nicht unmittelbar beteiligten Kreisen von mehr als einem flüchtigen Hauch berührt. Ls wäre die schönste Frucht, die ihm aus der Hitze dieses Krieges hervorreifen könnte, wenn das Gefühl der Brüderlichkeit zu bleibendem Einfluß gelangte. K. G.
Meine Erlebnisse
in der französischen Zremdenlegion.
von einem Gießener.
(Fortsetzung.)
Gegen Mittag kamen wir in den spanischen Kriegshafen Lartagena, wo das Schiff Aus- und Einladungen vornahm. Nach einigen Stunden des Aufenthaltes ging die Fahrt weiter, und am nächsten Morgen — es war der 9. November 1883 — kam die afrikanische Küste in Sicht. Mir landeten in Gran. Als es völlig Tag war, wurden wir auf ein Fort geführt und blieben da bis zum nächsten Tag. hier bekamen wir die ersten Militäreffekten: eine Fußdecke, ein Zelttuch mit Stäben, pfählen und einer Seine sowie eine zwei Liter fassende Feldflasche aus Blech, außen, um die Sonnenstrahlen nicht zu sehr anzuziehen, mit Tuch überzogen. Bei französischen Kriegsgefangenen habe ich in diesem Fahre diese Feldflaschen wiedergesehen.
Am 11. November wurden wir mit der Bahn nach Sidi- Bell-Abbes gebracht, wo sich das Kekrutendepot befand, dort kamen wir erst abends gegen 9 Uhr an. hier wurden wir in Zelten untergebracht, wie überhaupt damals die französische Fremdenlegion meist, auch an den Standorten, nur in Zelten wohnte, nur an einigen Garnisonen gab es Baracken, jetzt wird man wohl überall Baracken haben. Unsere erste Uacht in Afrika war eine schlechte Nacht. Mir sollten erfahren, daß es in Afrika nicht nur heiß ist, sondern auch bitter kalt werden kann. Da die meisten unter uns schlecht gekleidet waren, so froren wir sehr. Seit 11 Uhr des Morgens hatten wir nichts gegessen, auch nach unserer Ankunft hatte es nichts gegeben, auf steinigem Boden mußten wir unter dem Zeltdache die Uacht zubringen. Meine Feldflasche war mein Kopfkissen, meine Fußdecke mein Unterbett, mit dem Zelttuche deckte ich mich zu. hungriger Magen, steiniger Boden, bittere Kälte, welche trostlose Uacht war das! Mie wurden in dieser Uacht Gedanken der Ueue in mir wach, und nach den großen Hoffnungen kam nun die bittere Enttäuschung.
Am andern Morgen waren unsere Zelte von einer größeren Anzahl älterer Soldaten umgeben, die ebenfalls ihre Zelte in diesem Lager, aber etwas von den unsrigen entfernt, hatten. So ist es immer, wenn neue Fremdenlegionäre ankommen. Sie werden von den Altgedienten ausgebeutet' denn in der Kegel besitzen die Ueuankommenden allerhand, was den Alten erwünscht ist. Mas diese erwischen können, das wird mitgenommen. Sie erboten sich, uns etwas zu essen zu holen - denn wir durften unsere Zelte nicht verlassen. Fast ein jeder von uns gab Geld her, damit die „Kameraden" ihm etwas holen sollten. Einige waren auch ehrlich und brachten Brot und sonstige Sachen. Sch selbst gab meinen letzten Frank einem „Kameraden", damit er mir Brot holen solle, aber er kam nicht wieder. Meine Leidensgenossen teilten das wenige, das sie hatten, mit mir, ich aber war um eine Erfahrung reicher geworden, wenn später wieder einer der Alten kam mit dem Anerbieten, mir etwas zu besorgen, so wies ich ihn ab; denn diese Alten sind oft nichts als Gauner und Diebe.
