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hatten wir unfreiwilligen Aufenthalt durch Militärzüge mit kaukasischen Truppenteilen,' Kavallerie mit hübschen wohlgenährten Pferden fuhr zur Front und von da kamen Züge gefangener Tschechen, die in bekränzten offenen wagen Lieder sangen und aussahen, als ob sie nie in der Schlacht gewesen wären. Ts war uns nicht vergönnt, die Reife zusammen in einem Abteil zu machen, da unser Gepäck in Aasdelnaja durch den Andrang des Publikums in verschiedenen Waggons untergebracht worden und überwacht werden mußte. Endlich am 22. Mai waren wir in Ungeny, der russisch-rumänischen Grenzstation, nachdem wir in der Nacht verschiedentlich von russischen Geheimagenten im wagen beobachtet und kontrolliert worden waren. Dort, in dem elenden Grenznest, saßen wir unter Langen und Langen bis zum 25 . Mai, da unsere Pässe aus Moskau noch nicht angekommen waren. Endlich sollten wir weiterkommen. Um 5 Uhr erhielten wir aus der Gendarmerieverwaltung die Pässe mit dem Ledeuten, daß wir nach der Zollrevision, um 6 Uhr abends, im geschlossenen wagen dritter Klasse nach Uumänien abreisen könnten. Sn Ungenp hatten wir die Zeit recht traurig verbracht, es regnete fortwährend und unser Nachtquartier bei dem mit Kindern reichlich gesegneten Ehepaar Loeb und Nosa, zusammen mit unserem Neisegefährten Delfs, war zwar einigermaßen rein, doch äußerst ungemütlich. Allmählich war unsere Neisegesellschaft auf 28 Personen angewachsen, Männer, grauen und Kinder und froh, endlich der russischen Fuchtel entronnen zu sein, bestiegen wir den für uns bereitgestellten rumänischen wagen. Am 26. Mai abends 10 Uhr waren wir endlich in Jassy. Die Fahrt bis dahin, in Gendarmeriebegleitung, war unangenehm und bot außer blühender Landschaft, quakenden Fröschen und den Tümpeln rechts und links der Lahnlinie wenig Bemerkenswertes. Die rumänischen Soldaten und Lahnbeamten waren gehässig und unhöflich. Um so freundlicher war unser Empfang in Jassy, wo wir umstiegen und von dem Herrn Generalkonsul, seinem Sekretär und verschiedenen hilfreichen Damen mit Fahrkarten versehen und bewirtet wurden. Uun ging es weiter der ungarischen Grenzstation Gymesbück zu, wo wir, nach elend verbrachter Uacht, um 10 Uhr 'morgens eintrafen. Da wir erst den nächsten Tag morgens 8Vs Uhr weiterfahren konnten, so hätten wir Muße gehabt, in dem malerisch gelegenen Bergnest uns umzusehen. Da kamen wir jedoch schön an. Der wachhabende Gendarm vertrat uns den Ausgang aus dem Bahnhofsgebäude, und nur mit Mühe erhielten einige von uns die Erlaubnis, auf die Straße zu gehen. Früher gemachte schlechte Erfahrungen sollen Veranlassung zu diesem strengen Vorgehen gegeben haben. Der Fußboden und die Bänke des Wartesaales dienten uns als Nachtlager. Uun ging es weiter durch Ungarn nach Madefälva, einer Station mit längerem Aufenthalt, wo wir genügend Zeit hatten, das wenig geschmackvolle Ezeklerdenkmal zu besuchen, einen Steinobelisken mit der Aufschrift, daß hier 1764 am 7. Januar 200 Ezekler für Ungarns Freiheit ihr Leben verloren. Am Nachmittag hatte der liebenswürdige katholische Dekan einige unserer Neisegesellschaft zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Ein freundliches Städtchen mit fleißiger Bevölkerung in malerischer Tracht umgab eine große Kirche und das idyllisch gelegene Pfarrhaus, worin der Herr Dekan und seine bejahrte Mutter aus das liebenswürdigste die Wirte machten. Ungarn bot ein herrliches Bild mit seinen waldbestandenen Höhen, wogenden Kornfeldern, saftigen wiesen mit großen Binderherden zu beiden Seiten der Lahn. Abends 10 Uhr waren wir in Kronstadt, wo eine Menge
