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pfiff grell, wie wenn höhnsich aus den Lüsten wilde Gesellen einander zum tückischen Zerstörungswerk riefen.

Rm Samstag abend legte sich der Mnd, aber nun be­gann ein heimliches, schlimmes Treiben. Lachte schwebten vom grauen Himmel herab feine kleine Reiterchen mit spitzigen Lanzen. Die rannten gegen die Reste und Zweige der Räume und gegen die schwanken Ruten der Sträucher. Ts war, als ob die armen Ueberfallenen ihr Elend ahnten. Sic bogen sich hin und her und schüttelten die tückischen Gesellen ab, aber es half nichts. Die Zahl der Reiter, die einen Silber- Harnisch trugen, ward Legion. Sie kamen wie ein Heer der Hunnen, wirbelten übereinander, als könne keiner schnell genug kommen, um das junge lachende Leben mit vergif­teten Lanzenspitzen niederzustechen. Diese Lanzenspitzen waren nadelfein. Sie bohrten sich in jede Pore der weichen, grünen haut, und wie sie eindrangen, kam es wie das leise Rechzen eines Sterbenden aus dem langsam erstarrenden Körper des Ueberfallenen. Schließlich fingen die bösen Gesellen an, ihre Pfeile von ihren Rogen zu schnellen, und man hörte das Rufprallen der tödlichen Geschosse auf Rlatt und Vlüte wie das Rasseln von Millionen von Tannennadeln im sommerlich ausdörrenden Maid. Rls das Zerstörungswerk vollbracht war und alles, was noch vor wenig Tagen im lachenden Sonnen­schein getanzt und gesungen hatte, in schwerem, bleiernem Todesschlaf lag, verwandelten sich die weißen Lanzenreiter in geschwinde Totengräber. Sie wollten ganze Rrbeit tun, und so zogen sie lange, weiße Laken über alles das hin­gestreckte, gemordete Leben. Dann ritten die Reiter kichernd davon und riefen den Sternen, die verdrossen und mit blin­zelnden Rügen sich aus ihren Betten erhoben. Die sollten nun ihren milden Lichtschein wie fließendes Silber über das Totenfeld gießen, daß alles aussehen sollte wie in friedlich­seligen Schlaf versunken.

Das war ein trüber Sonntag für die Leute im Dorf. Rls die Glocken zur Kirche riefen und Männer und Frauen an den Bäumen vorüber mußten, die ihre Reste tief hinunter­hängen ließen, wie wenn die herbstliche Last sie böge, und doch trugen sie nur das Wintergewand, das wunderlich über den weißen Blüten lag, als wolle es sie höhnen, daß sie ge­wagt hätten, mit dem Schnee an Blitz und Glanz zu wetteifern.

In dumpfem Schweigen gingen die sonntäglich geklei­deten Leute den steilen Rirchpfad entlang. Und aus den Mauern der Rirche, die hoch auf dem Hügel über dem Dorfe lag, klang mit heiliger Inbrunst das Lied, das der^te Pfarrer hatte anstecken lassen:Was Gott tut, das ist wohl- gelan!" Mas sie sangen, das war nicht wie vielleicht manch­mal Lippensache, sondern das war der Rufschrei eines Her­zens, das seine Ruhe suchte im starken Beugen unter eine ge­waltige Macht, diebald erhöhen, bald stürzen kann".

Unten am Kirchberg standen sonst allsonntäglich die Burschen, die in schnellem Lauf den Hügel heruntereilten und auf die Mädchen warteten, die in sittsam ruhigen Schritten die steinernen Staffeln herabgingen. Dann, wenn die Mäd­chen unten angekommen waren, begann ein neckisches Schar­mützeln um die Sträußchen, die sie in ihren Gesangbüchern liegen hatten.

heute ging nicht wie sonst Scherzrede hinüber und herüber. Die Burschen schritten stumm neben ihren Vätern einher. Ls war, als sei über die schwatzfrohe Jugend der schwere Ernst des Rlters gekommen.

