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ja die Franzosenkriege zu Ende gegangen, die über das westliche Deutschland eine Flut von Verbrechern gebracht hatten. Nur mit strengen Strafen konnte man diesem Unwesen steuern. Darum kamen in dieser Zeit auch in Gießen sehr viele Hinrichtungen vor, die wohl alle auf dem Trieb unter dem Zulauf großer Volksmengen vollzogen wurden. Ueber eine Hinrichtung schreibt Engel am 7. Oktober 1824:
„Ich habe eine heiße, sauere Woche. Um vergangenen Mittwoch ist den Beraubern des Gladenbacher Goldkarrens das Todesurteil publiziert worden und künftigen Samstag wird es vollzogen. Das hofgericht hat den Inspektor Drum- Hardt von Langgöns zu meiner Unterstützung hierher kommen lassen. Wir treiben das Geschäft der Vorbereitung gemeinschaftlich und werden auch zusammen mit hinausgehen. Wollen Sie hierher kommen, so sind Sie mir, wie immer, ein herzlich willkommener Gast."
Wenn wir nicht irren, so hatten die hier erwähnten Verbrecher in strenger Winterkälte einen Postwagen überfallen und aus diesem eine große Summe Geld, das für staatliche Zwecke bestimmt war, geraubt. Menschenleben waren, so viel wir wissen, diesen Verbrechern nicht zum Opfer gefallen. Daß man damals weite Ueisen nicht scheute, um einer hin- richtung zuzusehen, geht aus der Einladung Tngels an seinen GnKel Göbel hervor. Bls der Schinderhannes mit seinen Spießgesellen jm Fahre 1803 in Mainz hingerichtet wurde, sahen 30 000 Menschen, die zum Teil aus weiter Ferne gekommen waren, dem traurigen Bkte zu.
Bereits zwei Fahre vorher waren in Gießen zwei Missetäter hingerichtet worden, hierüber schreibt Engel am 20. Funi 1822:
„Um vergangenen Freitag vor 8 Tagen wurden hier zwei Missetäter hingerichtet, die beide gegen 300 Diebstähle und Bäubereien verübt hatten, und die, weil sie der katholischen Beligion angehörten, von dem katholischen Geistlichen begleitet wurden."
von den Zuständen der damaligen Zeit kann man sich ein Bild machen, wenn man sich vergegenwärtigt, daß diese beiden Verbrecher, ehe sie gefaßt wurden, sich 300 Untaten haben zuschulden kommen lassen.
Daß die Erzählung von dem eigenartigen verhalten Engels dem Uaubmörder Heß gegenüber („Heß, laß dich köppe!") eine völlig aus der Luft gegriffene Unekdote ist, haben wir neulich erst erwähnt. Wahrscheinlich handelt es sich hier um einen schlechten Wirtshausscherz.
Lin pfälzischer Musitant.
Erzählung von Heinrich vechtolsheimer.
(Fortsetzung.)
Das war ein Vorschlag, der mit augenblicklicher Wirkung mich so erfaßte, daß es mir war, als habe mich ein elektrischer Strom berührt. Ls war richtig, was der erfahrene, mir so wohlgesinnte Mann sagte: Sobald Fritz zu mir zog, war uns beiden geholfen. Der Bruder konnte sich um mein Hauswesen kümmern, meiner Frau zur Seite stehen, dafür hatte er häusliche Ordnung und pflege.
Uun besaß ich allerdings noch nicht die Uecker, die Fritz bebauen sollte. Uber auch hier wußte Hinkel Uat. Er kam auf der Fagd oft nach Fürfeld und wußte Bescheid über die dortigen Verhältnisse, besser natürlich als ich, der ich Monate lang abwesend war. So hatte er in Erfahrung gebracht, daß ein Fürfelder Bauer demnächst ungefähr 12 Morgen Uckerland zur Versteigerung bringen werde. Der Mann war durch eigens Schuld in den Bückgang gekommen. In
jungen Fahren war er fast ohne Uushören im Lande hin und her kutschiert und zu allen Kirchweihen der Umgegend gefahren. Man sagte im Dorfe: Wenn er für zehn Pfennig Kordel für seine peitsche braucht, so fährt er nach Kreuznach. Später hatte er dumme Pferdehändel gemacht, bei denen er um viel Geld gekommen war. Uun war er mit Schulden überlastet und mußte Uecker versteigern. Hinkel versprach, zur Versteigerung zu kommen, um mir mit seinem Uat zur Seite zu stehen.
