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Während das arme Deutschland im 30 jährigen Kriege sich verblutete, hatte Frankreich unter tüchtigen Staatsmännern es verstanden, sich zur Vormacht in Europa hinaufzuarbeiten, und suchte nun jede Weltlage zu seiner Vergrößerung auszunutzen. So hatte es schon 1552 Wetz, Toul und Verdun dem deutschen Reich abgewonnen, am Ende des 30jährigen Krieges den größten Teil des Elsaß als Leute erhalten, 1681 mitten im Frieden die freie Reichsstadt Straßburg weggenommen. Rach einem französischen Sprichwort kommt beim Essen der Appetit, das verlangen nach Wehr. Die fadenscheinigsten Vorwände wurden aufgesucht, um neue Forderungen zu begründen. So wurde 1685 das kinderlose Ableben des Kurfürsten von der Pfalz dazu benutzt, um Ansprüche auf die Pfälzer Lande zu erheben, weil die Schwester des letzten Kurfürsten mit dem Herzog von Orleans, dem liederlichen Bruder des Königs von Frankreich, verheiratet war. Da diese Ansprüche selbstverständlich abgewiesen wurden, erschien plötzlich im herbst 1688 ein großes französisches Heer am Rheim, um zunächst die Festungen zu überrumpeln. Wit Wainz gelang dies auch. Wit 20 000 Wann kam General Loufflers vor die Tore der Stadt und verlangte von dem Kurfürsten die Aufnahme von einigen hundert Schweizern in die Festung. Da der Kurfürst sich nicht darauf einließ, rückte die Armee mit ihren Geschützen vor die Wälle, und der General drohte, wenn nicht vor Sonnenuntergang die Besatzung zugelassen würde, so würde nicht nur die Stadt mit Gewalt genommen, sondern auch das Land verwüstet. Die Festung selbst hatte nur 700 800 Wann Besatzung. Unter diesen Umständen hatte die Regierung nicht den Wut zum Widerstand. Die Wainzer Besatzung zog ab, die Franzosen rückten ein; die Besatzung wurde auf 10 000 Mann gebracht, die Festungswerke verstärkt, Kostheim und Hochheim, und später Kastel in Brand gesteckt. Doch sollte diesmal die Freude der Franzmänner nicht von langer Dauer sein. Der deutsche Kaiser, die Kurfürsten von Bayern und Sachsen, der Landgraf von Hessen, der Herzog von Lothringen stellten ihre Truppen. Schon im Frühjahr 1689 faßten die Hessen und Sachsen auf dem rechten Rheinufer Platz,- dann die Bayern und Kaiserlichen unter dem Oberbefehl des Herzogs von Lothringen auf dem linken. Die Laufgräben wurden eröffnet und näherten sich immer mehr der inneren Befestigung. Die Lelagerungsarbeiten wurden von den Fürsten persönlich geleitet. Blutige Kämpfe gingen herüber und hinüber. Anfang September waren die Belagerer so nahe, daß man sich zum Sturm rüstete. Da ging die weiße Fahne in die höhe. Den Franzosen wurde freier Abzug bewilligt. Mainz war wieder deutsch - die Eroberung hatte schwere Opfer gefordert. Auch Prinz Eugen von Savoyen, der später so berühmte Feldherr, hat als Leutnant an der Belagerung teilgenommen und wurde verwundet, viel größer waren die Verluste der Feinde.
