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1636 geschehen den 31 tag May hat Jörg Milchior Etling einen Lehrjungen auff gedingt! und! soll der lehrjung lern 3 jar undt ist der Jung bürtig von Frietbergk und! heißt der Jung mit namen niclauß Faurbach."
Km 4. Februar 1717 nahm ein Gießener, im Zunftbuche nicht genannter Meister den Lehrling Johann Daniel Blank (plank) von Schotten an. Mit diesem, der fünf Löhne hatte, die alle Gerber waren, ist der erste Vertreter der »Familie plank, die bekanntlich heute noch in unserer Stabt in Blüte steht, nach Gießen gekommen. Die Glieder dieser Familie sind bis in die neueste Zeit hinein insofern ihrem Ltammvater treu geblieben, als sie zumeist Gerbermeister waren. Km 16. Leptember 1826 wurde Johann Baspar Barl Daniel plank (gestorben am 1. Kpril 1861) Meister. Km 5. Oktober 1860 wurde Franz plank (geboren 14. Dezember 1832, gestorben 3. Juni 1910) Meister.
Die feste Organisation der Zunft brachte es mit sich, daß tnan streng auf die Erfüllung der den Meistern obliegenden Pflichten hielt. Me wir schon bemerkt haben, so sollten sich alle Meister zur Bestattung von Zunftangehörigen einfinden. Das scheint im 18. Jahrhundert nicht immer befolgt worden zu sein,' denn, nachdem schon 1657 diese Pflicht den Zunftgenossen eingeschärft worden war, wurde 1776 folgendes Litzungsprotokoll ausgenommen: „heut dato den 24. Julius ist das Erbar Handwerk bepsammen gewesen und ist beschlossen worden, daß wann ein Meister gestorben oder eine Meisterin welcher meister Nicht ohne Verlaub vom Zunftmeister Mit aus den Birchhof geth soll straf erlegen. Der Meister soll in dem Zunftmeister seinem hauß erscheinen welcher nicht erscheinet von den Trägern der soll 10 alb straf Erlegen die übrigen Meister aber 6 alb straf erlegen." Interessant ist aus dieser Keußerung zu entnehmen, daß die Leichen der Zunftangehörigen nach dem Birchhof nicht immer gefahren, sondern auch getragen wurden, wenigstens geschah das in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts. In ähnlicher Meise wurde auch der bestraft, der zu Zunftversammlungen entweder gar nicht oder zu spät erschien.
Ueber den Handel mit häuten waren in alter Zeit strenge Bestimmungen festgesetzt. Der Zwischenhandel war verboten, wer dagegen fehlte, wurde von der Zunft mit Geldstrafen belegt. 5o steht im Zunftbuch vom Jahre 1700 zu lesen: „Jacoph Jud gestraft, weil er eine haut verkauft hat." vom Jahre 1708 heißt es: „Ein Gerber von Dillen- burg, welcher mit Toller hausiert, gestraft." 1715 heißt es „Jud Lchmul von Linnes wegen verkauff der häute gestraft" und im Jahre 1748 wurde ein Jost Peter Lchmitt gestraft, weil er eine haut gekauft, so noch keinen Tag'gelegen", er mußte einen Gulden 15 Klbus entrichten. Noch vom Jahre 1817 heißt es: „Den 27. März ist Philipp hoch, ein hiesiger Schuhmacher wegen verkauf einer Lchmalhaut um 1 Reichsthaler gestraft worden und bei Vermeidung von 10 Beichsthalern Strafe der fernere Handel mit Leder untersagt, als Johann Kndreas Sack das Zunftmeisteramt begleitete."
Die letzten, in dem Zunftbuche erwähnten Zunftmeister waren Jakob Sack und Balthasar plank II. Sack, der sein Kmt von 1840 1855 inne hatte, wird als alter Zunftmeister, und
plank, der sein Kmt 1855 antrat, wird als junger Zunftmeister bezeichnet. Nähere Kngaben, wer bis zur Kuflösung der Zunft an deren Spitze stand, fehlen. Im Jahre 1867 wurde die Zunft aufgelöst und die Zunfteffekten wurden am 12. Juni 1867 an die Meistbietenden versteigert. Barl Becker steigerte für 5 Gulden die Zunftlade, Balthasar plank
für zwei Gulden die zwei Leichentücher, Kugust Schultheiß für einen Gulden 12 Br. die alten Rechnungen und die sonstigen Schriftstücke, während Jakob Sack für 3 Gulden das Zunftbuch Erwarb.
