Einzelbild herunterladen

167

fajt immer der graublaue Mantel getragen, dessen vordere Enden zurückgeknöpft werden. Kopfbedeckung ist das be­kannte Käppi. Line fünf Meter lange und einen halben Meter breite hellblaue Linde (Tenturon) wird über dem Mantel oder über der Weste um den Leib getragen.

Die Löhnung, die wir alle fünf Tage bekamen, betrug 7 Sous - 28 pfg-, in Frankreich gibt es nur 5 Sous = 20 pfg. Morgens erhielten wir einen halben Schoppen guten Kaffee mit Zucker, zwischen 10 und 11 Uhr Suppe und Fleisch und nachmittags um 5 Uhr das zweite Essen, das eine kräftigere Zubereitung aufwies, hierzu gab es auch einen halben Schoppen guten Uotwein mit Ausnahme des Donnerstag, an dem es einen viertel Schoppen Tafia das ist eine Art Fruchtschnaps gab. Auch gab es an diesem Tage kein Brot, sondern Zwieback. Für zwei Sous konnte man auch ein Paket Tabak bekommen, die meisten Haben ihn aber wieder verkauft, obgleich eine schwere Strafe darauf stand. _ (Fortsetzung folgt.)

Erlebnisse einer Mitglieder der Deutschen Zlottenvereinr in Rußland J9W/J5.*)

Ls war in den Augusttagen des Jahres 1914 in Mos­kau, die Wellen der slawischen Begeisterung, aufgepeitscht durch die Kriegshetzer, gingen hoch. Allabendlich zogen von der Polizei bezahlte Banden, meist halbwüchsige Menschen, durch die Straßen, das Bild des Zaren voran, und mani­festierten für die slawische Verbrüderung, für Frankreich und England.

Mit bangem Herzen horchten wir Ueichsdeutschen der aufgeregten menge, deren Gegröhle uns nichts Gutes verhieß. Schon hörte man von Verhaftungen einzelner hervorragender Mitglieder der deutschen und österreichischen Kolonie; doch im allgemeinen rechnete man darauf, auch während der Dauer des Krieges unbehelligt in Moskau leben zu können.

Bereits am 7. August 1914 waren Ueichsdeutsche und Oesterreicher von 1845 Jahren genötigt, in der Krutizkp- Kaserne sich zu stellen, wurden dort interniert und am 20. August nach den Gouvernements wjatka und wologda als Zivilkriegsgefangene abgeschoben. Die weiteren Verord­nungen, keiner deutschen oder österreichischen Firma oder deren Vertretern bei Geldstrafe bis 3000 Kübel oder bei Arrest irgend etwas zu zahlen, die Entlassung des reichs- deutschen und österreichischen Personals mit Ausnahme der Leute polnischer und tschechischer Herkunft, die Liquidation der Filialen deutscher und österreichischer Firmen, die Kon­fiskation von Wagen, Schlitten, Pferden und Fourage brach­ten schon mehr Unruhe in die Kolonie. Die deutsche Kolonie namentlich war innig mit dem moskowitischen Leben ver­wachsen, hatte hervorragende Vertreter im öffentlichen Leben, in den verschiedenen Hilfsvereinen, Wohltätigkeitsanstalten,

*) Nachfolgender Bericht gibt ein erschütternder Bild der schreck­lichen Leidensgeschichte, die unsere Landsleute in Rußland nach 5lur- bruch des Krieges zu bestehen hatten. Der Verfasser lebte 40 Zahre in Rußland. Nls Vertreter bedeutender deutscher Firmen stand er mit den gebildeten Kreisen Moskaus in innigstem Verkehr, nahm aber auch im Kreise der deutschen Gemeinde eine führende Stelle ein. Sofort nach Rusbruch des Krieges suchte man nach einer Ur­sache, sämtliche Deutschen hinter Schloß und Riegel zu bringe». Endlich hatte man einen Grund gefunden, viele Mitglieder der deut­schen Gemeinde zahlten zum Besten der deutschen Flotte einen Jahresbeitrag von 5 oder 10 Rubel. Die Liste, die die Namen dieser Leute enthielt, fiel in die ksände der russischen Polizei. Sofort wur­den sämtliche Deutsche verhaftet und von Gefängnis zu Gefängnis geschleppt, bis es sich endlich nach S Monaten ergab, daß sie un­schuldig seien. Die Behandlung während dieser Zeit spricht allen Be­griffen eines Rechts- und Kulturstaatcs tzohn und verdient der breitesten Dcffentlichkeit bekannt gegeben zu werden. D. Red.

