Ausgabe 
1.8.1915
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Griechische Zommersrischen.

von Geh. Gberkonsistorialrat v. w. petersen in varmstadt.

(Fortsetzung.)

Vas eigentliche Tato'i, mit seinem offiziellen Namen Dekeleia, weil es in dem Bergpaß liegt, der im Altertume diesen Namen trug, der einem Teil des großen peloponnesi- schen Krieges die Bezeichnung des dekeleischen Kriegs ge­geben hat, lag 20 Minuten von unserem Waldhaus entfernt, wenn man von Athen oder von Kephisia auf der Landstraße sich diesem königlichen Sommersitz näherte, bog man links in die vorberge des parnes ein. Die Straße stieg unaufhör­lich bergan bis unterhalb einer trotzigen Lergnase, die den Namen Thatsimpti trägt, und auf der die wohlerhaltenen Grundquadern einer Befestigung sich befanden, die an dieser Enge den nach Böotien hinabführenden weg beherrschte. Zwischen dem Saume des Waldes und dieser Vergnase in der Mitte liegt Tato'i. Die Straße hat zur Linken mit Wald bewachsene Berge, zur Rechten eine nach Norden zu an­steigende Reihe von Vergzügen, deren Kämme mit Fichten bestanden sind, während an den Abhängen bebaute Aecker das Vorhandensein einer rationellen Gutswirtschaft verraten. Line Anhöhe links, die auf der einen Seite die Straße be­herrscht, nach der anderen Seite hin auf die in der Ebene nach Athen lausende Straße schaut, ist mit einer Steinmauer aus Bruchsteinen umgeben, die sich noch zum Teil um die Anhöhe herum verfolgen läßt und ihr den Namen Kastro ein­getragen hat. hier, nimmt man an, sei der Mittelpunkt des alten Damos vekeleia gewesen, hier der Lagerplatz der Spartaner unter dem König Agis. Auf Rat des von seiner Vaterstadt verstoßenen Alkibiades hatten die Spartaner im Jahre 412 v. Thr. diese bis nach Athen sichtbare Anhöhe be­setzt. Statt der früheren gelegentlichen Linfälle war das Land jetzt einer beständigen Beunruhigung durch die Besetzung die­ses verschanzten Lagers ausgesetzt. Beständig wurde die be­nachbarte Ebene gebrandschatzt; die Werden und Zugtiere wurden weggenommen, alle Getreidezusuhr aus Euböa, die bis dahin auf dem Landwege bewerkstelligt worden war, wurde gänzlich unterbunden. Das war der Anfang des Endes der athenischen Macht. Etwas nördlich von diesem Kastro sind die Wirtschaftsgebäude des Gutes Tato'i, die Wohnung des Direktors, ein Gasthaus, die sogenannte Schule, d. h. die Wohnung des damaligen Erziehers der königlichen Prinzen, ein in ein Museum der Grtsaltertümer verwandelter Turm, dann beginnt der königliche Garten mit prachtvollen Pinien, mit dem nach dem Muster von Peterhof gebauten königlichen Schloß und dem Xenon, dem Karalienhaus, das länge Jahre hindurch der königlichen Familie als Sommersitz diente. Ober­halb des letzteren die Remisen und Marställe sowie die Woh­nungen der zum Dienst befohlenen Herren des Hofstaats, wenn man aus der im Sommer verbrannten Ebene auf das Gebiet von Tatoi kommt, glaubt man in eine andere Welt versetzt zu sein, hier ist alles frisch und grün, eine würzige und kräftige Lergluft weht den Besucher an. Das Singen der Vögel und das Rauschen der Duellen beleben dieses attische Paradies. Als der König s. 3. diesen Gebirgswinkel käuf- ftch erwarb, standen hier einige sehr bescheidene Häuser, die in aller ihrer Bescheidenheit von der Königlichen Familie bewohnt wurden, bis die notwendigen Bauten errichtet waren, vorher war dieser Paß, zu dessen Linken der an Schlupf­winkeln und Schluchten so reiche parnes mit seinem mit Wäldern von Edeltannen bestandenen großen Plateau sich erhebt, eine Zufluchtstätte für Räuber, die man bei der Aus­