Damit hatte die Loh- und Meißgerber-, wie auch die 'Bürschnerzunft in Gießen aufgehört zu existieren, sie ist wie so vieles der rastlos fortschreitenden Zeit zum Opfer gefallen und gehört heute nur noch der Geschichte an. h. B.
Griechische Sommerfrischen.
von Geh. Gberkonsistorialrat v. M. petersen in Darmstadt.
(Fortsetzung.)
Nach solchen Knstrengungen war dann die Buhe im Maldesfrieden besonders köstlich. Bei der Anwesenheit des Hofes fehlte es nicht an Abwechselung, waren doch mannigfache Verpflichtungen zu erfüllen. Jeden Sonntag war Tafel um 3 Uhr, zuweilen schloß sich eine Einladung zum Tee an. Alle Namens- und Geburtstage der Glieder der königlichen Familie wurden mit Gottesdienst und Tafel gefeiert. Zuweilen wurden auch, besonders von der Bönigin, Ausflüge veranstaltet, wozu alle Sommerbewohner Tatois, die mit dem Hofe zusammenhingen, befohlen wurden. Es war für uns Mühlenbewohner nicht ohne Beschwerde. Die Festliturgie wurde um 11 Uhr gehalten, nachher wurde eine Schokolade verabreicht, worauf ich mich in der Mittagsglut wieder heimzubegeben hatte, um meine Frau zur Tafel um 3 Uhr zu geleiten. Ich habe durch meine Teilnahme an den Festgottesdiensten während fünfzehn Jahren den griechischen Gottesdienst gründlich kennen, z. T. auch in seiner Wirkung aus das Volk schätzen gelernt. Jedoch erregten die bei den Namenstagen und andern Gelegenheiten wiederkehrenden Texte bei mir sehr gemischte Gefühle. Es schien mir des Guten zu viel, wenn bei Dankgottesdiensten immer nur die zehn Aussätzigen an die Dankespflicht erinnern sollten, oder wenn beim Namenstag einer jugendlichen Prinzessin immer die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth herhalten mußte. Um Vs3 setzte sich dann jedesmal eine seltsame Baval- kade in Bewegung: Meine Frau hoch zu Esel, ich als Führer und Treiber hinterher im Frack mit fliegenden Schwänzen, auf dem Haupte die Kngströhre, in der einen Hand den Sonnenschirm, in der andern einen handfesten Bnüppel zur etwa notwendigen persuadierung unseres braven Esels Michalaki. Kn kühleren Tagen war der Ritt auf „unserer" Straße mit dem schönen Blick auf unfern Maidkessel nicht ohne Beiz, aber es gab auch Tage, wo die heiße Luft aus der Ebene sich am parnes staute, kein Blättchen sich regte und das Thermometer 33° R. im Schatten zeigte. Dann war es fürchterlich, zumal man innerlich und äußerlich sich einem Zerfließen, einer Kuflösung nahe fühlte.
Der Verkehr mit der königlichen Familie war durchaus ungezwungen, wenn nach der Festtafel auf einem freien, luftigen, von Bäumen beschatteten Platz der Tercle gehalten wurde, und noch mehr, wenn sich die ganze Hofgesellschaft zu dem Festmahl der Soldaten und der Gutsarbeiter begab, die, auf Zweigen gelagert, die am Spieß gebratenen Lämmer und Ziegen mit den Händen zerrissen und aus Gießkannen den bitteren Mein kredenzt bekamen, oder wenn man zum Tee befohlen war, und der Bönig als Hausvater eigenhändig den Bartoffelsalat mischte und hernach entweder getanzt wurde, oder man mit einfachen Laufspielen wie „das letzte paar heraus", oder mit Pfänderspielen sich vergnügte. Auch