Zuvor besprach ich natürlich die Sache mit meiner Frau. Sie war nicht so, daß sie wie manche Frau den Plänen des Mannes stets Hindernisse bereitet hätte. Wohl überlegte sie gründlich, wenn ich ihr mit einem neuen Vorschläge kam, wir sprachen auch, wie es ein Ehepaar tun soll, alles ausführlich miteinander durch, aber Lina hatte doch großes Zutrauen zu mir, sie wußte, daß ich kein leichtsinniger Mensch sei. Ueberhaupt, wer sein Geld mit schwerer Mühe erwirbt, der geht hinterher nicht leichtsinnig damit um. Lina hatte auch großes Zutrauen zu meinem Freunde Wilhelm Hinkel. So beschlossen wir denn, daß ich bei der Versteigerung bieten und mein Glück versuchen solle.
Einen viel schwereren Standpunkt hatte ich indessen mit meinem Bruder Fritz. Ich ging gleich, nachdem ich mit Lina einig geworden war, nach Uuppertsecken, um mit ihm das Nötige zu verabreden. Es war ein Sonntagnachmittag, als ich zu ihm kam. Er saß im Wohnzimmer und versuchte, einen Flicken auf den Ellenbogen der Facke zu setzen, die er werktags trug. Vas war für ihn ein sehr mühsames Geschäft. Wer die ganze Woche hindurch den Karst und die Heugabel in der Hand hält und neben den Kühen einhergeht, der hat keine Finger, die Schneiderarbeiten verrichten können. Fritz hatte eine Stopfnadel, weil es ihm schwer hielt, das Garn in eine Uähnadel einzufädeln, und machte sehr ungefügte Stiche. Ich sah mich im Zimmer um. Eine dicke Staubschicht lag über dem Ofen und der alten Kommode, die schon die seligen Eltern besessen hatten. Die Wanduhr tickte nicht, und auf dem mit keiner Decke versehenen Tische standen die Beste des Mittagessens.
Ich glaubte, unter solchen Umständen würde der Bruder leicht geneigt sein, in meinen Vorschlag einzuwilligen, zu mir zu ziehen. Uber er hatte tausend Bedenken. Fetzt, so meinte er, fände sich kein zahlungsfähiger Käufer für Haus und Becker, auch fürchte er, Heimweh zu bekommen, wenn er nach Fürfeld zöge, da er schon damals, als er ein halbes Fahr beim Train in Speyer diente, fast jeden Bbend vor Heimweh geweint habe. Ich lachte den Bruder aus, als er mir von seinem Heimweh vorredete, und forderte ihn auf, sich einmal in meine Lage hineinzudenken, der ich doch schon viele Fahre gewöhnt war, fremde Länder zu bereisen und lange Zeit von den Meinen getrennt zu bleiben. Ich erhielt von Fritz keinen klaren Bescheid, er versprach nur, sich die Sache zu überlegen.
Trotzdem hätte er sein Funggesellenleben nicht aufgegeben, wenn ihn nicht ein besonderer Umstand dazu gedrängt hätte. Er hatte mit seinem Kuhfuhrwerk Kartoffeln nach Bockenhausen gebracht, die er an Bathan Silberschmidt verkauft hatte, und war, da die Kühe es nicht eilig hatten, den Berg hinaus nach Hause zu kommen, erst spät am herbstabend wieder in Buppertsecken angelangt. Da merkte er, daß ein Fenster, das von der Küche nach dem Hofe führte, offen stand, obwohl er sich genau entsann, es vor seinem Weggang geschlossen zu haben. Fritz sah nach und fand, daß eine Scheibe eingedrückt war und daß augenscheinlich durch