Mainz war wieder frei, aber der Feind noch im Land, und machte immer wieder neue versuche, das starke Bollwerk in seine Hand zu bekommen. Der König von Frankreich, der in seinem Titel das Beiwort „Der Allerchristlichste" führte, hatte seinem Heerführer den Befehl gegeben, „Die Pfalz zu verbrennen". Und diesen teuflichen plan hat sein Oberbefehlshaber Melac in raffiniertester Grausamkeit ausgeführt. Hunderte von Orten, darunter blühende Städte, wie Heidelbergs Mannheim, Worms, Speyer, Oppenheim, Alzey, Kreuznach wurden von Grund aus zerstört; meist widerstanden nur wenige Gebäude den Flammen. Wenn diese
nicht ausreichten, wie an dem Heidelberger Schloß, dann half das Pulver nach. Rach der Zerstörung von Worms soll sich der Befehlshaber gerühmt haben, er habe den Bürgern nichts gelassen, als die Augen zum weinen. Sn Kreuznach wurde den Bauern der Umgegend befohlen, ihr Getreide nach dieser Stadt zu fahren. Dort wurde es von den Uahcbrücken aus in den Fluß geschüttet, so daß das Wasser sich staute. Auch ins Wainzer Land kamen die Wordbrenner- banden. Auf einem Streifzug nach der Ebernburg bei Kreuznach gelang es einer Abteilung der Wainzer Besatzung einige dieser Mordbrenner auf frischer Tat zu ertappen. Als Strafe ließ der kaiserliche General Thungen sie in die Flammen werfen und gab gleichzeitig bekannt, für jedes verbrannte Gehöfte werde er einen gefangenen Franzosen mit dem Feuertod bestrafen, von da an blieb das Wainzer Gebiet verschont.
Daß mit diesen Grausamkeiten noch eine gewaltsame Bekehrung der Evangelischen versucht war, macht sie nur nach widerlicher. Erst nach achtjähriger Kriegsdauer war der Feind von deutschem Boden vertrieben, und wiederum waren Jahrzehnte nötig für die heimgesuchten Lande, um die Wunden zu heilen, und noch heute erzählt manche Ruine von der Zivilisation der Franzosen.
(Fortsetzung folgt.)
Ein pfälzischer Musikant.
Erzählung von Heinrich Becktolsheimer.
(Fortsetzung.)
Dann saßen wir fröhlich beisammen, der Kleine aß ein Stück Gebäck nach dem anderen, und ich sprach mit meinem treuen Weibe über das, das wir in der Zeit erlebt chatten, da wir voneinander getrennt waren. Das Ladengeschäft war gut gegangen, die Kunden waren zufrieden gewesen, und es war Lina bereits möglich gewesen, an die Großhändler den Preis für die gelieferten Waren zu entrichten. Daß das Geschäft gut ging, merkte ich gerade an diesem ersten Tage, da ich wieder zu Hause war,- denn sehr oft ging die Ladenklingel und unser Gespräch wurde immer wieder unterbrochen, weil Lina hinauseilte, um die Kunden zu bedienen.
Es kamen für mich frohe Tage. Ein eigentümliches Gefühl war es doch, auf eigenem Grund und Boden zu sitzen und das eigene Haus zu bewohnen. Und dann, wie köstlich war für mich der Gedanke, nun beinahe ein halbes Jahr bei den Weinen bleiben zu können. Ein mühseliges Leben, so empfand ich damals, war doch das Wusikantenleben. Immer unter fremder Umgebung zu weilen, auf der Landstraße oder dem Straßenpflaster einherzumarschieren, dem Regen und dem Sturme preisgegeben zu sein, das forderte doch viele Entsagung. In den ersten Tagen, da ich wieder zu Hause weilte, dachte ich oft an den Weg von Boxtel nach herzogenbusch, den ich als schwerkranker Wann zurückgelegt hatte, und an den jämmerlichen Zustand, in dem ich mich befunden hatte, da ich in herzogenbusch von der Lank fiel. Als Musikant ist man oft auch dem Gespött roher Leute preisgegeben und muß zu ihrem bösen Spiele noch gute Wien« machen, hier aber an meinem Wohnorte war ich ein geachteter Bürger so gut wie jeder andere Mann. Es war doch ein Frohgefühl ohnegleichen, am Abend in der Wohnstube beim prasselnden Feuer zu sitzen, während meine Frau nähte oder strickte und unser Sohn nebenan in süßem Schlummer lag. Rur zu wissen, daß man am nächsten Morgen die müden Füße nicht auf der Straße weiter zu setzen brauchte, das gab schon frühliche Gedanken.


