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einst so bewunderten Volkes bewiesen. Oer tiefste Grund des Verfalls bleibt der, baß es sich vom Glauben geschieden hat und damit von der sittlichen Verantwortung vor dem heiligen Gott. Wir spüren seine Vergeltung. Vas Volk, das genußsüchtig und pietätlos dem gegenwärtigen Geschlechte das zukünftige opferte, muß nun, die Blüte seiner Jugend der Kevanche-Idee hinopsernd, seinen Untergang selbst be­schleunigen. Sie wollten den Tod anstatt das Leben, sie sollen ihn haben. Vu aber halte, was du hast, deutsches Volk!

warum der Grenzer-Narl die Nasen lieb hat.

Erzählung von Karl Hesselbacher.

(Fortsetzung.)

Oer Forstmeister hatte im Garten ein wunderschönes Uundbeet an einer halbschattigen Stelle angelegt. Dort wur­den Begonien eingepflanzt' als sie nun in dem Uundbeet saßen, war er voll Ueugier, wie die Blumen wohl aussehen würden. Uber Tag um Tag verging, und die Blüten blieben aus.

Vas sagte er eines Tages dem Forstmeister, ,,'s ist doch zum Wundern, wie lang jetzt die Blumen brauchen, bis sie aus den Blättern herausschlupfen. Ts ist gerade, wie wenn sie einen narren wollten!"

Der Forstmeister lachte:Je schöner die Blume, um so länger dauert es, bis sie zur vollen Blüte kommt. Sch freue mich am allermeisten über eine solche, die meine Geduld aus die Probe gestellt hat. Sie ist stolz. Denn sie weiß, was sie wert ist. vrum läßt sie auf sich warten."

vem Grenzer-Uarl war es, als hätte sich vor ihm ein lang verschlossenes Tor aufgetan. Er dachte an die Fränz. vie ist wie solch eine Blume sie ist stolz und weiß, was sie wert ist. vrum läßt sie aus sich warten. Und er beschloß, auf die Fränz zu warten.

Uun kam die schönste Zeit im Garten: die Uosenblüte. Es war etwas Köstliches, diese Zeit bei dem Forstmeister zu er­leben. Er hatte eine Menge von Uosenarten, ein paar hundert Stämme, vie liebenswürdigste Bose aber war eine zartrosa­farbene Blüte mit einer langen, spitzen Knospe, die sich sehr langsam entfaltete und auch als ganz vollaufgeblühte Bose immer etwas wie den verschämten Blick eines jungen Mädchens hatte. Der Forstmeister hatte diese Bose aus Samen gezogen und war sehr stolz auf sie. Er nannte sieerrötende Jungfrau", von dieser Bose gab er keinem seiner Freunde Ldelaugen zum Okulieren, so gern er sonst seine Gkulierreiser hergab.

Der Grenzer-Karl kannte bald jede Kose in- und aus­wendig. Buf eine Gunst aber wartete er vergeblich: das war die Erlaubnis von seinem Herrn, eines der vielen Wildstämm- chen zu okulieren. Er durfte zwar dabei stehen und zuschauen, wie der scharfe Einschnitt in die weiche Kinde gemacht wurde und wie das sorgfältig zugerichteteSchildchen" in die saft­quellende Wunde eingeschoben wurde, um dann kunstgerecht verbunden zu werden,' aber daß er einmal gesagt hätte, wie sonst bei seinen Gartenkünsten:Na, Schlosser, jetzt wollen wir einmal die Stadtfäuste sehen, ob sie nicht zu grob ge­worden sind," darauf wartete der Grenzer-Karl umsonst. Sn dieses Heiligtum ließ nun einmal der Forstmeister keinen anderen Menschen.

