Nr. 44. Gießen, 23. Sonntag nach Trinitatis, 7. November 1915. 4. Jahrgang
Gottesschöpfung und Weltkrieg.
Psalm 12p 2. Meine Hilfe Kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Sn einem oielgelesenen Berliner Blatt stand neulich ein Uussatz: „Weltkrieg und Weltenraum". Der Verfasser kommt, nachdem uns versichert ward, daß es sich hier um streng wissenschaftliche Untersuchungen handelt, zu etwa folgenden Ergebnissen: Der bekannte Physiker Rudolf Mewes hat „die Geschichte der Kriegsperioden einerseits und der Geistesperioden andererseits vom dritten Jahrtausend v. Ehr. an bis zur Neuzeit sorgfältig verfolgt und untersucht, ob zwischen den Geistesperioden, in denen die Künste und Wissenschaften blühen, und den Kriegsperioden, in denen sich die Völker zerfleischen, sowie den Schwankungen der Erdbeschassenheit irgendwelche Zusammenhänge vorhanden sind. . . Ruf Grund seiner Berechnungen kommt Mewes zu einer Sonnenfleckenperiode von 111,3 Jahren. 3n diesem Zeitraum von 111,3 Jahren sind nun, wie die von ihm aus das sorgfältigste durchgearbeiteten Geschichtstabellen beweisen, je zwei Kriegsperioden und je zwei Perioden der Wissenschaft und Kunst enthalten. In einer Periode von 55 -56 Jahren wechselt die Weltgeschichte einmal zwischen Krieg und Frieden ab". Schließlich stellt Mewes fest, „daß alle großen Kriegsdaten von weltbewegender Bedeutung ausnahmslos in den Zeiten eines niedrigen Grundwasserstandes stattgefunden haben, daß dagegen die großen Blüteperioden der Literatur, Künste und Wissenschaften in die Maximalperioden des Grundwasserstandes fallen, die zugleich mit den magnetischen Erscheinungen der Atmosphäre und der Erde in Beziehung stehen, deren Zusammenhang mit den Sonnenslecken ja erwiesen ist. Uuf Grund dieser vollkommen wissenschaftlich durchgesührten Untersuchungen ergeben sich die schon erwähnten Epochen von etwa IlO 111 Jahren." welche „Geschichtstabellen" Mewes Vorgelegen haben, wissen wir nicht. Uber allein die deutsche Geschichte von 1815 1915 wirft seine Theorie über
den Haufen,- und nun vollends erst, wenn man alle Kriege auf dem Erdenrund in Betracht zieht! Unfaßlich bleibt auch, woher Mewes alle 55 -56 Jahre eine „große Blütezeit der Kunst und Wissenschaft" nehmen will! hier liegt ein Beweis vor, wie selbst gelehrte Männer, die sonst so stolzen Förderer und Hüter der objektiven Wahrheit, verhängnisvoll
abirren und ihre wissenschaftliche Uutorität untergraben können, wenn sie die Welt als Schöpfung Gottes aus ihrer Ueberzeugung streichen. Dahin geraten schließlich die gelehrten Vertreter der ödesten mechanistischen Weltanschauung, die alle Vorgänge lediglich auf blind wirkende Uaturkräste zurückführen und unter das Dogma „unantastbarer" Wissenschaft zwingen wollen, daß wir ihnen glauben sollen: „Der Weltkrieg 1914/15 steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der regelmäßigen Wiederkehr der Sonnenfleckenmaxima und dem damit bedingten gegenwärtigen „niederen Grundwasserstand !" Wahrlich, da wirkt wtze eine Erlösung, ja, wie eine Uettung vor blindem Wahn, der in seiner letzten Folgerung schier zur Verzweiflung führen müßte, das herrliche Wort des apostolischen Glaubensbekenntnisses: „Ich glaube an Gott, den allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden!" Dann bleibt auch durch alle Schauer des Weltkrieges für uns yls Erfahrung, Zuversicht und Lebenskraft: „Der Wolken, Luft und winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann!"
Meine Erlebnisse
in der französischen Zremöenlegion.
von einem Gießener.
(Fortsetzung.)
Uuf dieser Strecke war eine Etappe, auf der es kein Wasser gab. Dieses mußte deshalb in Schläuchen mitgenommen werden. Ls konnte kein Trinkwasser abgegeben werden, wir mußten mit dem mitgenommenen Vorräte sehr sparsam umgehen. Selbst bei einem größeren halte mußten wir von unserem Trinkwasser abgeben, damit Kaffee gekocht werden konnte, wer kein Wasser und kein Holz hatte, bekam auch keinen Kaffee. Unter solchen schwierigen Umständen kamen wir am 17. März 1884 im Mecheria an. Buch hier lag das ganze Bataillon in Zelten, nirgendswo gab es Baracken oder eine Kaserne, obwohl Mecheria schon seit einer Reihe von Jahren eine Militärstation war, allerdings eine sehr weit vorgeschobene Station. Das Kampieren in diesen Zelten war keine Unnehmlichkeit,' denn Tag und Nacht kam man nicht aus den Kleidern. Um Tage herrschte große Hitze, und