dehnung des Gebirgsstocks nicht umstellen konnte. Außerdem hausten oben Wölfe, die es an nächtlichen Angriffen auf die überall an den Abhängen weidenden Herden nicht fehlen ließen. Die Erbauung einer Kaserne, die Anwesenheit einer Besatzung, die Streifzüge der Soldaten machten diesen Zu­ständen ein Ende, wir wurden daran nur durch die Tat­sache erinnert, daß abends um 6 eine Schildwache bei un­serem Waldhaus, das so ganz vereinsamt mitten im Walde lag, aufzog, um uns bei Tagesanbruch wieder zu verlassen, sowie daß gegen herbst Wolfsjagden angesagt wurden.

(Fortsetzung folgt.)

warum der Grenzer-Rarl die Rosen lieb hat.

Erzählung von Karl Hesselbacher.

(Fortsetzung.)

Am tiefsten war seine Rede dem Grenzer-Karl selber gegangen.Ich tät drin bleiben, wenn ich einmal ein Paradies gefunden hält . . .", so hatte er stolz gesagt. Und war er nicht gerade im Begriff gewesen, den Staub von dem freundlichen Winkel, der ihn ausgenommen hatte, abzuschüt­teln und wieder hinauszufahren in die weite schöne, aber so herzlose Welt? -- Er ging langsam in sein Kämmer­

chen, das ihm die Fränz hergerichtet hatte. Es lag neben dem Pferdestall und dem heuspeicher. Das Bett mit seinem Strohsack war gerade nicht von dem zartesten Linnen, und viel Bequemlichkeit war sonst auch nicht gerade in dem schmalen Raum, der die kahle, ungetünchte Lehmwand in schmucklosem Graugelb nüchtern und hart über dem Stein- plattcnboden zeigte. Aber ein Spiegelchen hatte die Fränz noch hineingehängt, und ein paar feste Rägel, in ein tüch­tiges Eichenbrett geschlagen, sollten zum Aufhängen der Klei­der dienen, wenn der Grenzer-Karl erst einmal so weit war mit seinem Verdienst, daß er sich ein paar saubere Ge­wänder beschaffen konnte. Und eine alte Truhe, die aus dem Speicher der Herrschaft gestanden hatte, war aus das Bit­ten der Fränz heruntergeholt worden. Der Hannes hatte sie grün angestrichen. So diente sie als Ruhebank und später sollte sie die Wäsche aufnehmen, die einmal von den Spar­groschen des Grenzer-Karl erstanden werden würde. Es ließ sich leben in dem Kämmerchen sicher besser als in all den pennen, in denen der Grenzer-Karl nach und nach den Staat, den ihm seine Mutter einst mit auf die walz mitgegeben hatte, verkümmelt hatte, erst mit geheimem Aerger, dann gleichgültig und zuletzt ja, es muß gesagt werden mit lachendem hohn auf dieAlte"!

Es ließ sich leben in dem Kämmerlein. Da war ein Stück Welt, aus dem ihn kein schreiender Pennebutz am Morgen hinauswars und in das kein frech grinsender Speck­jäger mit seinen unflätigen Witzen eindrang. Es war so klein es war doch ein Stück Heimat für einen heimat­losen. Und was bedeutete das Paradies anders als ein Stück Heimat für Zertretene und herumgestoßene?

Der Grenzer-Karl beschloß, aus diesem freundlichen Stück Welt nicht zu weichen, und wenn tausend lachende Stimmen ihn hinausriefen in Frühlingsleuchten und him­melsglanz !

Auf den Hellen und sommerlich warmen Vorfrühling folgte ein eisig kalter Maianfang. Dicke schwarze Wolken wälzten sich über den im jungen Grün stehenden Bergwald. Aus dem Flusse stiegen böse Nebel, die sich aus Brust und Gemüt legten, wie Dünste, die aus einem unterirdischen Kes­sel von schlimmen Geistern gebraut werden. Der Sturmwind