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Art seine Stelle trat 1581 Dr. Jeremias Victor von Marburg. Lr bewohnte zuerst das alte Pfarrhaus in der Kap- lansgasse (1867 an Küfer heil verkauft). Dieses Haus wurde 1581 gründlich ausgebessert,- Stuben, Küche, Hausgang, Schweineställe, Hoftor, Siedkessel, Kuhstall, der Brunnen in der Küche, das Wetterdach und die Bretterwand, die das Anwesen nach der Schloßgasse hin abschloß, alles wurde einer gründlichen Keparatur unterworfen. Nach den hier erwähnten Gekonomiegebäuden zu schließen, haben die Gieße- ner Pfarrer der ältesten Zeit Landwirtschaft getrieben oder durch Knechte treiben lassen, wahrscheinlich waren sie dazu genötigt, da ihre Besoldung zum Teil in den Erträgnissen des pfarrgutes bestand. Als vietor 20 Jahre in Gießen amtiert hatte, erhielt er eine Berufung nach außerhalb, aber der Stadtrat gewährte ihm, um ihn an die Stadt zu fesseln, eine Zulage. Diese Zulage bestand in Naturalien, nämlich „1. in 6 Achtel Korn, 2 . aus dem Stadtwald vier Wagen gutes, unschiedlich hartes Brennholz und 4 Wagen gute Wellen, sämtlich an das Pfarrhaus zu fahren und 3. falls der liebe Gott der Stadt Mästung bescheren würde, Eintreibung seiner Schweine in dieselbe", vietor hatte eine große Anzahl Kinder, in dem hiesigen Taufbuch werden nicht weniger als 13 Kinder erwähnt. Er hatte ein tragisches Ende, er starb nämlich am 8. September 1609 infolge eines Sturzes von der Treppe in dem neuerworbenen Pfarrhaus« hinter der Stadtkirche, als er den Bräutigam seiner Tochter Elisabeth, den Professor Johann Kumpf, begleiten wollte, vietor war nur 53 Jahre alt geworden.
Aus vr. Jeremias vietor folgte Dr. Johann Justus Winkelmann von 1609 bis 1626. Er war geboren 1551 zu Homberg in Niederhesfen und sollte ursprünglich das Handwerk eines Schmiedes erlernen. Auf Veranlassung des Als- felder Pfarrers Justus vietor widmete er sich jedoch den Studien und war von 1582 bis 1592 Hofprediger in Kassel, hierauf war er Professor in Marburg und befand sich unter den aus Marburg vertriebenen lutherischen Professoren. Als die Universität Gießen 1607 gegründet wurde, erhielt er die erste theologische Professur. Das durch den Tod des Jeremias vietor erledigte Amt eines Superintendenten und Stadtgeistlichen erhielt er im Jahre 1610. Da ihn aber dieses voppel- amt allzusehr in Anspruch nahm, so stellte er die akademische Tätigkeit ein und widmete sich ausschließlich seinem pfarr- amte. Als mit dem Uebergang des Marburger Landes an die varmstädter Linie die Universität wieder nach Marburg verlegt wurde, wurde ihm daselbst die erste theologische Professur zugedacht, aber altersschwach blieb der Greis in Gießen und starb hier am 13. August 1626. Seine in der alten Friedhosskapelle angebrachte Grabinschrift haben wir in Ur. 23 dieses Jahrgangs des „Sonntagsgrußes" mitgeteilt.
Beben diesen Pfarrern waren in der ältesten Zeit in Gießen noch hilfsgeistliche tätig, die nach alter Sitte den Titel „Kapläne" hatten. Ihre Namen sind uns nur von 1560 an bekannt, möglich ist, daß erst von diesem Jahre an eine evangelische Kaplansstelle in Gießen bestand. Die ältesten Kapläne waren Johann Toefflerus von 1560 bis 1570, von da an Pfarrer in Kirchgöns, dann Konrad vietor von 1570 bis 1574, Joachim Wohnbach (Wahnbecher) von 1574 bis 1582. Eine lange Dienstzeit hatte der vierte in dieser Keihe: Johann Philipp Moeller, auch Müller oder Mhlius genannt. Bei seinem Aufzug am Sonntag Invocavit 1583 wurden ihm 2 Gulden „verehret", und im Sterbeprotokoll vom Mai 1635 heißt es: „5. Tag Herr Philips Mueller Taplan".