Rur einer stand da, der guckte mit fragenden Blicken auf die stumme Gemeinde. Der Grenzer-Karl. Ihn hatte eine aus­gelassene Lustigkeit gepackt bei dem Rnblick des Schnees.

Was kümmerte den Landfahrer die Frage nach dem Morgen? Gb die Bäume im herbst trugen, das war ihm einerlei. Und wenn die Reben da oben erfroren warum sollte er sich darüber das Herz schwer machen? Er trank ja doch keinen Wein, der aus diesen Weinbergen floß. Er sah nur den Schnee und Schnee, das weckte alle seine Bubenerinnerungen. Da tollte ein rechter Kerl mit Schlitten und Schnecballen in der blinkenden Frostluft und schrie hussa und neckte sich mit den schreienden Mädchen herum und warf seinen Nebenbuhler in den dampfenden und stäubenden Schneehaufen, daß er weiß und rot wieder aufsprang und sprühend und prustend den Kampf von neuem anhob.

So war er denn zum Kirchgang hereingekommen in das Dorf, in einiger Entfernung hinter der Fränz herschlendernd, die mit ^usammengepreßten Lippen an ihm vorübergegan­gen war.

Der Grenzer-Karl hatte die predigt noch nie so unnötig und so langweilig gesunden als heute. Endlich war das Rmen da und der Bursch machte sich den steilen Kirchweg hinab. Unten trieb er tüchtig seine Fäuste, und dann begann er mit fröhlichem Schmunzeln einen Haufen von währ­schaften Schneeballen um sich herum auszutürmen. Run kam die Schar der Mädchen die Treppen herunter geschritten, hui! sauste ein tüchtiger Schneeball unter die junge Schar - jetzt mußten sie aufschreien und davonlaufen dann würde eine Salve auf sie abgefeuert, und die stärksten und meisten müßten aus die Fränz fliegen. Das gehörte sich so. Denn das war die etwas derbe Rrt, seine Verehrung der Erkorenen des Herzens zu offenbaren. Und was ein rechtes Dorfmädchen ist, die weiß das zu schätzen.

Rber was war das? Kein gellender und doch heimlich juchzender Rufschrei aus den Kehlen der Mädchen! Keiner der Burschen trat mit hallendem Jodler an die Seite des Werfers. Finstere Gesichter trafen ihn. Und als er es wagte, einen zweiten Lall abzusenden, der die Fränz mitten in das schim­mernde Blondhaar traf,-da trat ein grimmig aussehen­

der Mann aus ihn zu und schüttelte ihn mit zwei derben Fäusten an der Schulter. Der Hannes war es, gegen dessen Bärenkraft der Grenzer-Karl nichts vermochte.Du Wal­fischbruder du," rief die harte Stimme des alten Recken und seine Zähne knirschtenmeinst du, unser Dorf sei eine Kundenpenne? Reg dich nimmer, sonst liegst du am Boden und stehst nimmer auf, ehe dir deine Knochen im Leibe zer­brochen sind!" Mit einem Ruck riß sich der Grenzer-Karl von den Fäusten des Hannes los, die ihn wie ein Schraubstock umspannten.Wer hat das Recht, einem Burschen das Schnee­ballenwerfen zu wehren? Das war Burschenrecht, seit die Welt steht. Ist denn die Fränz von Glas, daß sie einen rechten Spaß nicht erträgt? So stellt sie in einen Glaskasten hinein!"

(Fortsetzung folgt.)

Ein haurwirtschastlicher Holender öu$ alter Zeit.

In einem jetzt sehr seltenen Buche, das im Jahre 1758 erschienen ist und hauswirtschaftliche Gegenstände behan­delt, finden wir einen Kalender, der heute noch interessant ist. Einzelne Tage des Jahres werden hier mlt folgender Benennung und mit einer dazu gehörigen Erläuterung auf­geführt :

1. Beerhänsgen Johannis (24. Juni) gehen die Jo­

hannesbeer an.

2. Kirschpaul - Peter und Paul (29. Juni) die Kirschen.

5. Schotenmiege Mariä Heimsuchung (2. Juli) die

Schoten.