ungarischer Neservisten mit ihren Frauen alle Bäume des großen Bahnhofs eingenommen hatten, wir wurden gut bewirtet von Damen des Hilfsvereins und verbrachten die Nacht im Wartesaal. In langer Fahrt ging es am andern Morgen weiter durch das schöne Ungarland; viele Militärzüge begegneten uns,' es war heiß und wir sehnten eine größere Station herbei, um wieder einmal anständig essen zu können. Diese Gelegenheit wollte sich uns in Töwis bieten, wo 20 Minuten Aufenthalt sein sollte. Auch seitens der Administration war für uns gesorgt, man brachte Gulasch nach unserm wagen, und der Gendarm bat, denselben nicht zu verlassen, verschiedene Personen von unserer Beisegesell- schaft ließen sich nicht abhalten, die Bahnhofsrestauration auszusuchen, um dort zu speisen. Der Zug, der Verspätung hatte, fuhr jedoch früher ab und die genannten Personen verblieben in Töwis. Professor D. und Frau durften, nach vielem Bitten, den nächsten Lilzug benutzen und kamen mit uns fast gleichzeitig in Wien an, während der Bahnhofskommandant den Uebrigen unter keinen Umständen die Weiterreise gestattete. Sie erhielten gemeinsam ein Zimmer angewiesen und verblieben bis zum andern Tag auf der Station. Sie fanden ihre Kopfbedeckungen, Ueberkleider und Gepäck erst in Dresden wieder. Inzwischen waren wir über Klausenburg, Budapest, waizen, Komorn, preßburg in Wien angelangt. In Budapest konnten wir, bei vierstündigem Aufenthalt, uns wieder einmal erholen, doch meist wurde uns nirgends gestattet, den wagen zu verlassen. Auch in Wien wurde uns vom Konsulatsbeamten bedeutet, wir hätten unverzüglich weiterzufahren, und unserer Bitte, direkt nach München zu reisen, konnte nicht entsprochen werden. Unter strengster Kontrolle ging es nun weiter über Brünn, Kolin, Prag, Bodenbach, nach Tetschen, wo wir die Uacht in einer kalten Baracke auf Tischen und Bänken verbrachten, wir erhielten genügend Decken und auch einiges Brot und Kaffee. Am nächsten Morgen, dem 31. Mai, war gründliche ärztliche Untersuchung,' auch aus etwaiges Ungeziefer wurden Kleider und Körper nachgesehen, und um 8.35 Uhr fuhren wir weiter der Elbe entlang, Dresden zu, wo wir bereits um 10 Uhr eintrafen. Nach genauester Legitimation sollten wir nach unseren Heimatsbezirken abgeschoben werden, doch erbat ich für mich und meine Frau in Dresden einen mehrtägigen Erholungsaufenthalt, der uns auch zugestanden wurde. Am 2. Juni brachte uns das Dampfroß zu vorläufigem Aufenthalt nach München, wir waren froh, daß wir die anstrengende Beise in die Freiheit hinter uns hatten.
Kleine Mitteilungen.
Geistliche Musikaufführung. Nächsten Freitag, 10. Dez., abends 7 l / 2 Uhr, veranstaltet der Gießener Konzertverein in der Stadtkirche eine große Kirchenaufführung. Auf dem Programm stehen Beethovens Messe in E-dur, das Schwester- werk der großen weltberühmten Missa solemmis undHerzogen- bergs Weihnachtsoratorium „Die Geburt Thristi", ein fröhliche, selige Weihnachtsstimmung atmendes Werk. Den Thor stellt der Akademische Gesangverein, der Evangel. Kirchengesangverein mit anderen Gästen und die beiden Ehorschulen. Für die sehr erheblichen Solopartien ist das Stuttgarter Gratorien- Duartett gewonnen worden, während der orchestrale Teil von Mitgliedern der' Kapelle des Ersatzbataillons des Inf -Begts. „Kaiser Wilhelm" ausgeführt wird. Das Drgelspiel liegt in den bewährten fänden des' Herrn Otto Görlach, während die Leitung des Ganzen' Herr Professor Trautmann hat.


