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Wendung genommen. (Ein neuer Schauspieler, der für zwei Jahrzehnte die Augen auf sich zog, war aus der Bühne aufgetreten, Napoleon Vonaparte. Als General hatte er in ungestümem Siegeslauf in Norditalien Oesterreichs Heere in vernichtenden Schlachten niedergeworfen. In dem Frieden zu Lampo Formio im Jahre 1797 bequemte sich das ge- demütigte Oesterreich dazu, gegen Abtretung des vorher gründlich von den Franzosen ausgeplünderten Venedig das linke Bheinufer preiszugeben. All das Heldenblut, das bei der Verteidigung der Stadt geflossen war, war umsonst vergossen. Mainz mit dem linken Bheinufer kam 1798 unter französische Herrschaft. Der Untergang des alten deutschen Kaisertums war besiegelt, ein neuer Abschnitt der Weltgeschichte im Werden.
5. 1798 — 181 3. Die Franzosenherrschaft.
In den letzten Tagen des Jahres 1797 zogen die Franzosen in Mainz ein, nachdem ihnen vertragsmäßig das linke Uheinufer abgetreten war. In kühlem Gleichmut nahm die noch in der Stadt gebliebene Bevölkerung die Veränderung hin. Der hohe Adel, die hohe Geistlichkeit, viele Beamten hatten der Stadt den Bücken gewendet. Ihr Landesfürst hatte sie preisgegeben. Der Kurfürst war immer der erste gewesen, der die Flucht ergriff, wenn ein Feind nahte. Wenn man so viel erlebt hat, wie die Mainzer in den vorausgegangenen 6 Jahren, wenn man jahrelang die Kanonen vor den Mauern donnern hört und wochenlang die Bomben und Granaten über die Häupter sausen, wird man abgestumpft. Was gilt der einzelne Bürger, was gilt die friedliche Arbeit, wenn die Soldaten und ihre Kanonen das Wort führen?
Vaterlandsliebe, die heute so hoch auflodert, und die heutzutage selbst die Hammeldiebe auf der Balkanhalbinsel üben, war damals in Deutschland noch wenig entwickelt. Das politische Jammergebilde von mehreren hundert Kleinstaaten, in die damals Deutschland zerklüftet war, war kein Gegenstand, für den man sich begeistern konnte, hatten doch gerade die vornehmen eine kindische Vorliebe gezeigt für französische Sprache und Sitte. Oft genug waren deutsche Fürsten mit der Begierung des Erbfeinds Hand in Hand gegangen gegen ihr eigenes Beich. Konnte man da von dem schlichten Mann aus dem Volk ein Aufflammen heiliger Entrüstung erwarten gegen die Fremdherrschaft, wie die Tiroler es zeigten zu Hofers Zeit?
Die politischen Zustände im Mainzer Kurstaat halten viel zu wünschen übrig gelassen. Nun waren die Mainzer Glieder eines großen, einigen, aufstrebenden Beiches, das mit manchem verrotteten Alten aufgeräumt und großen neuen, Gedanken Bahn gebrochen hatte. Dennoch fühlte sich die Mainzer Bevölkerung den neuen Volksbeglückern gegenüber im großen und ganzen kühl und fremd. Das Auftreten dieser war auch nicht geeignet, die Herzen zu gewinnen. Für eine Garnison von 12 000 Mann mußten die alten Kasernen neu hergerichtet und ausgestattet werden auf Kosten der Stadt, und da diese nicht ausreichten, Einquartierungen übernommen werden für eine Vergütung von 6 Sous täglich. Die höheren Offiziere quartierten sich in die Adelshöfe ein, und wenn sie umzogen, nahmen sie sich von der Einrichtung mit, was ihnen gefiel, und für den Nachfolger mußte das von dem Vorgänger Gestohlene von der Stadt wieder neu angeschafft werden. Als sogenannte Tafelgelder für die kommandierenden Offiziere mußte die Stadt alle 5 Tage 2800 Francs bezahlen. Die Frau des Gbergenerals Lefebore, eine ehemalige Waschfrau, verlangte für ihren Mann ein tägliches Tafelgeld von
5 Louisdor. Auch um die persönliche Freiheit war es im Lande der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit übel bestellt. Alle Personen, Männer und Frauen, die Geistlichen nicht ausgenommen, mußten eine dreifarbige Kokarde tragen. Nach 10 Uhr abends durfte sich niemand mehr auf der Straße blicken lassen. Jede Nacht hatten 5 Bürger Nachtwächterdienste zu leisten. Alle Männer bis zum 60. Jahr waren zum Dienst in der Nationalgarde verpflichtet und wurden auch zeitweise zum Dienst auf den wällen herangezogen. Die paßvorschristen waren ungemein streng. Dazu kamen dann die Aushebungen zum Kriegsdienst, die ungezählte Menschenleben verschlangen.
