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Innenausstattung zusammen, Altar, Kanzel, Taufstein, Grgel und Bänke wurden beschafft und ein Pfarrhaus erbaut. Die Wege und die freien Plätze ringsumher wurden gepflastert, zu einer Kirche fehlten nur noch Turm und Glocken. Erst im Jahre 1658 fand die Einweihung statt, der Krieg hatte gewiß vorher eine Fertigstellung des Umbaus nicht möglich gemacht. Die weihe nahm der Superintendent und Professor Peter Haberkorn vor, dessen gut erhaltenes Grabdenkmal sich in der alten Friedhofskapelle findet. Die neu hergerich­tete Kirche erhielt den NamenBurgkirche", der erste Pfarrer an ihr war Magister Iustus Geilfuß, der zugleich auch Militärprediger war.

In der Burgkirche wurden Sonntags zwei Gottesdienste abgehalten. Da man keine Glocken hatte, so hals man sich damit, daß man den Gottesdienst gleichzeitig mit dem der Stadtkirche beginnen ließ, die Glocken der Stadtkirche riefen sowohl zu dieser wie zur Burgkirche. Später jedoch wurde der Beginn des Gottesdienstes in der Burgkirche auf vormittags 8 Uhr verlegt, weil für die Soldaten, die um 12 Uhr auf wache ziehen mußten, sonst die Zeit zwischen der Beendigung des Gottesdienstes und dem Antreten zu ihrem Dienste zu kurz gewesen wäre. Infolgedessen riesen wieder die Trom­meln zur Burgkirche, das war ja echt soldatisch, mag aber der Sonntagsstille wenig förderlich gewesen sein.

Ls ist immer mißlich, ein Gebäude, das vorher anderen Zwecken gedient hat, zu einer Kirche umzubauen, jeder Sach­kenner weiß, daß daraus nichts rechtes wird, und jeder er­fahrene Architekt wird davon abraten. So hat auch die Burg­kirche nur 166 Jahre ausgehalten, für eine Kirche gewiß kein hohes Alter. Jedenfalls aber hatte Gießen in der Zeit von 1658 -1824 zwei Kirchen, auch zwei Kirchengemeinden, die Stadtkirchengemeinde und die Burgkirchengemeinde. Neben den Stadtpfarrern standen die Burgpfarrer, die Tauf-, Trau-, Sterbe- und Konfirmandenlisten wurden für diese beiden Ge­meinden getrennt geführt, sie sind heute noch vollständig er­halten. Zur Stadtkirche gehörten alle Gießener Bürgersfami- lien, zur Burgkirche hauptsächlich die Pos- und Staatsbeam­ten, die Angehörigen der Universität und der Garnison; diese Gemeinde war somit bedeutend kleiner als die Stadtgemeinde, das sieht man an der geringen Zahl der Amtshandlungen, die in ihr vollzogen wurden und die sämtlich in den Kirchen­büchern protokolliert sind.

wahrscheinlich war die Surgkirche, in kriegerischer Zeit errichtet und umgebaut, ein wenig solider Bau, so kam es, daß das Gotteshaus schon im 18. Jahrhundert baufällig war. Die kriegerischen Ereignisse um die wende des 18. und 19. Jahrhunderts brachten es mit sich, daß man zur Wieder­herstellung Keine Mittel flüssig machen konnte, um so weniger, da man schon seit 1781 den Neubau der Stadtkirche in Er­wägung gezogen hatte. Am 29. Juli 1821 wurde die neu­erbaute Stadtkirche eingeweiht, die Stadt Gießen besaß somit ein geräumiges, zweckdienliches, wenn auch architektonisch nicht vollkommenes Gebäude; da mochte man denken, daß die alte, baufällige Burgkirche entbehrlich sei. Sie wurde im Jahre 1824 abgebrochen, nichts ist von ihr zurückgeblieben.

