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Don Saida aus kamen wir in das Gebiet, in dem zwei 3at]re vorher der große Uraberaufstand statlgesunden hatte. Lou-Umenana, der Führer der Uusständischen, hatte mit großem Geschick den französischen Truppen schwere Verluste beigebracht. Unsere zweite Etappe von Saida aus, eine meist von Italienern bewohnte Unsiedlung, war damals bis auf die Grundmauern vernichtet, alle Bewohner waren ermordet worden. Lei unserer Unkunst war diese Unsiedlung noch ein Trümmerhaufen, und ich glaube, daß sie bis auf den heu­tigen Tag nicht wieder aufgebaut worden ist.

von Saida an beginnt das Hochplateau, es zieht sich bis zum kleinen Utlas hin und wird auch die kleine Sahara genannt. Dieses Hochplateau ist eine scheinbar unendliche Ebene, aus der nichts wächst als Ulfa, eine Urt Heidekraut, das unserem Flachse ähnlich ist. Die Unsiedler verpacken es und schicken es mit der Bahn weg, es wird alsdann zu Stoff verarbeitet, nämlich es werden aus ihm Drillzeug, Urbeiterhosen und Urbeiterblusen hergestellt. Gebahnte Straßen gibt es in dieser Gegend nicht, fortwährend muß man in Schlangenlinien um die Ulfabüsche herumgehen, was un­endlich mühsam und anstrengend ist. Uuch wächst dort ein wohlriechendes Heidekraut, Daine genannt. Diese beiden Pflanzen bilden die Nahrung der Gazellen und Kamele.

(Fortsetzung folgt.)

Erlebnisse einer Mitglieder der Deutschen Zlottenvereinr in Rußland IM 15.

(Fortsetzung.)

Der Baum hatte ein eisenvergittertes Fenster, war hell und sauber und sollte uns dadurch noch lange eine schone Erinnerung bleiben. Es dauerte nicht allzu lange, und weitere Leidens­genossen füllten die bisher noch leergebliebenen Zellen. Unter Vermutungen, weschalb wir verhaftet worden seien, verging der Tag. Um 7 Uhr abends ging es dann unter Polizei­begleitung nach der Kanzlei des Obersten Martpnow von der Geheimpolizei. Nun sollte uns klar werden, welch große Verbrecher wir waren. wir waren wegen der Leistungen kleiner Beiträge zur deutschen Flotte, also wegen Bekundung unserer deutsch-patriotischen Gesinnung, verhaftet worden. Die Unklage lautete nach § 21/431 des russischen Strafgesetz­buches auf Zugehörigkeit zu einer, die Sicherheit des russi­schen Staates bedrohenden Vereinigung und stellte Festungs­haft oder Gefängnis bis zu einem Jahr in Uussicht. Die Sache war also vielversprechend, und Herr Oberst Martpnow hatte noch die Freundlichkeit, uns zu erklären, daß wir als Bussen, in deutscher Hand, für unsere Tat mindestens sofort wären erschossen worden, wie dies einem gewissen Fränkel in Polen passiert sei, den man zuvor jedoch noch beraubt habe. Ich erlaubte mir die Frage, ob er glaube, daß zwei­malige Jahresbeiträge zu 5 Kübel für eine deutsche wohl- sahrtseinrichtung eine derartige Bestrafung verdiene, nach­dem wir Deutsche jährlich Hunderte von Kübel für wohl- wohltätige Zwecke an russische Unstalten abgaben. Nach aber­maliger Notierung aller Personalien und Familienverhält­nisse entließ mich der Herr, und ich wanderte aufs neue ins Gefängnis zurück, um dort bis zum ly. September zu ver­bleiben.

Inzwischen hatte man eine ganze Unzahl Flottenvereins­mitglieder, ungefähr 70 Mann, zusammengefangen, und am 22. September sollte der ganze Transport mit noch Hunderten von Kettensträflingen, Zivilkriegsgefangenen aus Ostpreußen,

Polen, Taurien usw. nach den Gouvernements wologda, Wjatka und Sibirien abgeschoben werden.