Gesangvereinen, und es hatte sich in Jahrzehnten des Zu­sammenlebens und gemeinsamen Schaffens mit der russi­schen Bevölkerung ein sehr gutes Verhältnis herausgebildet, auch hatte man gute Beziehungen zu den polizeigewal­tigen der Stadt. Mit einem Male konnte oder wollte man wohl nicht so schroff das gute Verhältnis stören. Gehetzt und geschürt wurde im geheimen doch, und es sollte bald anders kommen. Die Ahonnementsliste der ZeitungDer Ausländs­deutsche" mit der IournalbeilageDie Flotte" gab der Deutschenhetze neuen Stofs und das Material an die Hand, den Besten der Kolonie beizukommen. Die wenigen Bei­träge zu den Wohlsahrtseinrichtungen für deutsche Seeleute mußten herhalten, die geachteten und unbescholtenen Ele­mente der deutschen Kolonie, die nie mit Polizei oder Gericht zu tun gehabt hatten, als Verschwörer gegen den russischen Staat zu brandmarken und die handhabe abgeben, admini­strativ gegen sie vorzugehen, sie zu ruinieren, in der scheuß­lichsten Weise zu mißhandeln und teilweise in den Tod zu schicken.

Am 11. September morgens gegen drei Uhr überfiel meine in Moskau nicht weit vom Polizeihaus des Mias- nitzkp-Stadtteils gelegene Privatwohnung ein Polizeiauf­gebot, ein Polizeileutnant nebst einem Gehilfen, vier Poli­zisten und vier Dworniki (Hauswächter) behufs Haus­suchung und Verhaftung. Kaum, daß man mir und den Meinen Zeit ließ, uns notdürftig anzukleiden; man drang in die Schlafzimmer, untersuchte Betten, Schränke und Kasten nach Schriftstücken, Briefen und Dokumenten, durchstöberte privat- und Geschäftsbücher und nahm mit sich, was den Herren für passend erschien, Photographiealben, Ansichts­postkarten usw. Sn sieben großen Paketen verschnürt, schleppten sie alles hinweg nach dem Polizeihaus zur Ver­fügung der Geheimpolizei. Auf mein Befragen, weshalb man mich verhafte, wurde mir keine Antwort. Kober Ver­haftung und Befund wurde vom polizeioffizier ein langes Protokoll abgefaßt, welches ich zu unterzeichnen hatte. Aus­gestattet mit den allernötigsten Wäschestücken, einer Decke und einem kleinen Kopfkissen, ging es nach der polizei- wachtstube, eskortiert von dem ganzen Troß. Dort aufs neue Feststellung der Personalien und des Bestandes der Familie. Inzwischen war es acht Uhr geworden, es hatten sich noch einige Bekannte unseres Stadtteils eingefunden, die auch mit mir das gleiche Schicksal teilen sollten, vorerst war ich erledigt, und mein kleines Gepäck in der Hand zog ich mit einem Polizisten durch die stillen Straßen dem Polizeigefäng­nis des Miasnitzky-Stadtteiles zu. Wieder verhör, dann Leibesvisitation, Abnahme aller Gegenstände, Messer, Porte­feuille, Portemonnaie nebst Inhalt, hierauf Einkerkerung in einem für 24 Sträflinge hergerichteten Gefängnis, wo je zwei in einem Kaum von zweimal 2 V 2 Meter untergebracht wurden. Zwei schmale Eisenbetten mit Strohsack, eine Bank und ein kleiner Tisch bildeten die Einrichtung.

(Fortsetzung folgt.)

Kleine Mitteilungen.

Der Gberhessische Verein für Baseler Mission gedenkt Dienstag, 26. Oktober, nachmittags 31/4 Uhr, im Matthäus­saale in der Kirchstraße seine Jahresversammlung zu halten. Im Mittelpunkte derselben wird der Vortrag von Direktor Dipper-Basel stehen über:Der Einfluß des Weltkrieges auf die Baseler Mission". Dieser ist sehr einschneidend bis jetzt gewesen und alle blühende Missionsarbeit außer in Ehina ist durch den Krieg lahmgelegt. Es werden neue