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Johann Lonradl £öber, hanß Weißgerber, Dinges Sack, Henrich £öber, Philippus Maus, Johannes IDillj Georg Melchior Ltling, hanß Henrich Weißgerber, hanß Kreuter, Caspar £öber, hanß wirtz, Hermann Bender, Johannes Krämer.

Nach dieser £iste waren von den heute noch in Gießen lebenden Familien damals schon vertreten die Familien £öber, Sack, will, Simon, Kreuter, Lender und Krämer, dagegen sind die Familien von Sandt, Ltling, Satler und Kanngießer ausgestorben.

flm Anfang des achtzehnten Jahrhunderts waren fol­gende Gießener Bürger Zunftmeister: Johann Henrich Sack, Adolf Müller, Philipp Melchior £öber, Jakob Kaupert, Johann Jakob pfadler, Johann Heinrich vetzberger, Jo­hannes Ferber, Georg Friedrich £äber, Johannes Simon, Johann Konrad Merkel, Philips Balßer vetzberger, Georg £udwig Unna, Johann hqronimus £öber, Martin Klock. Die letzten Zunftmeister, soweit wir das aus dem Zunftbuche ermitteln können, waren Jakob Sack (alter) von 1840 bis 1855 und Balthasar plank II. (junger).

Alle Zünfte der alten Zeit, auch die Gerberzunft, waren Organisationen, die zur Wahrung der gemeinsamen Interessen nach außen eine strenge Geschlossenheit aufwiesen und allezeit ein konservatives Gepräge aufwiesen. Vor allem lag den Zünften die Aufgabe ob, die, die darum nachsuchten, als Meister anzunehmen. Ueber eine derartige Aufnahme be­richtet ein in dem Zunftbuch enthaltenes Protokoll, das mitten in der schwersten Zeit des Dreißigjährigen Krieges aufgenommen- wurde. Ls heißt daselbst:heutt dato am 5 Tag Martii 1635 hatt Johannes Ninner Nohtgerber bei beiden Zunftmeistern, als Just Kanngießer Und Hans Kreu- tern angesucht, ihn als ein mit Zunftgenossen bei das Hand­werk auf und anzunehmen, auf welches ansuchung er also- baldt von allen Zunftgenossen mitt Und dazu ausgenommen worden, deren gestalt daß er Unserem gnädigen Fürsten und Herrn Und dem Handwerk drei Gulden entricht, item ein halben gülden dem Handwerk zum Becher, item ein achtel ortsgulden in gemeinen Gotteskasten."

Man sieht hieraus, daß es in alter Zeit Geld kostete, wenn man Meister wurde. Der £andsfürst und die Zunft bekamen je drei Gulden, ein halber Gulden wurde dem Handwerk", d. i. der Zunft, zumBecher" gegeben, d. h. der neue Meister mußte ein Faß wein zum besten geben, endlich wurde auch derGotteskasten", nämlich die Armen­büchse in der Kirche, nicht vergessen. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß es doch schade ist, daß das schöne alte wort Gotteskasten", das £uther in seiner Bibelübersetzung an­wendet, dem heute lebenden Geschlechte verloren gegangen ist und durch das WortOpferbüchse" ersetzt wird.

Ls war vernünftig, daß die alten Meister beschlossen, keinen zu früh Meister werden zu lassen. 3m Jahre 1729 kam man überein, daß keiner angenommen werden sollte,er sey denn 25 Jahre alt."

Eigentlich sollte auch nur derjenige Meister werden, der einige Jahre auf der Wanderschaft zugebracht hatte. Auch mit dieser Bestimmung hatten die Alten das rechte getroffen. Ls war früher heilsam und ist jetzt noch heilsam, wenn ein junger Mann sich den Wind hat um die Nase wehen lassen und die Welt sich angesehen hat, um sich in seinem Berufe auszubilden. Im neunzehnten Jahrhundert gingen die Gerber­gesellen aus Hessen meist nach Süddeutschland und Oesterreich, weil dort das Gerberhandwerk in besonderer Blüte stand. Jeder, der Meister werden wollte, mußte den Nachweis er­

bringen, daß erseine Zeit erwandert" hatte. So besagt ein altes Protokoll:heute dato am 24. Januar 1689 ist Christian £öber Meisterworden und hat seine Jahre erwandert."

