190 —
wir wollen uns in die Stille führen lassen, in die Vergangenheit, zu der Krippe hin, von der aus uns der große Segen kam, der bestimmt war, einen jeden von uns durch sein ganzes Leben hindurch zu begleiten: anfangend an der Krippe, endend an dem Tore des Himmelreichs.
Und es ist nicht schwer, wir müssen nur wollen. Jetzt in dieser ersten Winterszeit mit ihren langen Abenden, jetzt ist uns eine innerliche Sammlung so leicht möglich, für uns selbst und alle Glieder unseres Heims. Jetzt ist die Zeit, die alten schönen Advents- und Weihnachtslieder hervorzuholen und im Familienkreise zu singen, sie müssen mit uns und unseren Kindern leben, sollen sie irgendwie aus unser ferneres Leben von Einfluß sein. Und wir wollen doch alle, daß das trostreiche Licht aus Bethlehems Stall ganz besonders in diesem Jahre unser Eigentum werde, uns leuchte und führe, damit wir durchdrungen sein können, daß es auch über unserem Hause stehe, das liebe leuchtende Licht des Sternes aus dem fernen Jordantal! Baronin U.
Meine Erlebnisse
in der französischen Fremdenlegion.
von einem Gießener.
(Fortsetzung.)
Kurz nach unserer Landung trat die Uegenperiode ein. Sie sing mit einem Gewitter an und dauerte fast ohne Unterlaß bis zum 15. Juni. Manchmal war der Kegen so stark, daß es unmöglich war, selbst ein großes Feuer zu unterhalten. Vas ganze Besatzungsheer im Hafen von helung bestand aus einem Bataillon Marine-Infanterie, einigen hundert Mann Matrosen und unserem Bataillon, im ganzen ungefähr 2500 Mann, wahrlich eine kleine Schar für unsere Aufgabe, aber es waren auch Anstrengungen, die an das Unglaubliche grenzten.
Einige Tage waren wir mit unserer Ausrüstung und mit Ergänzung unserer Lebensmittel beschäftigt, als wir am 24. Januar zu einer größeren Aufklärung ausrückten. Am Tage darauf hatten wir das erste größere Feldgefecht, das am Morgen begann und den ganzen Tag und die kommende Nacht andauerte. Diese Kämpfe hielten bis zum 5. Februar an, wo wir dann unsere eroberte Stellung ausbauten. Ein kleiner Teil der Mannschaft kam wieder zurück nach helung. In dieser ganzen Zeit hatte es keinen Bissen warmes Essen gegeben. Tag und Nacht waren wir bis auf die haut naß und hatten nichts als rohes Konservenfleisch und Zwieback, der nicht mehr hart, sondern vom Kegen ganz aufgeweicht war. wir konnten auch nichts anderes bekommen, da unsere Verpflegung nur vom Schiff aus erfolgte, wie mancher dachte da an seine Heimat und an die Lieben in der Heimat; denn Liebesgaben von Freunden und Bekannten gab es selbstverständlich nicht, natürlich auch nichts von den Damen des Koten Kreuzes,' denn die gab es dort nicht. Durch die fortwährende Küsse wurde das Schuhwerk ganz steif, so daß wir bei unserer Kückkehr die Schuhe aufschneiden und unsere Füße in Kum, den wir von dem Schiffe erhielten, baden mußten, um wieder gehen zu können, wenn in dieser Kacht die Thinesen gekommen wären, hätten wir ihnen nicht entgegentreten können. Unsere Schuhe waren keine Schnürschuhe, sondern eine Art Pantoffel, die durch die Gamaschen gehalten wurden. In die Lücke zwischen Schuh und Gamasche drang die Küsse und der Bodenschmutz ein. Es war ein Schuhwerk, das sich in der dortigen Gegend durchaus nicht bewährt hat.
Kachdem wir uns einige Tage erholt hatten, ging es wieder vorwärts, wir nahmen einige feindliche Stellungen und suchten Angriffe der Thinesen abzuwehren. Unsere Stellungen waren aber so wenig ausgebaut, daß der Feind sich nachts oft einschleichen konnte. Es gab weder Drahtverhaue noch Wolfsgruben, noch alle die anderen Sicherungsmaßregeln, die man in dem gegenwärtigen Stellungskriege anwendet. Dabei schmolz unser Häuslein zusehends zusammen, vor allem durch die Krankheiten, die das dortige Klima hervorries.
Mancher wird sagen, daß die Thinesen als ein nur halbkultiviertes Volk in Bewaffnung, Ausrüstung und militärischer Ausbildung doch sehr hinter europäischen Truppen zurückgestanden hätten, so daß es uns hätte ein Leichtes sein müssen, mit ihnen fertig zu werden, was die Ausbildung betrifft, so stimmt das ja, aber die Ausrüstung war durchaus auf der höhe. Die Thinesen hatten deutsche Mausergewehre, Modell 1871, Kruppsche Geschütze und englische Kevolver und Kanonen, wenn man ihre große Masse in Anrechnung bringt und das Klima, das wohl die Landeseinwohner, aber nicht wir Europäer ertragen konnten, so kann man sich ein Bild von unseren Leistungen und Strapazen machen.
Die Berge in dieser Gegend sind bis hinauf zu den höchsten Spitzen mit Bambusbäumen, Teesträuchern und Pflanzen aller Art bewachsen, es ist eine wundervolle aber auch schwer zu erkämpfende Gegend. Durch den Kegen war der Boden einfach grundlos. In den Hafen von helung können die größten Schiffe bis auf eine kleine Strecke ein- laufen. Da sich hier die Gezeiten (Ebbe und Flut) sehr stark bemerkbar machen, so hat man eine Fahrrinne gezeichnet, welche im Frieden durch Loien kenntlich ist. Im Kriege aber waren alle Spuren davon verwischt, alles am Hafen war zerschossen und verbrannt. Brannte doch ein riesiger Haufen Kohlen, als wir ankamen, und er brannte noch, als wir nach fünf Monaten helung verließen.
Mitte Februar kehrten wir wieder zum Hafen zurück, um unsere Wäsche und Kleider zu reinigen und in Ordnung zu bringen, auch um wieder einmal warmes Essen zu erhalten. In dieser Zeit waren drei junge Deutsche so vom Freiheitsdrang beseelt, daß sie glaubten, sie Hütten es bei den Thinesen besser und zu diesen überlaufen wollten. Sie wurden aber bei diesem versuche ergriffen und vom Kriegsgerichte, das von dem dortigen Kommandanten und einigen Offizieren gebildet wurde, zum Tode des Erschießens verurteilt. Ich habe die Kamen meiner drei Landsleute vergessen, es war einer unter ihnen, der ein Hesse war und so viel ich noch weiß, aus Mainz stammte, er war erst 19 Jahre alt. (Fortsetzung folgt.)
Erlebnisse einer Mitglieder der Deutschen Zlottenvereinr in Rußland
(Schluß.)
Im Abteil dritter Klasse fanden wir nur mit Müh« Plätze; der Zug, welcher uns zur Grenze bringen sollte, war überfüllt. Bis Kiew ging es noch, doch hier mußten wir nach der Kichtung Kasdelnaja umsteigen' der Andrang war furchtbar, und die Soldateska, die zur Front wollte, und das Publikum, auf dem Wege zur Heimat in die pfingstferien, drang rücksichtslos in die wagen ein. Man hatte bald die Ausländer in uns erkannt und wir mußten uns hüten, allzuviel zu reden. Ls war eine aufregende Fahrt,' oft


