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meiner Frau nach Licht, das ganze Haus zitterte und klapperte. Mir fuhr es so in die Leine, daß ich die Streichhölzer neben meinem Bett nicht finden konnte. Es schien mir eine Ewigkeit, ehe ich die Lichter angezündet hatte und wir uns alle, wie wir waren, in einer Türöffnung (dem sichersten Platz bei solcher Gelegenheit) zusammenfanden. —
Daß der Gipfel des parnes (1410 m) in jedem Sommer mindestens einmal bestiegen wurde, versteht sich von selbst. Zuerst hinaufgeführt, konnte ich später immer selbst meine Hausgenossen und Gäste führen. Es war eine recht anstrengende Tour von 8—9 Stunden. Der Anstieg auf schma- . len Bergpfaden geht meistens über Geröll. Sn lVe Stunden erreicht man die ersten Edeltannen, die hier erst bei etwa 800 m höhe als Waldbäume gedeihen können. Wie Weihnachtsbäume strecken sie ihre lichtgelben Blütenkolben in die Luft, als wären es Kerzen. Durch Gebüsche von Zwergeichen und lichtstämmigem Arbutus über einen Waldboden, auf dem im herbst Alpenveilchen und Krokus um den Preis zarter Schönheit wetteifern, arbeitet man sich in weiteren 334 Stunden hinauf aus das Plateau und eine halbe Stunde weiter zur ersten Ouelle mit Kamen Koromiliä in einem Gebirgskessel, in dem sich eine Wlachenniederlassung von Laubhütten befindet, wo man die erste Käst halten muß, um vor allem im Genuß des eiskalten Bergwassers Erquickung und neuen Mut zu finden. Die genaue Kenntnis der Ouellorte ist in Griechenland unbedingte Vorbedingung jedes Ausflugs. Bis zur nächsten (Quelle, 1 3 A Stunden weiter, bei welcher die Hauptmahlzeit gehalten werden mußte, ging es im wesentlichen auf derselben höhe, doch auch bergauf und talab an herrlichen alten Edeltannen vorüber, die mit knorrigen Kiesenwurzeln sich in den Boden klammerten, dann aber wurde die Bergszenerie wilder und öder mit ihren Steinhalden und Mulden und aussichtsreicher durch die gelegentlichen Blicke hinunter in die sonnverbrannte Ebene, auf Athen und das Meer, oder nach der andern Seite auf den wie ein blauer Bergsee uns zu Füßen liegenden Euripus und auf die stolze Pyramide des Delphys auf Euböa. Endlich erreicht man die Schneegruben am Fuß der Kegelspitze des parnes, aus der die Konditoreien Athens im Sommer ihren Schnee bekommen. Oben auf dem Gipfel sind riesige Felsblöcke übereinander getürmt, alte Tannen, die im Kampf mit dem Kordwind ihre Kronen verloren haben, haben sich zwischen sie eingeklemmt. Lin wahrer Garten herrlichster Alpenveilchen bedeckt den Boden. Lin Adler schwebt hoch über uns im blauen Luftrevier. Kie sah ich das Panorama oben herrlicher als im September 1890. Das Meer im Osten (das ägäische) war tiefblau, das Meer im Westen (der saronische Golf) silbern sonnenbeglänzt, so daß die Inseln Salamis, Aegina usw. so recht im Relief sich dem Auge darstellten. Wir sahen auf den Spiegel des korinthischen Busens und die peloponnesischen Berge. Im Korden erschien der Helikon wunderbar klar, der parnassos noch genügend deutlich, im Osten tauchten jenseits Euböas Skyros und obendrein Skopelos und Skiathos, Luböa in seiner ganzen Ausdehnung auf und im Korden davon entweder den pelion in Thessalien oder den Othrys an Thessaliens Grenze. Auf dem Kllckweg waren wir die Gäste der wlachen in ihren Zelten. Line Art Blätterteig mit Käse und einem bröckeligen Milchprodukt wurde in kreisrunder Pfanne uns vorgesetzt. Wir lagerten uns auf Tannenzweigen und lehnten höflich aber bestimmt die wollenen Decken ab, deren mancherlei Bewohner wir fürchteten. Ein Hirte schnitt vor und mit den Händen griffen wir nach den bereit vorliegenden Speisen.