Es ist ein Glück, daß Gießen seit dem Jahre 1895, dem Jahre der Vollendung und Einweihung der Johanneskirche, wieder zwei Kirchen hat; denn ob in den nächsten, vor uns in der Zukunft liegenden Jahrzehnten in Deutschland größere Kirchenbauten ausgeführt werden können, ist jetzt schwer zu sagen. Das Zeitalter, dap hinter uns liegt, war ein Zeitalter der rastlosen, erhöhten Tätigkeit auf dem Gebiete des Kirchen­baues. wieviele Kirchen sind in dieser Zeit allein in Hessen

gebaut worden, von größeren Kirchen in unserem engeren vaterlande erwähnen wir unsere Johanneskirche, die Dankes­kirche in Bad-Nauheim, die Martins- und die Pauluskirche in Darmstadt, die Thristuskirche in Mainz und die Luther­kirche in Worms, viele Gotteshäuser hat man in der Diaspora gebaut, in den Gegenden, wo eine Minorität von Evangeli­schen neben einer Majorität von Katholiken wohnt. Auch viele Landgemeinden haben Neubauten und Umbauten vorgenom­men. In der Zukunft, wenn der Krieg mit Gottes Hilfe zu Ende ist, werden wir unsere Mittel für andere Zwecke ver­wenden müssen. In erster Linie müssen wir die Gpser des Krieges versorgen, sodann muß unsere Wehrkraft so aus­gebaut werden, daß wir auch in einem zweiten Kriege, den Gott gnädig von uns abhalten möge, uns behaupten können. Aber wenn wir auch für neue Kirchenbauten kein Geld verwenden können, so braucht darunter doch die Frömmig­keit nicht zu leiden. Diese wohnt oft mehr in bescheidenen gottesdienstlichen Bäumen als in großen, prunkvoll aus-- gestatteten Kirchen, wenn die Frömmigkeit unseres Volkes durch die schweren Schicksale, die wir jetzt erleben, nur ge­steigert wird und wenn unser Volk den bedeutungsvollen Schritt von der Weltseligkeit zur Gottseligkeit macht, so wollen wir nicht darüber murren, daß so tiefes Leid und so ernste Sorge in den Jahren 1914 und 1915 über uns gekommen sind.

Gehälter in alter Zeit.

In der glücklichen Zeit des Friedens, die hinter uns liegt, ist Deutschland immer mehr ein reiches Land gewor­den. Das beweist uns abermals auf das neue der Biejen- erfolg der dritten Kriegsanleihe. In dieser Zeit ist das Ein­kommen eines jeden Standes und jedweder Beamtenkate­gorie fort und fort gestiegen, Gehaltsaufbesserungen oder zum mindesten Petitionen der Beamtenvereine um Gehalts­aufbesserung waren in den Landtagsverhandlungen aller deutschen Bundesstaaten ein ständig wiederkehrender Gegen­stand. Db nach diesem Kriege Gehaltsaufbesserungen in größerem Maßstabe durchgesührt werden können, ist jetzt noch sehr fraglich. Es ist anzunehmen, daß alle vorhandenen Mittel zunächst dazu verwendet werden müssen, die Wun­den, die der Krieg geschlagen hat, zu heilen, wir werden uns alle an ein einfacheres Leben gewöhnen müssen, im geselligen Leben wird man allen Luxus vermeiden müssen, das vergnügungsleben wird sehr eingeschränkt werden, vor dem allen braucht uns nicht bange zu sein. Auch unter ein­fachen Verhältnissen kann der Mensch glücklich und zufrie­den sein. Unsere Vorfahren hatten ein weit geringeres Ein­kommen als wir und waren doch zufrieden, allerdings waren damals auch alle Gebrauchsgegenstände bei weitem billiger als in der Gegenwart, zumal in dieser Kriegszeit. Auf Grund von alten Aktenstücken sei im Folgenden dar­gelegt, wie die Lehrergehälter in einer preußischen, der Stadt Gießen benachbarten Landgemeinde früher beschaffen waren. Es handelt sich um die Gemeinde Bauborn bei Wetz­lar, und unsere Ausstellungen beziehen sich auf zwei ge­schichtlich sehr wichtige Jahre, auf das Jahr 1789, das Jahr der französischen Bevolution, und das Jahr 1871, das Jahr der Gründung des deutschen Kaiserreiches.

1. Das Jahr 178 9.

Vas Schriftstück, das wir hier benutzen, trägt die Auf­schriftSpecisikation der Bauborner Schulbesoldung" und hat folgenden Inhalt:1. Muß jedes Kind, so die Schule