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die doch feierlich sein soll, stören. Merkwürdigerweise bewahren sie vorher und nachher ihre Seelenruhe, sie sind ganz gelassen, sogar heiter und vergnügt, im Augenblicke, da sie den Friedhof oder die Friedhofskapelle betreten, beginnt ihr häßliches Lamento. Es wird nirgendswo so viel Komödie gespielt als auf den Friedhöfen. Es gibt auch Frauen, die Kranken gegenüber, die doch auch in seelischer Beziehung geschont werden müssen, in laute Klagerufe ausbrechen, um dem Kranken damit den letzten Best seines Mutes zu nehmen. So wird jetzt auch darüber geklagt, daß es Frauen gibt, die ihren im Felde stehenden Ehemännern das Herz schwer machen, indem sie in ihren Briefen übertriebene und keineswegs zutreffende Schilderungen von der Lage entwerfen, in der wir uns in der Heimat befinden. Da wird ein Klagelied gesungen über die Teuerung, über das Fehlen wichtiger Gebrauchsgegenstände, über die schlimme Lage, in der die armen Frauen sich in der Heimat befinden. Selbstverständlich erregen diese Schilderungen in den Männern große Besorgnis. Und nun kommt das Merkwürdige: wenn sie aus dem Felde in Urlaub nach Hause kommen, so finden sie, daß zu Klagen gar kein Unlaß vorliegt. Es ist doch so, daß wir in keiner Beziehung Mangel haben. Wenn uns das Brot zugemessen wird, so ist doch immer zu bedenken, daß jeder mit der ihm zugebilligten Menge gut auskommen kann, und wenn nun zwei fleischlose Tage vorgeschrieben sind, so ist das eine Entbehrung, die sich viele Familien schon vor dem Kriege auferlegten und die sie gar nicht als eine Entbehrung ansahen. Ls zeugt nicht von Tharakterstärke und Selbstzucht, wenn sich jemand in der geschilderten Urt gehen läßt. Darum, ihr deutschen Frauen, tut auch darin euere Schuldigkeit, daß ihr eueren Männern nicht durch Klagen das Herz schwer macht. Und wenn in der Familie einmal etwas Unangenehmes vorkommt, so ist es wahrlich nicht nötig, daß man dem Manne, wenn er nach Hause kommt, wie man hierzulande sagt, „den Kopf voll macht."
Meine Erlebnisse
in der französischen Fremdenlegion.
von einem Gießener.
(Fortsetzung.)
Den traurigen Vorgang des Erschießens dieser drei armen Landsleute will ich genau beschreiben, weil ich denke, daß das für manchen jungen Menschen, der in Zukunft Lust haben könnte, zur Fremdenlegion zu gehen, sehr abschreckend wirken wird. Meine Kompagnie wurde als sogenannte „Ehrenkompagnie" kommandiert. Un dem für die Exekution bestimmten Tage wurden die drei Leute von einem Offizier, drei Unteroffizieren und einem Geistlichen vor- gesührt, es war dies der erste Geistliche, den ich in der ganzen Zeit, da ich der Fremdenlegion angehörte, seither gesehen hatte, lvoher er kam, weiß ich nicht, jedenfalls von einem Kriegsschiffe. Dann kamen drei Abteilungen von je einem Unteroffizier und 12 Ma m, die die Exekation ausführen sollten. Zum Schluß kam geschlossen die „Ehrenkompagnie". Der Platz, wo das Traurige vor sich gehen sollte, befand sich nicht weit hinter unserem Lager, an der einen Seite waren drei pfähle eingerammt und dahinter war ein Loch von ungefähr einem Meter Tiefe gegraben.
