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Nriegsbil-er aus -er Mainzer Geschichte alter und neuer Zeit.
(Fortsetzung.)
4. 1794/95. Neue Belagerung und Eroberung.
Den Verlust der schönen Festung am Mittelrhein konnte die französische Negierung nicht verschmerzen, und ein frisches Aufatmen und Erholen war der geängstigten Stadt nicht vergönnt. Nur ein Nuhejahr war ihr beschieden, und der Nurfürst, der wieder in seine Residenz zurückgekehrt war, hatte eine rege Aufräum- und Bautätigkeit begonnen. Da kamen die Franzosen im November 1794 mit einem starken Heere wieder und begannen eine regelrechte Belagerung. Sn weitem Bogen um Mainz herum von Laubenheim bis Budenheim wurde eine 2 Zfache Neihe von Schützengräben aufgeworfen mit pallisaden, Wolfsgruben und dahinter liegenden Erdhütten, das Ganze eine fast uneinnehmbare Gegenfestung. Aber auch Mainz hatte diesmal eine starke Besatzung von 15 000 Mann und war mit Geschütz, Munition und Nahrungsmitteln genügend versehen. Buch vermochte der Feind nicht, die Stadt von der rechten Nheinseite vollständig einzuschließen, so daß fast immer noch verkehr und Zufuhr aus der Außenwelt möglich war. So wogten denn die Kämpfe zwischen den beiden Linien monatelang mit wechselndem Glücke hin und her, und die Orte, die in der Kampslinie lagen, hatten schwer zu leiden. Kostheim, wo sich die zurückgekehrten Bewohner auf den Trümmern wieder Notwohnungen errichtet hatten, ging wieder vollständig in Flammen auf.
Nachdem über den Schützengrabenkämpfen Winter, Frühling und Sommer ergebnislos vorübergegangen waren, wurde .man in Paris, wo man Mainz um jeden Preis wieder haben wollte, nervös und schickte eine Verstärkungsarmec unter .General Jourdan. Mit ihrer Hilfe gelang es auch, Mainz wenigstens für einige Tage auch auf der rechten Seite einzuschließen. Aber am 11. Oktober kam der österreichische .General Tlairfait mit einem Heer von 50 000 Mann am rechten Nheinuser an, und bei seinem Nahen zog sich das französische Hilfsheer fluchtartig nach dem Niederrhein und es blieb nur das ursprüngliche Belagerungsheer, das inzwischen seine Laufgräben der Stadt genähert hatte, zurück. Aber auch seine Tage waren gezählt. In der Nacht vom 28. auf 29. Oktober hatte Tlairfait, dessen Heer am Main bei Flörsheim oberhalb Hochheim lag, einen Teil seiner Truppen möglichst geräuschlos über Kaste! und Weisenau auf die französischen Linien bei Laubenheim zu Vorgehen lassen, ein anderer Teil war ebenso unbemerkt südlicher über den Nhein gefahren und bei Bodenheim gelandet. Während beim Morgengrauen am entgegengesetzten Ende der Belagerungslinie bei Mombach Scheinangriffe gemacht wurden, wurde bei Bodenheim— Laubenheim die französische Stellung von Nord und Süd zugleich angegriffen und in heftigem Kampf mit stürmender Hand genommen, von hier aus setzte sich der Kampf weiter fort, und am Abend war der Feind auf der ganzen Linie in die Flucht geschlagen. 1633 Gefangene, darunter 151 Offiziere, 138 Kanonen, 300 Gepäck- und Munitionswagen waren die Beute des Tages. Die Erstürmung der Mainzer Linien gehört zu den hervorragendsten Waffentaten der Kriegsgeschichte. Vas geschlagene Heer ergoß sich plündernd, stehlend und sengend durch das Mainzer und Pfälzer Land. Mainz war nach dieser Belagerung, die ein volles Jahr gedauert hatte, wieder frei.
(Fortsetzung folgt.)
Bilder aus Alt-Giehen.
