Einzelbild herunterladen

170

ich, den laßt stehen und macht den nicht zum Schanddeckel eures ungeduldigen, unfriedlichen, unchristlichen vorneh- men§,' den will ich euch nicht lassen noch gönnen, sondern beides, mit Schriften und Worten, euch abreißen nach meinem vermögen, so lang sich eine Ader regt in meinem Leibe."

Freiheit in der Zucht begehren wir für unser deutsches Volk als den besten Siegespreis nach dem schweren klingen dieser Tage. Sie Kann nur da erblühen, wo die Grundlage der sittlichen, geistlichen Freiheit gewonnen wird, wo ein im Glauben starkes Geschlecht Gottes und seiner Gnade gewiß geworden ist. So soll uns die Freiheit im Glauben das große Erbe der Deformation sein, das wir pflegen und hüten wollen als unseres Volkes bestes Teil, An Jesus Christus ist diese Freiheit gebunden, seine Gabe ist das in der Freiheit wurzelnde, starke vertrauen auf Gott, wenn durch unsere Zeit der mannhafte Klang der Lutherlieder hindurchtönt, wenn wir singen von der festen Burg, von guter wehr und Waffen, von ritterlichem Ningen durch Tod und Leben zu gottgewiesenem Ziel, so sei darüber der Kern- und Mittelpunkt nicht vergessen:

Es streit' für uns der rechte Mann,

Den Gott selbst hat erkoren.

Fragst du, wer der ist?

Er heißt Liesus Christ,

Der Herr Zebaoth,

Und ist kein andrer Gott,

Vas Feld muß er behalten.

Meine Erlebnisse

in der französischen Fremdenlegion.

von einem Gießener.

(Fortsetzung.)

Bis zum 1. Dezember 1883 verblieben wir in Sidi-Bell- Abbes, von diesem Tage an aber wurden wir, d. h. ungefähr 20 Mann, nach Bou-Kanifis auf eine Strafanstalt zur Be­wachung gefangener Araber kommandiert. Ls waren dort Leute untergebracht, die in dem bekannten Araberaufstand von 1881 bis 1882 sich gegen die französische Herrschaft aus­gelehnt und ganze Ansiedlungen dem Erdboden gleich gemacht hatten. Diese Ansiedlungen waren zumeist von Spaniern be­wohnt, welche Napoleon so um das Jahr 1857 zur Auswan­derung nach Nordafrika veranlaßt hatte. Diejenigen unter den Gefangenen, die sich gut führten, wurden zu leichten Ar­beiten verwendet, die anderen mußten, mit hacke, Spaten und picke ausgerüstet, jeden Tag Land urbar machen. Die Schwerverbrecher unter ihnen, bei denen man Fluchtversuche fürchtete, wurden in sogenannten Silos (Erdgefängnissen) ver­wahrt. Es wird da ein Loch in die Erde gegraben, das un­gefähr 3 Meter tief ist, die obere Geffnung hat einen Durch­messer von ungefähr 3/4 Meter, nach unten ist die Grube so ausgeweitet, daß der Loden einen Durchmesser von 2 bis 2 V 2 Meter hat, die wände sind mithin abgeschrägt, so daß es keinem Gefangenen möglich ist, aus diesem Loche heraus­zukommen. Täglich kommen die bedauernswerten Leute eine Stunde lang zu ihrer Erholung heraus, wenn es regnet oder schneit, wird eine Art Dach über die Grube gestellt.

wir hatten zwei Tage zu marschieren, bis wir an Drt und Stelle ankamen. Traurige Wochen waren es, die wir dort verlebten, wir mußten viel Hunger leiden und hatten eine große Menge von Wachen und Patrouillen zu versehen. Die eine Hälfte des Kommandos zog auf wache, die andere Hälfte ging mit den gefangenen Arabern hinaus auf das Feld, das war regelmäßig vormittags von 712 und nach­

