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schon früher berichtet habe, Hände und Füße werden dabei auf den Kücken gebunden. Unser Landsmann hatte aber Glück, er sollte diese grausame Strafe 30 Tage lang erdulden, da kam am 15. Juni der lvaffenstillstand mit Thina, und die Strafe wurde ihm erlassen.
Lei den Thinesen herrschte nach Lekanntwerden des Waffenstillstandes ein buntes Treiben. Um Übend des 15. Juni waren alle vor uns liegenden höhen hell erleuchtet durch buntes Feuerwerk, wie ich es schöner nie gesehen habe, Raketen in großer Zahl stiegen auf, die Illumination dauerte die ganze Nacht hindurch. Um nächsten Tage kamen schon in der Frühe chinesische Soldaten in kleinen Trupps und einzeln, jeder eine weiße Fahne in der Hand tragend, in unsere Stellungen. Sie brachten verschiedene Sachen mit, die sie jedenfalls zum Tausch oder verkauf bestimmt hatten, lvir durften aber weder etwas Kausen noch etwas annehmen. Ueber eins habe ich mich doch sehr erstaunt, nämlich die Thinesen machten die Gewehrgriffe genau wie die Deutschen, einige unter ihnen kannten auch die deutschen Kommandos. Wir erfuhren, daß gerade die Batterien, die uns die vielen Gstergrüße herübergesandt hatten, von früheren deutschen Unteroffizieren befohlen und gerichtet worden waren. So konnten wir sehen, daß schon damals der deutsche Militarismus, über den jetzt unsere Feinde so wütend schimpfen, nach dem fernen Gsten gekommen war. Leider haben hier Deutsche gegen ihre eigenen Landsleute gekämpft.
Lei den Verhandlungen über den lvaffenstillstand war von Thina verlangt worden, daß sofort die beiden Inseln Formosa und pescadore von den französischen Truppen geräumt und auch mit militärischen Thren übergeben werden sollten. Um 19. Juni wurden wir zur Uebergabe am Hafen aufgestellt, alle Truppen, die an den Kämpfen teilgenommen hatten, waren in vier Gliedern ausgestellt. Uber welch eine kleine Zahl waren wir,' die gefangenen Thinesen, die jetzt frei umhergehen durften, wunderten sich, daß sie einen so schwachen Gegner gegenüber gehabt hatten.
hier hatte ich nun ein Erlebnis,,das vom rein menschlichen Standpunkte aus sehr interessant und rührend ist. lvie ich schon erwähnt habe, so hatten wir bei unseren Kämpfen ungefähr 300 Gefangene gemacht, es waren aber keine regulären Soldaten, sondern Zivilgefangene, welche wahrscheinlich bei einem Schiffsverlust gekapert worden waren. Ts waren lauter sehr große und kräftige Leute, welche zu schwerem Urbeitsdienste verwendet wurden. Unter anderem mußten sie die Munition zu den Kanonen die Berge hinaustragen, auch die Geschütze selbst den Berg hinaufschafsen. Die Granaten waren in Kisten verpackt, welche je vier Mann mit Bambusstangen, zwei vorn, zwei hinten gehend, auf der Schulter trugen. Wenn man bedenkt, daß für einen solchen Transport keine Wege da waren und daß es steile Berge hinauf ging, so erkennt man, daß das eine sehr anstrengende Krbeit war. Damit nun diese Leute nicht fortlaufen sollten, war jedem Thinesen ein Mann zur Bewachung beigegeben, der sein Gewehr geladen und sein Seitengewehr aufgepflanzt hatte. Zur völligen Sicherheit mußte er außerdem den Thinesen an dem unteren Ende seines Zopfes fassen, kutschte der Ehinese nun aus, so war es ganz natürlich, daß der begleitende Mann am Zopfe zog und dadurch dem armen Lastträger Schmerzen bereitete. Mir war das alles widerwärtig, daher ließ ich den Zopf meines Thinesen los und ging ruhig neben ihm her. Ts dauerte nicht lange, so kam ein Unteroffizier und machte mir deshalb die größten Vorwürfe, es
hätte nicht viel gefehlt, so wäre ich bestraft worden,' denn, wie ich früher schon berichtet habe, hat in der französischen Krmee jeder Unteroffizier Strafgewalt. Der Gefangene merkte, warum ich getadelt wurde, und was tat der Mann? Tr nahm selbst das Ende seines Zopfes und gab es mir in die Hand, jedenfalls in der Gewißheit, daß ich ihn nicht reißen und zerren werde.