(Schluß.)
8. Mädchenerziehung vor beinahe 1 OOJahren.
Die Frage nach den Bildungsmöglichkeiten, die man dem Heranwachsenden weiblichen Geschlechts bieten soll, ist heute lebhaft im Flusse. Man hat den Mädchen viele Schulen, die seither nur von Knaben besucht waren, geöffnet und wird nun zunächst abwarten müssen, ob sich diese Maßnahme bewährt oder ob sie in der Zukunft wieder außer Geltung gesetzt wird. Geh. Kirchenrat D. Engel, der sich in der ersten Hälfte seines Lebens viel mit Jugendunterricht beschäftigt hat, hat über Mädchenerziehung ganz vernünftige Ansichten bekundet. Er hatte zeitweise ein junges Mädchen aus seiner Verwandtschaft bei sich in seinem Hause. Wer sie war, geht aus den Briefen nicht hervor, wir können hier nur noch sehen, daß sie Marianne hieß. Ueber den Unterricht, den er ihr erteilte, und die Lektüre, die er ihr empfahl, schreibt Engel am 16. September 1820 folgendes an seinen Onkel Göbel:
„Marianne ist fleißig und ordentlich. Ich habe ihr einen plan gemacht, nach welchem sie ihre Zeit zwischen weiblichen Arbeiten und Geiftes-werken teilen soll. Ich lasse sie Briese und Aufsätze machen und leite ihre Lektüre. Gegenwärtig liest sie das Luch aller Bücher für Mädchen: Tampes väterlicher Bat an meine Tochter, ein goldenes Luch, vor kurzem habe ich auch auf einer Auktion den ganzen Schiller (18 Teile) in Halbfranz und mit goldenem Titel gebunden für 12 Gulden 40 Kreuzer gekauft. In der Kürze, meine ich, soll sich auch Gelegenheit zum Tanzen finden. Gestern abend war sie mit uns auf einem Ball im Hörnchen (Einhorn), wo es recht lustig und vergnügt herging."
Interessant ist, hieraus zu entnehmen, daß Schillers Werke damals, 15 Jahre nach des Dichters Tod, noch recht teuer waren. Während man sich jetzt schon j/u einige Mark eine schöne Nusgabe der Werke unseres beliebtesten Nationaldichters kaufen kann, kosteten Schillers werke damals, sogar noch auf einer Versteigerung, nach unserem Münzfüße ungefähr 22 Mark, wobei noch berücksichtigt werden muß, daß das Geld damals einen weit größeren Wert hatte als heutzutage.
Damals um 1820 war Heinrich Pestalozzi (gestorben 1826) auf dem Gebiete des Erziehungswesens unbestritten der Führer. Wir wundern uns deshalb nicht, daß junge Lehrer, um seine Erziehungsgrundsätze und seine Art des Unterrichtes kennen zu lernen, zu Pestalozzi nach der Schweiz reisten. So schreibt Engel am 27. Januar 1819:
„Tandidat Braubach von Butzbach, Lehrer einer schön aufblühenden Mädchenschule von Kindern der Honoratioren, hat, um sich für sein Fach noch mehr zu bilden, eine Neise nach der Schweiz zu Pestalozzi unternommen, wozu er von Unserem Großherzog 300 Gulden erhalten hat. Auf sein Ersuchen habe ich nicht nur während seiner Abwesenheit das Direktorium über das Ganze übernommen, sondern erteile auch selbst wöchentlich 10 Stunden in der Anstalt, vorzüglich den größeren Mädchen."
9. Hinrichtung von Verbrechern.
In der Zeit, da Engel ein junger Mann war, wurden viel mehr Verbrecher hingerichtet als heutzutage, da die Todesstrafe nicht nur auf Mord, sondern auch auf Brandstiftung und Naub gesetzt war. Ls ist zu verstehen, daß man damals mit so großer Strenge gegen das Naubgesindel, wie überhaupt gegen die Verbrecher vorging. Eben erst waren