Gegen 10 Uhr bekamen wir etwas Kaffee. Für je zehn Mann wurde eine Schüssel Kaffee aufgetragen, in welcher verschiedene Zwiebackbrocken schwammen. Einige von uns hatten Tassen, andere Löffel, andere hatten nichts und mußten warten bis zuletzt. Dann wurde der übliche Haarschnitt vorgenommen, wir wurden verlesen, und fort ging es in das Städtchen auf das Bekleidungsbureau, wo wir sämtliche Sachen, welche wir als Soldaten brauchten, in Empfang nahmen. Miefes jetzt im Kriege auch mit dem deutschen Soldaten geschieht, so wurden auch wir mit Ausnahme von Gewehr, Bajonett, Tornister, Mantel, Koppel und Patronentasche ganz neu ausgerüstet. Fetzt erst bekamen wir etwas zu essen und wurden in die zwei dort liegenden Kompagnien eingeteilt.
Bemerken will ich, daß in Sidi-Bell-Abbes das Ke- krutendepot lag. Ls bestand aus zwei Kompagnien, die fast jeden Monat eine ausgebildete Abteilung an die verschiedenen Bataillone schicken. Ls war dort so wie jetzt in Deutschland in der Kriegszeit, daß die Depots die Kekruten ausbilden und dann an die verschiedenen.Truppenteile abgeben, während im Frieden bei uns jede Kompagnie selbst ihre Mannschaften ausbildet. Die Bataillone haben in Afrika auch keine Kammern, sondern die gibt es nur bei den Depots. Wird ein Bataillon kriegsmäßig ausgerüstet, so kommt es zum Depot.
Mit der militärischen Ausbildung geht es in der Fremdenlegion ganz anders als in Deutschland. Meine Leser werden sich wundern, wenn ich ihnen mitteile, daß ich schon am zweiten Tage nach meiner Ankunft in meiner nunmehrigen Garnison aus Wache kam und Posten stehen mußte. Das kam so. Wir hatten am Morgen Exerzieren, nicht einzeln oder truppweise, sondern in der ganzen Kolonne unter einem Offizier. Weil ich am Flügel stand, die französische Sprache noch nicht beherrschte und deshalb die Kommandos nicht verstand, so kam ich mit den Uebungen immer nach, weil ich zuerst sehen mußte, was die andern machten, und dann erst die befohlenen Exerzitien ausführte. Nach Schluß der Hebung kam ein Korporal, ein geborener Badener, zu mir und sagte: „Du hast zwei Tage Salle de Police!" Sch hatte beim Exerzieren gar nicht gehört, daß der OMzier mir diese Strafe diktiert hatte, darum sagte ich dem Korporal, er solle mich doch zu dem Offizier führen, damit ich ihm sagen könne, daß ich deshalb immer beim Exerzieren nachgekommen fei, weil ich das Kommando noch nicht verstehe. Der Korporal aber meinte, meine Strafe sei nicht so schlimm, ich solle mich nicht beschweren, denn es käme doch nichts dabei heraus. Sch solle mich heute und am nächsten Tage im Wachanzuge auf der Wache melden, um jede Nacht vier Stunden Posten zu stehen. Auf meine Erwiderung, daß ich das nicht könne, weil mir die Wachinstruktion unbekannt sei, sagte der Korporal : „Das macht alles nichts, es wird schon gehen!" Es half alles nichts, ich mußte auf Wache ziehen, und es ist auch gegangen, aber welche Gefühle einen dabei überkamen, das kann man niemand sagen.
Bevor ich weiter berichte, will ich eine kleine Schilderung des Truppenteils, dem ich nun angehörte, geben. Der Fremdenlegionär hatte die Uniform eines französischen Sn- fanteristen: lange rote Hosen, dunkelblauen Waffenrock, der indessen nur in den Garnisonen getragen wird und eine Art Prunkstück ist. Sn den Krieg wird dieser Wasfenrock nicht mitgenommen, auch nicht, wenn es zu irgend einem Kommando geht. Zu der Ausrüstung gehört ferner eine dunkelblaue Weste, die man auch als kurze Sacke bezeichnen kann und die das Hauptbekleidungsstück ist. Auf Märschen wird


