Ausgabe 
25.7.1915
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Gemeinüeblatc füiöif evangelische Kircbenaemtinde Giefzeer

Nr. 29. Gießen, & Sonntag nach Trinitatis, 25. Juli 1915.

4. Jahrgang.

Die Segenstraft des deutschen Liedes.

Psalm 45, 2 ITtein Ejerj dichtet ein feines Lied.

Wenn der deutsche Soldat in das Feld zieht, so empfängt er eine große Zahl von Nusrüstungsgegenständen, vom Ge­wehr bis zum Trinkbecher. Darunter befinden sich auch bei vielen Truppenteilen zwei Büchlein, die auf den ersten Blick überflüssig erscheinen, nämlich ein Feldgesangbuch und irgend ein Soldatenliederbuch, das Lieder enthält, wie sie unsere männliche Fugend in Gberhessen von altersher gern singt. Daß diese beiden Büchlein jedoch nicht überflüssig sind, wird jedem klar sein, der das menschliche Seelenleben, vor allem das Seelenleben des Soldaten kennt. Tin Soldat ohne Lied, das ist wie ein Kinö ohne Freude, wie ein Kranker ohne Nrznei und freundlichen Zuspruch.

Wir wissen aus der Geschichte früherer Kriege, daß unsere Gesangbuchslieder sehr oft zum Siege beigetragen haben. Nm Morgen des 5. Dezember 1757 stimmten die preußischen Soldaten bei Leuthen den Vers an (Gesangbuch Nr. 296):Gib, daß ich tu mit Fleiß, was mir zu tun ge­bühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet." Tin Oberst, der fürchten mochte, daß die Soldaten durch ihren Gesang ihre Stellung dem Feinde verraten würden, fragte den König Friedrich, ob sie nicht lieber schweigen sollten, dieser aber gab zur Nntwort:Nein, mit solchen Leuten wird mir Gott den Sieg verleihen." Wenige Stunden später halten die Preußen tatsächlich einen glänzenden Sieg erfochten.Mein Gott, welche Kraft hat die Neligion!" soll da der König ausgerufen haben. Nehnlich machten es die Schweden vor der Schlacht bei Lützen, sie sangen das Lied verzage nicht, du Häuflein klein!", das manGustav Ndolfs Feldlied" nennt (Gesangbuch Nr. 153), und gewannen aus diesem Liede Kraft zum Siegen und zum Sterben. Gleiche Bedeutung hat in diesem Kriege das LiedWir treten zum Beten vor Gott, den Gerechten." Oder es sei hin­gewiesen auf das Schutz- und Trutzlied unserer evangelischen Kirche, das LiedTin feste Burg ist unser Gott". Buch Katholiken singen es freudig mit,der alte böse Feind" das ist jetzt die Tücke der Engländer und Franzosen.

Was vom deutschen Gotteslied gilt, das gilt auch vom deutschen Volkslied. Wie oft schlägt gerade dieses Lied zarte,

innige religiöse Klänge an! Wir geben uns manchmal so viel Mühe, die Fürbitte für den Soldaten im Felde als etwas sehr Naheliegendes zu erweisen, und suchen mit solchen Dar­legungen auch den, der sonst nicht betet, zur Fürbitte zu ermuntern. Wie ist dem Volksliede die Fürbitte etwas ganz Einfaches, Ungewohntes, wenn es dem Streiter im Felde im Gedenken an die Braut in der Heimat die Worte in den Mund legt:Fetzt bei der Lampe Dämmerschein gehst du wohl in dein Kämmerlein und sprichst dein Nachtgebet zum Herrn, auch für den Liebsten in der Fern." Wie innig und fromm klingt es, wenn der Soldat spricht:Doch wenn du traurig bist und weinst, mich von Gefahr umrungen meinst: sei ruhig, bin in Gottes Hut, er liebt ein treu Soldatenblut!." Wie eindringlich bringt dasselbe Volkslied dem Soldaten den Gedanken nahe, daß er sein Leben für das Vaterland einzu­setzen hat:Darum still, darum still, füg ich mich, wie Gott es will, drum so will ich wacker streiten, und sollt ich den Tod erleiden, stirbt ein braver Neitersmann."

Sn einem Liede, welches jetzt im großen Weltkriege recht zu Ehren gekommen ist, heißt es:Es sind die alten Schwerter noch, es ist das deutsche Herz, ihr zwingt sie nimmermehr ins Foch, sie dauern fest wie Erz." Das gilt nicht allein vom deutschen Schwerte, es gilt auch vom deut­schen Lied, vom Gotteslied und vom Volkslied. Lasset sie uns treulich pflegen und singen. Gotteslied und Volkslied werden uns solche Wertschätzung mit reichem Segen lohnen. G. G.

Die ältesten evangelischen Pfarrer der Stadt Gießen.

iNach der Thronik der evangelischen Kirchengemeinde Gießen.)

(Schluß.)

von 1566 bis 1580 bekleidete Georg ttigrinus (Schwarz?) das Pfarramt zu Gießen. Er war gebürtig aus Battenberg und war, ehe er nach Gießen kam, Pfarrer zu Homberg an der Ghm. Sm Fahre 1580 wurde er Pfarrer zu Echzell und Superintendent der Grafschaft Nidda und des Bezirkes Nlsfeld, nachdem der alte Superintendent Fohann pistorius zu Nidda wegen Nltersschwäche in den Nuhestand verseht worden war. Nigrinus starb im Fahre 1602 im Nlter von 72 Fahren, von seiner Gießener Nmtswirksamkeit ist nichts Näheres bekannt.