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vorschreiben, aber es ist ihrem Wesen doch auch nicht angemessen, daß man das Konfirmandenkleid so widerwillig betrachtet.
Zollten aber alle diese Vorstellungen nichts helfen, so hilft vielleicht der Hinweis, daß einem jungen Mädchen ein geschmackvoll angefertigtes, schwarzes Konfirmandenkleid wirklich sehr gut steht.
Lin pfälzischer Musikant.
Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.
(Fortsetzung.)
Endlich erschien der kleine Wöllsteiner Notar, der den Handel abgeschlossen hatte, als ich mein Haus erworben hatte. Zuerst hatte er mit seinem Schreiber im Nebenzimmer zu Mittag gegessen, nun kam er, nach allen Zeiten freundlich grüßend, in die Gaststube und redete bald diesen, bald jenen Bekannten an, dabei Nusdrücke gebrauchend, die er von seiner Vaterstadt Mainz her gewöhnt war: ,,Na, alter Seckel, wie geht's? was machst du denn für ein dumm Gesicht?" Niemand nahm dem kleinen Junggesellen, der etwas unter der Gewalt seines Zchreibers stand, diese Mainzer Redensarten übel, zumal der „Notär"
so sagte man, wohl in Erinnerung an die Zeit der französischen Herrschaft, in der das Notariat ausgekommen war — es gleichfalls nicht übel nahm, wenn einer ihm mit derben Scherzreden kam. Lin Notar auf dem Lande muß mit den Leuten verkehren können, sonst gewinnt er nicht deren Vertrauen. Ist einer ein sehr vornehmer und steifer Herr, der sich in eine Wolke von Unnahbarkeit hüllt, so ist er nicht beliebt und wird auch seltener zu Rechtsgeschäften herbeigeholt.
Die Nkten wurden aus dem Tisch ausgebreitet, der Schreiber legte Feder und Löschblatt zurecht, der Notar setzte den goldenen Kneifer auf, eine erwartungsvolle Stille herrschte mit einem Male im Zimmer.
„Ncker am Lichelberg zwischen Saam Peter 3. und Hecker Nikolaus!" rief der Notar und fügte die Zahl der (Quadratmeter hinzu. „Wer bietet an?"
„420 Mark!" sagte eine tiefe Stimme aus dem Hintergrund des Zimmers.
„420 Mark zum ersten!" ries der Notar, „wer bietet mehr?"
„Soll ich?" sagte ich leise zu Hinkel,- der aber legte mir die Hand auf den Nrm und flüsterte mir zu: „Beileibe nicht, der ist nichts wert."
„420 Mark zum ersten," rief wieder der kleine Herr mit dem goldenen Kneifer. „Ruf, ihr Leut', fest eingebrannt!"
„425", rief irgend jemand.
„430", sagte wieder die tiefe Stimme, die das erste Nn- gebot gemacht hatte, dann aber blieb alles still. Der Notar versuchte, die Nnwesenden zum Bieten zu ermuntern, aber es gelang ihm nicht,- der Ncker wurde für 430 Mark dem Meistbietenden zugeschlagen.
Bas Geschäft ging weiter.
„Ncker in der Rauhgewann", ries der Notar und nannte Flächeninhalt und Nnlieger.
„ver ist gut," flüsterte Hinkel mir zu, „ein gutes Feld zum Kornbau, und drei schöne Npfelbäume stehen daraus. Biete 600 Mark!"
Bas tat ich, und alle im Zimmer sahen sich nach mir um. Nber ich sollte diesen Ncker nicht so billig bekommen, Nn- gebot auf Nngebot erfolgte, rasch war die Zahl 700 erreicht, von da an aber ging es langsamer, es wurden immer nur noch 5. Mark mehr geboten.
„Bis zu 750 Mark kannst du ruhig mitgehen", sagte Hinkel leise.
Ich bot 730 Mark, da wurde es stille im Zimmer. Wieder ries der Notar: „Lustig, ihr Leut', fest eingebrannt! Ihr wollt den Ncker doch nicht geschenkt haben!" Nber es bot keiner mehr darauf. Da sah sich der kleine Mann im Zimmer um und rief mit heiserer Stimme: ,730 Mark zum ersten, 730 Mark zum zweiten, 730 Mark zum —" hier machte er eine kleine Pause und sagte dann: „730 Mark zum dritten!" Gleichzeitig schlug er mit dem Schlüssel, den er in der Hand hatte, auf den Tisch und der Ncker war mein.
ver Schreiber fragte mich nach meinem Namen und trug ihn in das Protokoll ein, dann seufzte er, als ob er an diesem Tage schon eine gewaltige Nrbeit vollbracht habe, und tat einen tiefen Zug aus dem Schoppenglase, das vor ihm stand.
Die Versteigerung ging weiter ihren Gang. Ich kann hier nicht mehr alle Einzelheiten berichten, genug, als alles zu Ende war, hatte ich drei Morgen Feld zu 2550 Mark gesteigert. Im ganzen waren ungefähr für 10 000 Mark Nckerland zur Versteigerung gekommen, ver Versteigerer hatte ein gutes Geschäft gemacht, von der drückendsten Schuldenlast konnte er sich nun frei machen, allerdings unter Preisgabe eines ansehnlichen Teiles des von den Eltern ererbten Gutes. Nun mußte er nach Landessitte den Nnwesenden wein spenden, es wurde „winkuf" (weinkauf) getrunken, und der Wirt eilte mit gefüllten Schoppengläsern hin und her.
Im Nebenzimmer schloß der Notar das Protokoll ab, und die Steigerer mußten unterschreiben. Nls an mich die Reihe kam, fragte der kleine Mann, der mich von meinem hauskauf her noch kannte: „wie geht's, wie steht's, Herr Wiltinger? Gute Geschäfte mit der Musik gemacht in diesem Jahre?"
Ich gab ihm zur Nntwort, daß ich zufrieden sei.
„haben Sie auch schon einmal in Mainz Musik gemacht ?"
Ehe ich dazu kam, diese Frage zu verneinen, fuhr der Notar schon fort: „Nch, es geht nichts über Mainz. So ein Urmainzer, das ist ein großartiger Kerl! Und dann der Mainzer Karneval! ven muß jeder vernünftige Mensch einmal mitgemacht haben, haben Sie auch den Narhallamarsch schon gespielt?"
Wieder wartete der Notar meine Nntwort nicht ab, sondern führte mir den erwähnten Marsch vor. „Ta-ta-ra, ta- ta-ra, ta-ta-ra, ta-ta-ra", trompetete er und schlug mit der rechten Hand den Takt dazu.
„wenn ich an Fastnacht nach Mainz komme," fuhr er fort, „und eine Wirtschaft betrete, überall sitzen Bekannte und Freunde von mir. Dann heißt es gleich: hierher, alter Seckel, und jetzt den Geldbeute'l heraus und eine Flasche wein bezahlt! Dann stoßen wir mit den Gläsern an und lassen Mainz hochleben und den Mainzer Karneval dazu, und dann uzen wir uns gegenseitig, aber niemand nimmt das krumm. Und wenn erst die schönen Mainzer Mädchen dazu kommen, die sehen sich alle nach mir um, weil ich noch los und ledig bin."
Ich wußte bereits, daß das „Notärche" von allen seinen Bekannten fortwährend gefoppt wurde, ohne daß er es merkte. Immer und immer wieder wurde ihm gesagt, daß reiche und wunderschöne vamen sich für die philosophischen Nufsätze interessierten, die er, wie er gern sich rühmte, vor Jahren in einer Zeitung veröffentlicht hatte, und daß