Indessen gab es in alter Zeit in Gießen auch recht viele Muttersöhnchen, die nicht wissen wollten, daß auch anderwärts Brot gebacken wird, und sich von der Vaterstadt nicht trennen konnten. Sie mußten die Verpflichtung, einige Jahre zu wandern, mit Geld ablosen, wenn sie Meister werden wollten. Diese Muttersöhnchen hatten bei ihrer Auf­nahme nicht zu wenig zu zahlen. Am 4. Januar 1677 faßte die Zunft folgenden Beschluß:was ein Meisters Sohn oder Frembder, der nicht gewandert ist, erlegen muß. Der muß seine Wanderzeit für Ihre hochfürstl. Durchlaucht verbüßen mit 12 Nth. Lin Fremder aber muß dem Handwerk 10 Gul­den Wandergeld verbüßen. Einem Meisterssohn wird sein Wandergeld 4 Gulden und 29 Albus vom Handwerk geschenkt." (Fortsetzung folgt.)

Griechische 5ommerfrischen.

von Geh. Gberkonsistorialrat D. w. petersen in Darmstadt.

(Fortsetzung.)

Die Bergeinsamkeit wurde ja freilich auch belebt und gestört. Belebt durch den Besuch von Freunden, die aus der Stadt zu uns kamen, Lage oder Wochen mit uns verlebten, Genesene, die völlig gesundeten, Kranke, die Genesung such­ten, gestört durch unliebsame Naturereignisse, wie Erdbeben, wir waren schon Jahre in Griechenland gewesen, ohne mit Bewußtsein ein Erdbeben zu erleben, da Attika kein Erd­bebenboden ist und nur die Berge bei Erschütterungen von Fernbeben mitzittern. Auf dem parnes erlebten wir zuerst mit vollem Bewußtsein ein Erdbeben und seitdem hatten wir die Empfindlichkeit, der kein Erdbeben mehr entgeht, auch nicht im Schlafe. Eines Tages saß ich im September in meinem Dachzimmer und arbeitete. Eine leere eiserne Bettstelle klirrte ganz leise. Ich notierte sofort die Stunde. Einige Tage später erfuhr ich von dem Vulkanforscher Dr. Schmidt in Athen, unserem Freunde, daß ein schweres Erd­beben in Tschesme in Kleinasien stattgefunden hatte. Meine Notiz war neben einer anderen die einzige Beobachtung, die in Griechenland gemacht worden war,' danach konnte man ziemlich genau die Schnelligkeit der Wellenbewegung be­rechnen. In einem Sommer, in dem der Peloponnes von schweren Erdbeben heimgesucht wurde, kamen wir wochen­lang überhaupt nicht aus der Beunruhigung heraus. Auf dem Erdboden schlafende Soldaten fühlten den Boden unter sich wanken. Bei erstickend schwüler £uft horte man unter­irdische Geräusche wie ein dumpfes heulen. Lines Tages war ich ganz in der Frühe von Athen heimgekehrt, wir saßen mit Freunden am Kaffeetisch und lasen die mitgebrachten Zeitungen. Da fühlte ich plötzlich meinen Stuhl bewegt werden, sah an der Decke eine schwankende Bewegung, Kalk rieselte hernieder. In einem Augenblick waren wir alle wie auf Befehl draußen im Hof, jeder mit seiner Zeitung in der Hand. Genau in derselben Verfassung fanden wir unsere Nachbarn. Die Damen hatten Tränen in den Augen und waren außerstande zu gehen. Man kann sich denken, daß bei einem starken Erdbeben vielen die Beine plötzlich unwillkürlich den Dienst versagen und sie darum zugrunde gehen. Unheimlich waren die Erdbeben in der Nacht, z. B. dasjenige, welches wir Ende August 1886 erlebten. Eben vor Mitternacht wurden wir durch ein Erdbeben aus dem ersten Schlaf emporgeschreckt. Ich horte den Schreckensruf