Bei unserer Unkunft wurden die drei verurteilten an die pfähle gebunden, einer ließ sich nicht binden, dann marschierte die ganze Kompagnie an den drei Uermsten vor
über und stellte sich dann in zwei Gliedern hufeisenförmig auf, so daß die Hintere Seite frei blieb bis zur höhe, wo die drei Exekutionsabteilungen standen; hinter diesen stand der Dffizier, der das Kommando zum Feuern abgeben sollte, in seiner Nähe der Geistliche.,
Nachdem die Ausstellung vollendet war, wurde das Urteil nochmals verlesen. Dann sprach der Major einige Worte, der Geistliche trat zu den verurteilten, betete mit jedem ein kurzes Gebet und fragte, wie es mir schien, nach ihren letzten wünschen. Der Mainzer schien solche nicht zu haben,' laut rief er: „Es lebe mein Vaterland Deutschland !" Nun ging der Geistliche zurück, die Kompagnie mußte präsentieren, der kommandierende Offizier rief: „Legt an, Feuer!" Die Salve krachte, langsam sanken die drei an ihren pfählen nieder. Die drei Unteroffiziere kamen mit ihren Uevolvern und gaben ihnen den Gnadenschuß. Das Kommando „Das Gewehr über!" ertönte, nochmals marschierte die Kompagnie an den drei Toten vorüber.
Uach diesem traurigen Akt waren wir alle tief niedergeschlagen. wir dachten alle darüber nach, wie unbedacht wir gehandelt hatten, als wir uns dem fremden Volke zum Dienste verpflichtet hatten, manche Träne ist an diesem Tage von den deutschen Legionären geweint worden. Mir hatte dieses Ereignis für viele Tage die Glieder gelähmt, ich war zu nichts zu gebrauchen.
Indessen hatten wir nicht lange Zeit, um über das grausige Erlebnis nachzudenken' denn am 4. März ging es wieder gegen den Feind. Sn der Zeit vom 4. bis &. März wurde ein Höhenzug von uns genommen^ der dicht hinter Kelung (nicht helung, wie es in der letzten Uummer irrtümlicherweise hieß) lag. Bei diesen Kämpfen ging uns am 6. März die Munition aus, wir waren beinahe umzingelt und hatten nicht mehr eine einzige Patrone. In der Verzweiflung stürmten wir an einer Ecke mit gefälltem Bajonett gegen die Thinesen vor und kamen auch bis in die Gräben des Feindes, wo haufenweise Patronen für Mausergewehre herumlagen, wir versuchten, diese Patronen zu benutzen, und der versuch gelang, nur konnten wir die Hülsen mit dem Auswerfer nicht aus dem Laufe herausbekommen und mußten jede Hülse einzeln mit dem Ladestock Herausstoßen, aber wir konnten doch wieder schießen. Um Übend wurde uns neue Munition zugeführt, und wir konnten uns, wenn auch unter schweren Verlusten, halten. So ging es unter immerwährenden Kämpfen fort bis zum 8. März, wo wir die letzten Höchen stürmten. Um 12 . März wurden wir von der Marineinfanterie abgelöst.
Unsere Stellungen wurden nun durch Schiffsgeschütze befestigt, und wir gingen fast jeden Tag in das Vorgelände vor bis heran an die Stellungen des Feindes, um diesen zu belästigen und um das Erforderliche auszukundschaften, was immer mit großer Gefahr und mit großen Opfern verbunden war.
Um 25 . März hatten wir angefangen, eine vorgeschobene Feldbefestigung zu bauen. Die größeren Kämpfe hatten jetzt ein Ende. Unsere Mannschaft war sehr zusammengeschmolzen, so daß wir zum erstenmal Ersatz in der Stärke von 400 Mann erhielten. Die meisten unserer Leute lagen am Wechselfieber darnieder.
Um l0. Juni kamen wir wieder nach Kelung zurück, wo abermals zwei Deutsche erschossen wurden. Ich war hierbei nicht zugegen, kann deshalb auch nicht sagen, ob es dabei wieder so zugegangen ist wie bei dem Fall, den ich geschildert habe. Dort wurde ein Brandenburger wegen angeblicher Gehorsamsverweigerung an die Krapotine gelegt, wovon ich