Damit sind wir nun schon bis in die traurigen Zeiten des dreißigjährigen Kriegs gelangt, die wir im Jahrgang 1913 und 1914 des „Sonntagsgrußes" geschildert haben. Mitteilungen über die Geistlichen dieser Zeit wollen wir un? für später Vorbehalten. h. Sfy
Griechische Sommerfrischen.
von Geh. Gberkonsistorialrat v. W. petersen in Darmstadt.
(Fortsetzung.)
Mit der klösterlichen Umwelt standen wir im zweiten Sommer in lebhafterem Verkehr. Die Leute waren sehr
freundlich gegen uns. Gar mancher geht hier erst ins Kloster, nachdem er des Lebens Freuden und Lasten hinter sich hat, so daß die Insassen zum Teil den Eindruck von Pfründnern machen, die ihre letzten Jahre in Gebet, Meditation und
Gottesdienst im Frieden zubringen. Der eine schickte uns
Käse, der andere Birnen, ein dritter Pflaumen, der Kloster
garten mit seinen Gemüsen, den die Mönche selbst bebauen, stand uns zur Verfügung. Wir hatten öfter Besuch von den Herren Pappades. Mit der Unterhaltung ging es einigermaßen, doch war deren Kreis verzweifelt enge. Einer von ihnen erkundigte sich bei meiner Frau, was ich den ganzen Tag täte. Antwort: Lr studiert. Darauf er: Ja was denn, er hätte nichts mehr zu studieren, er wüßte seinen Kram schon ganz aus dem Kopfe. Das Kloster hat eine ganz nette Bibliothek, darin die Werke des heiligen Athanasias, der Säule der (Orthodoxie, aber die guten Priester wissen von ihm kaum mehr als den Namen, der im Kalender steht, und das kirchliche Gebet, das an seinem Namenstage rezitiert ward. An einem Fasttag hatten wir Milch bekommen, die schon gleich in den Käsezustand übergegangen war, aber noch süß schmeckte. Lin Pater schmeckte sie und schlug sich nachher vor den Kopf,- denn es war Mittwoch, Fastentag! Er konnte sich offenbar nicht recht Heraushelsen, was uns sehr heiter stimmte, bis ich ihm dann unter den Fuß gab, daß er es ja nicht aus sündlichem Verlangen, sondern nur aus versehen getan habe. Das ganze Leben eines solchen Priesters ist in bestimmte Formen gezwängt. Wenn sie aufstehen, zu Bette gehen, sich zu Tische setzen, irgend ein Stück ihrer vielteiligen priesterlichen Kleidung beim Gottesdienst an- legen, sprechen sie ein bestimmt vorgeschriebenes Gebet. Zum eigenen Nachdenken werden sie nicht erzogen, in ihrer Seele entsteht kein Zweifel, alles ist Kühe.
Unser Abschied vom Kloster war nicht ohne rührende Momente. Der Pater Daniel, der sich uns am meisten angeschlossen hatte, drückte mir im Eifer des Abschieds einen Kuß auf die Lippen und verehrte unserer Kleinen einen Kosenkranz zum Spielen. Als wir aus dem Marmorportal des Klosters heraustraten, erwartete uns die ganze heilige Schar, die Mönche im schwarzen Gewand der Weltentsagung, die Priester, die Novizen, die Diener. Wir drückten noch einmal allen die l)and, und der älteste Mönch, ein Kleinasiate und Freiheitskämpfer sowie Meister der Nadel, Feräsimos, drückte mir einen feurigen Kuß auf die k)and. Als auch einem Priester glaubte er mir die l)and küssen zu dürfen. Das war unser Abschied vom Kloster Mandoli, das uns zwei Sommer Gastfreundschaft erwiesen hat und das wir in späteren Jahren nur gelegentlich als Tagesbesucher wieder gesehen haben. Aber die Erinnerung an die Sommermonate in diesem gastlichen Kloster hat uns durch das Leben begleitet.
Im nächsten Jahre waren wir in Deutschland. Die daraus folgenden zwei Sommer brachten wir in Athen zu, weil für


