noch das Bißchen zu nehmen, was wir hatten.

Wie oft hats uns unser Vater erzählt, wie das zuging! Als er eines Tages im Walde arbeitete, wurde er durch Flintenschüsse aufgeschreckt und meinte aus der Ferne schreiende Stimmen zu hören. Auch einen ungewöhnlichen Rauch glaubte er über den Bäumen wahrzunehmen. Sofort ließ er alles stehen und liegen und rannte zum Dorfe. Dort wimmelte es von Soldaten, die sich, wie er rasch übersah, als schonungslose Sieger aufführten. Als er zu seinem Häus­chen kam, führten sie gerade seine zwei Kühe aus dem Stall und'schickten sich an, sie zu schlachten. Aus der Scheune hatten sie das Futt herausgeworfen. Beim Nachbar war es gerade so, und j.i.re Scheuer stand in Hellen Flammen. Aus dem Haus, : er die kreischende Stimme seiner Frau und seiner halbwüchsigen Tochter. Die Axt in der Hand stürzte mein Vater ins Haus, was sah er hier? Ein paar Kerle hatten die Frau und das Kind in eine Ecke gedrängt und griffen in unverschämter Weise nach ihnen. Andere hatten die Betten herausgerissen und stachen mit den Säbeln in die Kissen, daß die Febern in der Stube umherslogen. Mit vollen Backen bliesen sie hinein und johlten vor Vergnügen.

Sn dem verfluchten Deutschland schneit es mitten iw Sommer," schrie Einer, wohl auch ein Elsässer.Da kann man bald mit den Weibern Schlitten fahren."

Ein rohes Gelächter belohnte diesen schnöden Witz und verschiedene Hände streckten sich aufs neue nach den vor Angst laut aufkreischenden beiden Frauen. Mit einem Satze sprang mein Vater dazwischen, stieß dem einen der rohen Burschen die Axt in die Seite, daß er vornüberstürzte, den andern packte seine starke Linke im Genick und schleuderte ihn in die Stube hinein. Dann stand er mit drohend erhobener Axt vor seiner Frau und seiner Tochter. Doch mit dieser gewaltsamen Befreiung hatte er seine und seiner Familie Lage nur ver­schlimmert. Sofort ließen sämtliche Soldaten, die in der Stube waren, von ihrem zerstörenden Treiben ab und richteten ihre Wut gegen den Mann, der die Ehre seines Hauses so wacker zu wahren suchte. Eine Kugel pfiff dem Vater so dicht am Kopfe vorbei, daß die Frauen aufs neue hell aufschrien. Ein paar Kerle drangen mit oorgestrecktem Bajonett auf die Giruppe in der Ecke ein, und es drohte sich ein Kampf zu ent­spinnen, der in keiner Weise für die Angegriffenen gut aus­gehen konnte.

Sn diesem Augenblick trat ein höherer Offizier aus die Türschwelle. Ein scharfer Befehl aus seinem Munde brachte die Soldaten sofort von ihrem blutigen Vorhaben zurück. Darauf richtete er an einen der Soldaten eine Frage, jeden­falls nach der Ursache dessen, was er beim Eintreten ge­sehen hatte. Der Soldat wies eifrig nach meinem Vater und seiner Axt und erzählte mit vielen Gestikulationen, daß mein Vater mit seiner Axt einen Mann geschlagen habe, wobei er wohlweislich verschwieg, was dem Dazwischenspringen meines Vaters vorangegangen wir. Der Offizier warf einen langen Blick auf die Gruppe, die noch immer stand wie zuvor. Meine Mutter benützte die eingetretene Ruhe, um sich vor dem Offizier niederzuwerfen und seine Hilfe anzurufen, indem sie weinend ihre und der ihrigen Unschuld beteuerte und be­tonte, daß ihr Mann in der Notwehr gehandelt habe.

Wieder schaute der Offizier ernst und lang die knieende Frau an. Ein neuer Befehl aus seinem Munde entfernte die Soldaten aus Stube und Haus. Dann erst wandte sich der Offizier auch redend zu der bedrängten Familie. Er lvrach