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in der Nähe unseres Waldhauses, an der ruinenhaflen Mühle, die von hohen waldbäumen umgeben war, wurden zuweilen bei Laternenbeleuchtung Tees veranstaltet, bei denen die Waldumgebung durch die Beleuchtung einen etwas theatralischen Lindruck machte. Bei den Pfänderspielen wurde der Witz der Teilnehmer manchmal auf schwere Proben gestellt. Als ich mich einmal recht ungeschickt anstellte, rief die Königin zito! (er lebe hoch!), doch hatte ich die triumphierende Genugtuung, daß es der erhabenen Fürstin hernach nicht besser ging. Besonders wenn der König auf Neisen im Ausland war, liebte es die Königin, Nusflüge zu veranstalten. Liner der schönsten führte uns über die Paßhöhe nach Njos Merkurios. Man hatte da vor sich ein mannigfaltiges Bergland, das sich von parnes bis zum Luripus hinzieht. Man konnte die einzelnen Täler und Vergarme, mit denen er in das Land hineingreift, verfolgen. Der blaue, euböische Lund lag vor einem bis Nulis und Thalkis, und jenseits erhoben sich die majestätischen Bergrücken Tuböas, die sich in der Pyramide des Delphps zusammenfassen. Man sah die Sonne über diesem großartigen Panorama untergehen und hernach den Mond alles in ein Zauberland verwandeln, wo die Straße, die meistens an Nbgründen entlang führt, sich nach Njos Merkurios hinabsenkt, gleicht sie an Großartigkeit der Serpentine der Gotthardstraße im val Tremola. Unser Zug war immer sehr malerisch, vorne die Prinzen und Ndjutanten zu Noß, dann die königlichen wagen mit den allerhöchsten Damen und dem unberittenen Gefolge, hinterher die Maultiere und Karren mit den Dienern und den Lebensmitteln für das nach den Spielen bei Lampenlicht und Mondschein gebotene Nbendessen. Lin andermal wurden alle zur Lröffnung von drei Gräbern außerhalb der Grenzen Ta- töis, etwa 3 4 Stunden von unserem Waldhaus entfernt, befohlen. Der Direktor hatte sic aufgedeckt und vermutete mit der Ueberzeugung des Finders darunter das Grab des Sophokles. In den Marmorsarkophagen, in 7 Meter Tiefe, waren die Skelette mit ausgezeichnet erhaltenen Gebissen und einige ärmliche Vasen, sonst nichts. Ls war also eine Lnt- täuschung und doch interessant. Man erfreute sich an dem Bild der reitenden perrschaften und ihres Gefolges auf dem herrlichen pintergrund der großartigen Bergnatur.
Die königlichen Kinder hatten mit Nusnahme genau bemessener Ferien auch auf Tatoi ihren Unterricht, zu dem die Professoren aus Nthen heraufkamen. Ieden Sommer wurden im Juli regelrechte Fahresprüfungen abgehalten, denen ich auch beizuwohnen hatte. Sein Schlußexamen bestand der Kronprinz, der jetzige König Konstantin, im Fuli 1886. Mein damals über ihn gefälltes Urteil lese ich im Fahre 1915 mit erneutem Interesse: „Ls muß eine Freude sein, einen solchen Sohn zu haben/' Der Prinz wurde in jedem Fach eine geschlagene Stunde examiniert und zwar in vier verschiedenen Sprachen, die er alle mit der gleichen Leichtigkeit handhabte. Lr hat ein ausgezeichnetes Gedächtnis, einen guten verstand (er sagte nicht bloß so Ungelerntes her) und eine merkwürdige Uuhe. Der König, der sich bescheiden stets als Vater und Erzieher des ersten hellenischen Königs betrachtete, gab ihm lauter ausgezeichnete Lehrer, aber es ist an dem Prinzen auch nichts verloren gegangen. Mit gleichem Lrnste hat er alles getrieben und zwar auch das, wofür er weiter kein persönliches Interesse hatte. So ist er drei Tage lang, jeden Tag drei Stunden, geprüft worden, und es war die ganze Zeit ein reines Vergnügen, ihm zuzuhören, man brauchte nicht um ihn zu sorgen und zu bangen. Zum Schluß hat er seinem königlichen Vater eine
Kompagnie vorgeführt und vorexerzieren lassen. Dieser sagte dabei: „Gebe Gott, daß dem Kronprinzen eine bessere Zukunft in Griechenland beschert sein möchte und daß er Gelegenheit findet, seine Kenntnisse, die er natürlich zu vermehren und zu vertiefen fortfahren wird, zum peile Griechenlands zu verwerten. Ich hoffe, daß der Kronprinz Militär wird, wenn nicht aus natürlicher Neigung, so doch in klarer Erkenntnis des für die Zukunft Griechenlands Notwendigen. Pier auf der Balkanhalbinsel muß jeder Fürst Krieger und Feldherr sein, denn zuletzt wird doch alles mit den Waffen entschieden und wer weiß, wie schnell an Griechenland die Notwendigkeit herantritt, sein Schwert in die Wagschale zu werfen!" (Fortsetzung folgt.)
