Nr. 34. Eichen, 13. Sonntag nach Trinitatis, 29. August 1915. 4. Jahrgang.
Lin gutes Mittel in böser Zeit.
Brief der flpojtels Paulus an die Lphefer 5, 16 u, 17. Kaufet die
Zeit aus, denn es ijt böje Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern verständig, was da fei des Herrn Iville
Lin eigenartiges Wort ist das Kpostelwort: Kaufet die Zeit aus, denn es ist böse Zeit. Kein für sich genommen, gerade aus dieses Kpostels Munde, ein merkwürdiger Kat! Venn ^,die Zeit auskaufen" kann nichts anderes bedeuten, als sie sich zu Nutze machen. Damit wären wir aber bei einer Kützlichkeitslehre angelangt, die lediglich den eigenen Vorteil zum ausschlaggebenden Beweggrund alles Handelns macht und somit zum ödesten Egoismus, dem Todfeind allen währen Christentums, führt. Kriegszeiten sind noch immerdar böse Zeiten gewesen. Und es ist wahr: gerade in Kriegszeiten hat es stets Menschen gegeben, die es meisterlich verstanden, sie für sich auszukaufen, um nach Möglichkeit für ihr ganzes späteres Leben klingenden Gewinn einzuheimsen. Löse Zeiten! Damit sind wir wieder vor dem großen Kätsel des Dösen in der Welt überhaupt angelangt, schwierig gerade auch für so manche, welche vom Glauben an die Güte und Liebe eines lebendigen Gottes nicht lassen wollen. Uber niemand hat von jeher das Döse in der Welt machtvoller überwunden, als die im unerschütterlichen vertrauen zum Heiland verankerten Gottgläubigen, und gerade Paulus ist eines ihrer leuchtendsten Vorbilder gewesen. So hat er, der allewege in den Tiefen des Welt- und Gottverstehens goldene Wahrheit schürfte, auch in wahrhaft befreiender Kraft enthüllt, was es vor Gott und dem eigenen Gewissen heißt, böse Zeiten auszukaufen, indem er fortsährt: Werdet nicht unverständig, sondern verständig, was da sei des Herrn Wille! Hier ist der Urgrund wahren Thristenwesens aufgedeckt, der himmelweit von aller platten Selbstsucht wegführt: Gott lebt, und weil er lebt, muß auch hinter Bösestem sein allmächtiger Wille wirken,' und sein allgütiger, denn Gott ist die Liebe! Klles kommt deshalb darauf an, daß wir lernen, im Geist der Zeiten so treu zu lesen, bis wir selbst aus dem Dösesten das Gute und Ewige herausgefunden haben, was Gott damit bezweckt. Unwillkürlich wird man in diesem Zusammenhang an ein Wort gemahnt, das Goethe im „Faust" einmal seiner Verkörperung des Dösen, dem Mephistopheles, in den Mund legt, das Wort „von jener
Kraft, die stets das Düse will und stets das Gute schafft". Buch der satanischste Wille wird durch eine höchste Kraft und Mackt umgebogen, Gutes zu wirken, das ist das große, tiefe und im letzten Grunde doch beseligende Geheimnis des Weltendaseins ! Es gilt für uns Menschen nur, um mit Paulus zu reden, so verständig zu werden, daß wir aus den bösen Zeiten die verborgenen Linien des großen Gotteswillens aufdecken und diesen auskaufen. Gotteslinien sind stets Lebenslinien. Buch hinter dem Kriege muß sich trotz alles Todes und Verderbens schließlich Leben und Förderung verbergen. Und wenn wir ehrlich sein wollen: spüren wir es nicht durch viel Seufzer und Tränen hindurch auch jetzt wieder, wie un- gemein viel Leben Förderndes, Leben Erneuerndes, auf höhere Stufen der Gottes- und Lebenserkenntnis Führendes aus diesem bösen Kriege, in dem wir stehen, sich für uns enthüllt? Es gilt nur, bei allem Geschehen nicht an der Oberfläche, dem rein Sichtbaren, hasten zu bleiben. Wie Manche im Spätherbst wohl von der sterbenden Katur zu sprechen pflegen und dabei bloß an all das vergehen und verwesen denken, was vor ihren Kugen sich ausbreitet, während doch in Wahrheit Kiesenkräfte neuen Keimens und Werdens am Werke sind, so dürfen wir gewiß sein, daß auch hinter dem jetzigen Kriege nicht bloß für die KIlgemeinheit, sondern auch für unser persönliches Einzeldasein Lebenskräfte von hohem irdischen und von noch weit höherem Ewigkeitswerte verborgen sind. Darum kaufet die Zeit aus, mit Ewigkeitsmünze, gerade weil es böse Zeit ist!
Zur Geschichte der Eichener Gerberzunft. 1
(Schluß.)
Buch die Knnahme von Lehrlingen oder „Lehrknechten", wie man in der alten Zeit sagte, war durch strenge Bestimmungen geregelt. Sm siebzehnten Jahrhundert mußte jeder Meister, sobald er einen Lehrjungen annahm, an den 'Landesfürsten und an die Zunft je 2 Gulden entrichten. Dazu kamen 8 Gulden für Wein und kleinere Gebühren für „Gebottsgeld" und das Waisenhaus. Ebenfalls waren Kosten zu entrichten, wenn der Lehrling losgesprochen wurde. Die älteste, in dem Zunftbuche enthaltene Urkunde über die Knnahme eines Lehrlings hat folgenden Wortlaut: „Knno