Wenn ich nur ein einziges Mal dasBeugeln" probie­ren dürfte, dachte der Gartenbusch, vergebens hatte er im

Dorf darum angefragt. Bber kommt Zeit, kommt Kat! Bn Hellen, heißen Sommernachmittagen schlenderte der Bursch planlos im Wald herum. Venn in denSchwanen" ging er nimmer, seit er gehört hatte, daß die schwarze Mine schon einige Male wieder im vors gewesen war und nach ihm ge­fragt hatte. So kam er einmal nach demSauloch", das war eine wundervoll sonnige Berghalde, die wie ein Kessel am steilen Bergrain eingebettet lag. Nach Südosten war sie offen, gegen die rauhen Kordostwinde durch die gewaltigen Lichenstämme geschützt, die sich hintendran aufbauten. Es war ein Stück Kahlhieb, der seit etwa drei Jahren freilag. Brom­beersträucher, Unterholz von selbstaufgegangenem Buchen­samen, von Liguster und Bhorn wucherte dort wild durch­einander. Ein Paradies für Vögel aller Krtert, vom Zaun- schlüpfer und der Grasmücke bis zu der Bmsel und der Kach- tigall! Venn es kamen wenig Leute an den abgelegenen Ort, unb die beerensuchenden Kinder hatten andere Plätze, an denen sie ihre süßen Gelüste befriedigen konnten, ver Grenzer- Karl kam beim ziellosen Umherschlendern dort vorüber unö legte sich an den Kand des Buschwerkes auf den sonnigen Grasrain. Ueber ihm nickten in Hellem seidenem Glanz die Blüten der Heckenröschen, die wie unzählige lachende Kinder­gesichter aus dem Blättergeranke des Busches herausguckten, vie Bienen summten eine sachte Melodie darüber, wie das feine Schwirren einer Geigensaite, die irgendwo weit draußen gespielt wird, und die bunten Falter schwebten hin und her, wie Ordensbänder, die am seidenen Kleid der Fürstinnen prangen.

halb spielend zog der Grenzer-Karl einen blühenden Kosenzweig zu sich herunter. Er riß keine Blüte ab, denn er hatte von seinem Herrn die ehrfürchtige Liebe zu allem, was leuchtet und duftet, gelernt. Über als er mit seinem vaumen- nagel unversehens die weiche grüne Kinde des Zweiges ritzte und ein klarer Tropfen Saft herausfloß, stand wie ein Traumbild der Forstmeister vor seinem Buge, wie er beim veredeln der Kosen seinen T-Schnitt machte. Und der Grenzer- Karl sprang auf voll Vergnügen:va lerne ich das Okulie­ren, der Forstmeister mag mir es gönnen oder nicht."

Kn den folgenden Sonntagen hatte es der Grenzer-Karl immer sehr eilig, aus dem Haus zu kommen. Und es war alle­mal beinahe Kacht, wenn er zurückkam. ver Hannes brummte:Wo der Landstreicher sich herumtreibt! das mag Gott wissen."

Schämt Euch, Hannes!" sagte die Fränz.Ihr solltet Euch der Sünd fürchten, dem armen Kerl alleweil etwas anzu­hängen ! Wozu geht Ihr in die Kirch, wenn Ihr nichts hört? hat nicht heut der Pfarrer gelesen, daß die Engel im Himmel sich freuen über einen Sünder, der Buße tut?"

hör wer mag!" meinte der Hannes trocken und bissig. Ich halt es mit dem Sehen statt mit dem hören. Und drum halt ich meine Bugen offen. Und du junges Ving tätest auch gescheiter, zu gucken als zu hören. Meinst nicht, ich sehe hell genug, wie du alle Bbend vor dem Heustall auf dem Bänklein sitzest und hörst, was dir der hergelaufene Kerl vorflunkert?"

Bch was!" rief die Fränz und wurde dunkelrot.Er flunkert mir gar nichts vor! Er fragt mich nach meiner Mut­ter und meiner Heimat. Warum fragt mich denn sonst nie­mand nach meiner Mutter und wie mir es daheim geht? Tät anderen Leuten auch nichts schaden!"

ver Hannes brummte grimmig:hat nicht jeder ein Maul wie geschmiertes Brot. Und das Süßholzraspeln steht einem alten Kerl schlecht. Bber die Mädchen gucken hundert­mal lieber in ein glattes Gesicht, als in ein sauberes Gemüt."

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