warum der Greuzer-Rarl die Rosen lieb hat.
Erzählung von Karl pesselbacher.
(Fortsetzung.)
Der Fränz sagte der Forstmeister: „past du nicht voriges Frühjahr mir ein Blumenstöcklein von dem Dorf holen müssen bei der alten Nppenzellerin? Damals hast du gesagt: ,Das ist ein Nexer, aus dem wird meiner Lebtag nichts. Bloß Nerger hat man mit solchem Kraut!' Und wie ich den Stock ein halbes Fahr gehabt habe, ist er voller Blüten gestanden, so daß ihn kein Mensch mehr gekannt hat. Du hast gemeint, ich sei ein pexenmeister; ich habe dir aber gesagt, daß der Blumenstock bei der Nppenzellerin keine Sonne gehabt hat und daß er darum hat verkümmern müssen. Ich habe ihn in die Sonne gebracht, und da ist er aus einmal geworden, was er hat werden können, warum willst du den Grenzer- Karl schelten, der jetzt auch ein Nexer ist und wüst tut und bös aussieht? Siehst du nicht, daß der arme Kerl keine Sonne gehabt hat - vielleicht schon zehn Fahre lang, seit er von daheim fort ist? Lasse ihn bei mir ich gebe ihm Sonne!"
Da war die Fränz dunkelrot geworden und hatte leise gesagt: „pelf ihm Gott!" Im stillen hatte sie hinzugesetzt: „und mir!" aber davon konnte der Forstmeister nichts wissen.-
(Es war ein heimeliges Arbeiten im Forstmeistergarten. Unter den guten Augen des Forstmeisters wuchsen die Pflanzen wie von selbst. Das Auge des Perm ist der beste Sonnenschein, pflegte er zu sagen. Und dem Grenzer-Karl ging Auge und perz auf, als er in das geheimnisvolle werden und wachsen der Blüten tiefer und tiefer cinblicken durfte.
Lines Tages fand ihn der Forstmeister sinnend vor dem Kasten stehen, in dem die jungen Geranienstecklinge wuchsen. Line von den kleinen Pflanzen hatte eine Blüte getrieben, wie ein Feuerball duschte sie sich in die pöhe.
„was gibt es zu sinnieren?" fragte der Forstmeister.
Der junge Mann lächelte: „Sie werden mich aus- lachen. Aber unsereiner ist halt dumm. Bei meinen Litern daheim gibt es keine Blumen. Die Leute im Dorf sind zu arm und tragen schwer am Leben. Sie können sich nicht freuen am Blühen. Sie müssen zu viel Staub schlucken. Drum ist mir das alles so fremd, als wäre ich nie auf dem Land gewesen, lind mein Meister in der Stadt hält mich schön gejagt, wenn ich hätt wollen in seine Staatsstube gehen und seiner Frau Blumen angucken, lind wie ich eben die kleine Pflanze da habe blühen sehen, die noch vor ein paar Tagen ein grüner Zweig gewesen ist und weiter nichts: da Hab ich fragen müssen — ’s ist dumm, ich weiß es, aber es