Auf kleineren Ausflügen machten wir mit den Heranwachsenden Kindern immer weitere Entdeckungsfahrten in die Schluchten, auf die Berge, an die Ouellen der an Schönheit so reichen Gebirgswelt des parnes, so auf den Kukuretzi, einen vorspringenden Berg von der höhe des Inselbergs, von dem man eine prachtvolle Aussicht auf Athen, die Ebene, die beiden Meere und Euböa hat, so auf den Thatsimyti, um dessen, antike Befestigung Alpenveilchen, deren Knollen eine Hauptnahrung der Wildschweine sind, und Krokus in überreicher Fülle standen und von wo man die Poststraße nach Attika und nach Böotien zu verfolgen kann und am Fuße der nördlichen Abhänge die böotische Ebene bis nach Thalkis unter sich liegen sieht, ein Blick wiederum von einem Meer zum andern, vom Delphys auf Luböa bis zu den Bergen des Peloponnes. (Fortsetzung folgt.)
warum der Grenzer-Rarl die Rosen lieb hat.
Erzählung von Karl Hesselbacher.
(Fortsetzung.)
Sie stellte dem Gast ein Glas mit dunklem, etwas abgestandenem Bier vor und setzte sich vertraulich zu ihm an den Tisch. Vas runde, vollwangige Gesicht leuchtete von lachendem Kot. Die schwarzen, „krallen" Augen funkelten wie zwei Kohlen, und das krause schwarze haar war nur mit Mühe in die modische Frisur mit dem schrägen Scheitel gebändigt worden.
„Unsereins weiß, wie sie es einem machen, die stolzen Bauern," fing sie ohne Zieren eine Unterhaltung an. „Das garize Jahr ist man ihnen recht, wenn es ans Schaffen geht und'wenn sie einen ausnützen können. Wenn man aber an ihren Tisch sitzen will, dann heißt es: draußen ist daheim!" Die runden Hände des Mädchens ballten sich zu einer Faust, daß auf den Knöcheln der Finger weiße Grübchen sich zeigten.
Mit einem schnellen Blick streifte sie den trübsinnig vor sich hinstarrenden Gast. Lr hatte sich tüchtig herausgemacht. Die Fränz hatte nicht umsonst an seiner Kleidung herumgeflickt und herumgebessert. Etwas von städtischer Flottheit lag ihm ohnehin im Blut. Der flatternde Schlips, den er um den sauberen Kragen gebunden hatte, stand zu dem dunklen Gesicht mit dem dichten Lockenhaar trefflich. Die breiten Schultern, im merkwürdigen Gegensatz zu der zierlichen Gestalt, erinnerten so gar nicht an das vierschrötige und Schwerfällige der Burschen in der Gegend, denen man das „Fahren mit den vier Gäulen" und das Führen des schweren Pfluges deutlich ansah. Ls war ein hauch von wirklicher Eleganz über dem Menschen, der noch vor sechs Wochen im Straßenstaub zu verkommen schien.
„So ein Bursch wie Sie!" rief die Mine. „Sie sind doch auch nicht aus der vreckkiste herausgezogen? Man sieht es Ihnen auf hundert Schritt an, daß Sie ordentlicher Leute Kind sind, lind die Leut hier tun, als ob Sie einer aus einem wagen seien und als ob Sie der Pfarrer am Grabenrand hält taufen müssen."
Der Grenzer-Karl blickte auf — schweigend schaute er dem Mädchen ins Gesicht.
„lind warum denn nicht?" dachte er. „'s gibt noch andere als die hochmütige Fränz, die mich vor allen Leuten hat heute zuschanden werden lassen — ich will ihr zeigen, daß ich doch ein Kerl bin, der sich sehen lassen kann, wenn ich auch hundertmal auf der Landstraße herumgewalzt bin."