Ms wir an unserem Bestimmungsort angelangt waren, wurden die Kisten von der Besatzung, die aus Marineinfanterie bestand, in Empfang genommen, darüber verging etliche Zeit. Mein Schützling gab mir eine kleine, ungefähr V4 Liter fassende Konservenbüchse mit der Litte, ihm doch von dem kegenwasser, das in einer Bütte aufgefangen worden war, rtwas zu schöpfen. Die Leute hatten großen Durst. Ich nahm die Büchse, schöpfte sie voll und gab sie dem Thinesen. Uber was war das? Ich hörte ein Geräusch, darauf einen Schlag. Ich drehte mich um und sah^ daß ein französischer Marineinfanterist dem armen Lastträger den Becher aus der Hand geschlagen und ihm außerdem noch einen Schlag in das Gesicht versetzt hatte. Ueber diese Feigheit und Roheit überkam mich ein solcher Zorn, daß ich herbeieilte und den rohen Soldaten zur Rede stellte. Ich bekam die Kntwort, daß man mit den Thinesen kein Mitleid haben dürfe, besser sei, sie alle aufzuhängen, auch ich werde bei längerem Kufent- halte im Lande noch anderen Sinnes werden. Ich erwiderte, daß dieser Mensch doch wehrlos sei und daß er doch seine Pflicht getan habe. Darauf nahm ich den Lecher wieder, schöpfte ihn abermals voll und gab ihn dem Thinesen, indem ich mich zwischen ihn und den Soldaten stellte. Vieser schimpfte und wetterte, aber alles half ihm nichts. Doch war es Zeit, daß wir die Truppe verließen,' denn schon kamen Unteroffiziere und ich hätte jedenfalls schlecht abgeschnitten. Mein Schützling gab mir zum Zeichen des Dankes die Hand und schien zu befürchten, daß mir aus dieser Sache Unannehmlichkeiten erwüchsen.
Längst hatte ich dieses Erlebnis vergessen. Run war der Tag gekommen, an dem wir Formosa verließen. Die Gefangenen waren in Freiheit gesetzt. Mr standen bei unseren Gewehren, als auf einmal einige Thinesen auf mich zukamen. Liner von ihnen nahm mich in die Krme, drückte mir die Hände und erzählte fortwährend den anderen, was ich aber nicht verstehen konnte. Ts war der Mann, dem ich damals das Wasser gereicht hatte. Tr und seine Freunde oder verwandten brachten mir alles mögliche zu essen und zu trinken, auch kleine Rndenken, immer wieder kam mein Schützling von damals, drückte mir die Hände und streichelte mich. Ich er^ zählte meinen Kameraden, was den Knlaß zu dem seltsamen Betragen des fremden Mannes gegeben hatte. Mir war diese Dankbarkeit mehr wert, als wenn mir jemand eine große Summe Geldes gegeben hätte. Kls wir die Insel verließen, stand der Mann noch lange und winkte mir zu, bis ich ihn nicht mehr sehen konnte.
(Fortsetzung folgt.)
Ernste Inschriften.
kn einem schönen Plätzchen in Liebenzell im Schwarzwalde auf luftiger höhe am Waldessaum war für die Kurgäste eine neue Waldhütte errichtet worden. Ts hatte nicht lange gedauert, so waren an den Balken nicht nur eine Menge kamen zu lesen, sondern auch etliche Inschriften, deren Inhalt einem aufmerksamen Leser u>ohl zu denken gab.