Nach zweitägigem Uufenthalt im Moskauer Uebersiede- lungsgefängnis, wo 65 Mann in einem Kaum zusammen­gepfercht waren, der sonst für 45 gerade reichte, wurde der Transport der Begleitmannschaft übergeben und wie üblich in der Uebernahmehalle einer Leibesvisitation unterzogen. Das wenige Gepäck wurde ebenfalls aufs genaueste untersucht und Kleidungs- und Wäschestücke in empörender weise auf dem schmutzigen Plattenboden herumgeworfen. Das Gepäck, ungefähr 35 Pfund schwer, in der Hand, wurden wir auf den Hof gestoßen und dort zu sechs in der Keihe aufgestellt. Hunderte warteten hier bereits, und endlich um 8 Uhr abends zog der ganze Trupp im Geschwindschritt unter Be­gleitung der Soldaten, die blank gezogen hatten, zum Bahn­hof. wir waren ungefähr 400 Menschen, Männer, Frauen und Kinder, voraus marschierten einige Dutzend Sträflinge mit klirrenden Ketten, wir vom deutschen Flottenverein, un­gefähr 35 an der Zahl, gleich hinterher. Ein Teil unserer Mitglieder war im Gefängnis zurückgeblieben und sollte dort in dem scheußlichsten und schmutzigsten Gefängnis, welches ich je sah, noch recht lange schmachten. Der Gefan­genenzug setzte sich aus Urrestantenwagen und wagen dritter Klasse zusammen und reichte knapp für die eingebrachte Menge, wir wurden vorerst in wagen dritter Klasse untergebracht und erst 240 Kilometer von wjatka, in Jakschan, infolge einer Laune der Begleitmannschaften, die mit schlechter Gesellschaft die Nacht verbringen wollten, in einem Urrestantenwagen untergebracht. Um 26. September kamen wir endlich in wjatka an, müde, zer­schlagen und hungrig nach der langen Fahrt. Nun ging es sieben Kilometer zu Fuß durch den Schmutz der kotigen Straßen, das Gepäck auf dem Kücken, nach dem Hof des Transportgefängnisses, wo wir, triefend vor Uässe, ankamen. Einige hundert Sträflinge, sowie neun der unsrigen, die sich für Jeläbuga gemeldet hatten, blieben in wjatka zurück und wurden nach peinlicher Leibesvhitation und Ubnahme ihrer Barmittel nach dem Transportgefängnis abgeführt, wir an­deren, ungefähr 65 an den Zahl, Frauen, Männer und Kin­der, marschierten nach der Polizeiverwaltung, wo wir von 10 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, ohne irgend etwas zu essen, im Hofe im Kegen standen, um dann nach dem Halte­platz des DampfersKommersant" der Wolga-Wjatka-Linie abgeschoben zu werden, der uns nach dem Drt unserer Bestim­mung Slobodskoy bringen sollte. Durch mein Bitten und mit Uachhilfe einiger Kübel fand ich mit noch vier Flottenver­einsmitgliedern in der Damenkajüte des Dampfers Unter­kunft und Nahrung; hier erfreuten wir uns unserer Freiheit bis zum nächsten Morgen V28 Uhr. Um diese Zeit kamen wir in Slobodskoy an. Die anderen Urmen, ungefähr 60 Per­sonen, hatten, zusammengekauert unter dem Segel, auf dem verdeck kampiert: der Kegen hatte zwar nachgelassen, dafür aber war es kalt und windig, wieder ging es nun drei Kilo­meter durch den Kot zur Polizeiverwaltung, wo uns endlich um drei Uhr nachmittags vom polizeigewaltigen der Stadt erklärt wurde, daß die fünf Ueltesten unseres Tonvois, Män­ner im Ulter von 54, 57, 62, 65 und 68 Jahren, in Zlobods- kop vornächst verbleiben dürsten, die übrigen jedoch sofort zu Fuß weiter befördert würden und zwar nach Dörfern, die 65 bis 100 Kilometer entfernt waren. Unter ihnen befanden sich Frauen und viele Kinder. Uns wurde erklärt, wir hätten uns jeden Übend bei der Polizei zu melden, die Beförderung und der Bezug jeglicher Korrespondenz erfolge nur durch die