Die Militärlazarette mußte die Stadt einrichten, für Fourage und Proviantlieferungen Sorge tragen. Das wurde verlangt von einer Stadt, deren wohlhabende Bewohner meist weggezogen waren und die 6 Jahre lang aus den Belagerungen und Verwüstungen kaum herausgekommen war.
(Fortsetzung folgt.)
vaz ttonfirmandentleid unserer Mädchen.
Seit Jahrhunderten ist es in der evangelischen Kirche gebräuchlich, daß die Mädchen bei der Konfirmation ein schwarzes Kleid tragen. Nur in einigen Gegenden, vornehmlich Norddeutschlands, tragen sie bei der Konfirmation ein weißes Kleid. Das tun dort aber auch nicht alle, ein Teil es handelt sich um die Kinder aus wohlhabenden päu; fern trägt das weiße Kleid, die minderbemittelten Kinder erscheinen im schwarzen Kleide. Daß das eigentlich unerträglich ist, wird jedem einleuchten. Am allerwenigsten soll im Gotteshause, noch dazu bei einer so feierlichen Handlung, wie es die Konfirmation ist, ein Unterschied zwischen Beich und Arm gemacht werden. Auch schon aus ästhetischen Gründen ist das zu verwerfen. Was für ein unharmonisches Bild bietet doch eine Konfirmandenschar, bei der sich die weißen und schwarzen Kleider voneinander abheben. Lei uns ist glücklicherweise die Einheit bezüglich des Kleides erhalten geblieben. Aber man haßt förmlich die schwarze Farbe. Schon die Knaben glauben, schwarze Anzüge nicht mehr tragen zu sollen, und erscheinen vielfach in Blau. Und die Mädchen ziehen das schwarze Konfirmandenkleid im ganzen dreimal an: bei der Prüfung, bei der Beichte und bei der Konfirmation, dann wird es in den Kleiderschrank gehängt und paßt selbstverständlich nach einem Jahre nicht mehr.
Diese Abneigung der Konfirmanden und ihrer Eltern rührt von einem Mißverständnisse her. Man sieht das schwarze Kleid als Trauerkleid an. Das ist es aber ganz und gar nicht, es ist einfach innerhalb der evangelischen Kirche das Kirchenkleid. Auch der, der sich auf Frauenkleidung nicht versteht, erkennt, daß die Art, in der heute die Konfirmandenkleider angefertigt werden, durchaus nicht auf ein Trauerkleid schließen lassen. Selbstverständlich bleibt es jedem Erwachsenen unbenommen, in Hellen Kleidern in die Kirche zu kommen, Gott sieht das perz und nicht das Kleid an, aber daß ein junges Mädchen das doch nicht billige Konfirmandenkleid nicht mehr tragen will, ist doch ein Seichen dafür, daß hier ein klein wenig Eitelkeit mitwirkt. Man kann das Kleid doch sehr gut Sonntags beim Kirchgang, ganz besonders zu einer Abendmahlsfeier oder einer Taufe in einem befreundeten Pause, im Winter auch zur Konsirmandenvereini- gung tragen. Line strenge Kleiderordnung für die Sonn- und Feiertage, wie sie einst Talvin in Genf durchgesetzt hatte, will die evangelische Kirche der Gegenwart ganz gewiß nicht