mittags von 2 -5 Uhr: es war zum verzweifeln, wenn man bedenkt, daß gewöhnlich 12 Mann 60 -70 gefangene Araber zu bewachen hatten und daß diese auf der Arbeits­stätte die gefährlichsten Werkzeuge, wie Nodhacken, Aexte, Beilpicken hatten, so versteht man, daß wir in großer Gefahr waren. Mit geladenem Gewehr und ausgepslanztem Seiten­gewehr waren wir rings um die Gefangenen aufgestellt, unsere Instruktion lautete, auf jeden zu schießen, der sich der Postenkette nähere. Die Posten, die das Gefängnis be­wachten, mußten sich vom Dunkelwerden an jede Viertel­stunde zurufen:Lentinelle, prenez garde ä vous (Schild­wache, Hab acht auf dich!"), und der letzte Posten, der in der Nähe der wache stand, mußte dem wachhabenden Zu­rufen:Kien de nouveau! (Nichts Neues!). So ging es Tag für Tag, nur Sonntags waren wir davon befreit, die Gefangenen hinaus auf das Feld zu führen, denn alsdann wurden diese gar nicht herausgelassen. Interessant war es zuzusehen, wie die Araber mit einem scharf gemachten Löffel­stiel einander die Kopfhaare abrasierten.

Die Beköstigung der dorthin abkommandierten Soldaten hatte der Kommandeur übernommen, der dafür eine Pauschal­summe erhielt. Da dieser Herr bei diesem Geschäfte recht viel Geld gut machen wollte, so war die Kost, die wir er­hielten, erbärmlich. Es gab jeden Tag weiße Nüben und ein bißchen Hammelfleisch. Um Abwechselung in diese ein­tönige Kost zu bringen, gingen wir nachts heimlich zu der spanischen Ansiedlung und suchten Kartoffeln auszugraben. Aber die Ansiedler waren meist auf der Hut und schossen scharf nach uns.

Am 12. Januar 1884 wurden wir wieder abgelöst und marschierten zurück nach Sidi-Bell-Abbes. Daselbst blieben wir bis zum 18. Februar und wurden dann unserem Bataillon zugeteilt, das in Mecheria lag. (Obwohl bis dahin die Eisen­bahn ging, mußten wir doch die.große Strecke zu Fuß zurücklegen. Sn Afrika sind die Märsche das Schwierigste, das der Soldat zu leisten hat. von Sidi-Bell-Abbes bis nach Mecheria sind es 16 Tagesmärsche, wir hatten unterwegs drei Nuhetage, den ersten in Sidi-Laß-Aines, den zweiten in Saida, den dritten in Kreiter. Auch die anderen Stationen haben wunderbar klingende Namen, sonst ist aber dort nichts zu finden, kein Baum, kein Strauch, kein Haus, nur Sand und manchmal zwischen Heidekraut ein wasserloch. Die ge­nannten Stationen sind so verschieden weit voneinander ent­fernt, daß man an einem Tage 60 Kilometer marschieren muß, am andern nur die Hälfte.

Diese Märsche sind so furchtbar, daß es in der Negel auf ihnen eine Anzahl von Selbstmorden gibt, und zwar sind es meist die ganz jungen Leute, die nicht imstande sind, die Strapazen zu ertragen und infolgedessen Hand an sich legen. Auch begehen die Gebildeten, die in der Hoffnung kamen, bald befördert zu werden, häufig Selbstmord. Ent­setzlich ist die Hitze, furchtbar quält der Durst, nirgendswo ist Wasser zu finden, der glühend heiße Sand verbrennt das Schuhwerk. Unter solchen Umständen kommt es leicht vor, daß der eine oder der andere nicht mehr mitmarschieren will und zurückbleibt. Alles Aufmuntern, auch alles Schelten hilft nichts. Da wird dem Unglücklichen sein Tornister ab­genommen, man läßt ihm nur das Gewehr und die Pa­tronen. Aber auch jetzt kann er nicht mehr sich aufraffen, der Durst quält ihn zu furchtbar, aus einmal kracht ein Schuß, das Leben ist entflohen. So ging es auch auf diesem Marsch, vom vierten Marschtage an verging kein Tag, daß nicht einer oder zwei ihrem Leben ein Ende machten.