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Nr. 17. Gieren, Sonntag Cantate 2. Mai 1915. 4. Jahrgang.
Am Grabe einer gefallenen Helden.
Evangelium des Johannes 15, II, Niemand hat größere Liebe denn
die, daß er sein Leben lasset für seine Freunde,
„Zum Schuß! hoch legt an! Feuer!" So erging das Kommando an die Abteilung, die dem in seiner Heimat seinen Wunden erlegenen, jungen Helden die letzte Ehre erwies. Dreimal krachte die Ehrensalve über das offene Grab, es ging nach dem alten Soldatenliede: „Was freut einen alten Soldaten? Drei Kugeln über sein Grab; die geben ihm die Kameraden, daß er seine Ehre Hab'." Dann wurde es still aus dem Friedhofe, über den die Frühlingssonne ihr mildes Licht verbreitete. Die Leidtragenden gingen in ernstem Nachsinnen ihrer Behausung zu, und die Menge, die teilnehmend am Grabe gestanden hatte, verlief sich.
Um Grabe aber blieb die tiefe Trauer zurück, und sie wird bleiben, so lange die Menschen leben, die mit dem Toten in inniger Gemeinschaft standen. Die Eltern haben den Sohn mit großer Treue erzogen, haben sich seines kraftvollen Werdens und Wachsens gefreut, nun haben die Sprengstücke einer Granate diesem Werden und Wachsen ein Ziel gesetzt. Die Geschwister, die mit dem Toten als Kinder die gleiche Luft geatmet und die gleichen Spiele gespielt haben, die mit ihm einst im Schutze des Vaterhauses wohl geborgen waren, erfahren nun den ersten tiefen Schmerz ihres Lebens. Nun geht die Braut einsam ihren Weg, die mit dem Heimgegangenen in treuer Liebe verbunden war; der frohe Hochzeitstag im befreiten Vaterlande und im Frieden der Heimat ist beiden nicht beschieden worden.
Ts klagen auch alle die, die den Toten nur gekannt haben. Er war rüstig an Leib und Seele, hochgemut und ideal veranlagt, seinem Berufe mit Treue und Begeisterung ergeben. Man setzte große Hoffnungen auf ihn und erwartete reiche Frucht von seinem späteren Leben. Diese Hoffnungen sind nun dahingesunken. Tonrad Ferdinand Meper hat in hinreißender Form das ungelebte Leben eines Frühvollendeten geschildert:
„Maiennacht. Oer Sterne mildes Schweige» . . .
Dort! Sch fetz' cs aus der Erde steigen!
Unterm Rasen quillt hervor es leise,
Flatterflammen drehen sich im Kreise,
Ungelebtes Leben zuckt und lodert Kur der Körperkraft, die hier vermodert, Kbgemähter Jugend letztes walten,
Letzte Glut verrauscht in wunschgestalten, Eine blasse Jagd!
Durch die Brandung mit verstürmten tfaaren Seh' ich einen kühnen Schiffer fahren.
Linen jungen Krieger feh' ich toben, tfelmbedeckt, das lichte Schwert erhoben.
Liner stürzt sich auf die Uednerbühne, weites Volksgetos beherrscht der Kühne.
Ein Gedräng, ein Kämpfen, Ringen, Streben!
Rrmc strecken sich und Kränze schweben —
Kränze, wenn du lebtest, dir beschieden,
Nicht erreichte!
Knabe, schlaf' in Frieden!"
Trotz aller Trauer und Klage ist das Grab eines Mannes oder Jünglings, der für sein Vaterland starb, nicht nur eine heilige Stätte, sondern auch eine Stätte, von der Großes, Gutes, herzerhebendes seinen Nusgang in die Welt nimmt. Kein besseres Los kann der Mann erwerben, als für Kaiser und Neich, für Vaterland und Volkstum, für die heiligsten Güter seiner Nation sein Leben hinzugeben. Nuf manchem Heldengrabe steht das Wort des Heilandes geschrieben: „Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lüsset für seine Freunde." Nagt das Opfer, das der Herr gebracht hat, auch weit hinaus über alle Opfer, die im Kriege gebracht werden, können ihm nach seinem göttlichen Ursprünge und seiner ewigen Bedeutung diese Opfer auch nicht an die Seite gesetzt werden, im Dienste Jesu und in seiner Nachfolge standen doch alle, die die Feldschlacht verschlungen hat und die in den Lazaretten ihren wunden erlegen sind. Die Jugend, die in kommenden Jahrzehnten an unseren Heldengräbern stehen wird, wird von heiligen Entschließungen durchzogen werden, ein Schauer der Ehrfurcht wird sie durchrinnen,- wenn sie laut gekommen ist, so wird sie still Weggehen. Ein Volk, das seine Heldengräber noch schmückt und ehrt, wird stets seine Eigenart, seine Würde, nationale Existenz gegen jeden Feind behaupten, und der Treue bis an den Tot hat Gott verheißen die Krone des ewigen Lebens.
h. B.


