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Nriegsbilder aus -er Mainzer Geschichte alter und neuer Zeit.

I. Der Dreißigjährige Krieg.

(Fortsetzung.)

Im Jahre 1635 wurden keine Kirchenbücher mehr geführt und keine Kirchenrechnungen. Wohl hat der tapfere und edle Befehlshaber von Mainz, Oberst von Hohendorf, das Gesindel von Mainz fern gehalten, aber der Pest und dem Hunger konnte er die Tore nicht verschließen. Zu dieser allgemeinen Not kam für Mainz noch eine besondere: eine zweimalige Belagerung und Beschießung. In der ersten, die im Sommer stattsand, hielt der tapfere Oberst trotz aller Not die Stadt, bis Entsatz kam. In der zweiten, im Winter, mußte er, als das letzte Pulver verschossen und die letzten Vorräte verzehrt waren, die Waffen strecken. Ls wurde ihm ein ehrenvoller Abzug verwilligt, aber von der Besatzung war nur noch X U, von der Bürgerschaft nur noch die Hälfte übrig. Frohnhäuser schließt inseinemBuchDie Schweden in Mainz" die Schilderung desIammersjenerTage mit den Worten Jeremias:Ach daßich Wasser genug hätte, und meine Bugen Tränenquellen wären, daß ich Tag und Nacht beweinen möchte die Erschlagenen meines Volkes." Buch nach Aufhebung der Belagerung und Bbzug der schwedischen Besatzung konnte sich die Stadt nicht erholen. Man lebte unter beständigen Unruhen und Sorgen, und die eigene Besatzung gab Ursache zu beständigen Klagen. Bis 1644 ein französisches Heer vor den Toren erschien, wurde ihr die Stadt ohne Schwertstreich übergeben. Nun herrschten die Franzosen vier Jahre in Mainz,' von hier aus wurde von ihrem Heerführer Turenne die engere und weitere Um­gebung bis in den Odenwald hinein gebrandschatzt. Und als endlich im Jahre 1648 infolge des Friedensschlusses die Fran­zosen abgezogen waren, da war der Wohlstand aus lange Zeit vernichtet, die Bewohnerschaft aus weniger als die Hälfte herabgesunken, ganze Straßen lagen in Trümmern. Und doch, bei allem Elend, hat man's mit Freudentränen begrüßt, als die Glocken des Friedens läuteten, und unser Liederdichter Paul Gerhardt, der den Jammer der Zeit mit durchlebte, hat den Gefühlen Worte verliehen in dem Lied (Nr. 422 in un­serem Gesangbuch):

Gottlob, nun ist erschollen ,

das edle Fried' und Freudenwort,

daß nunmehr ruhen sollen

die Spieß' und Schwerter und ihr Mord!

Wohlauf! Und nimm nun wieder dein Saitenspiel hervor, o Deutschland, und sing Lieder im hohen, vollen Thor; erhebe dein Gemüt zu deinem Gott und spricht Herr deine Gnad' und Güte bleibt dennoch ewiglich!"

(Fortsetzung folgt.)

biloer aus Alt-Giehen.

(Fortsetzung.)

4. Ein Doktorschmaus aus dem Jahre 1 82 7.

Im Jahre 1827 wurde Engel Doktor der Theologie, hierüber schreibt er am 14. Mai an seinen Dnkel.

Die höchste akademische Würde ist glücklich erlangt, wie Sie aus befolgendem Diplom, welchem eine Dissertation bei­liegt, sehen werden. Nehmen Sie bepdes als ein Andenken von einem Freunde und Vetter an, der Ihnen mit den auf­richtigsten und treuesten Gesinnungen zugetan ist. Die Sache

hat hier sehr viel Aufsehen erregt, weil, wie ich mich immer mehr überzeuge, in der Thal die theologische Doctor-Würde einen außerordentlich bedeutenden Nang gewährt. Gestern war ein Abendessen bei dem Geheimen Kirchenrat Künoel, dem Decan, wo man mir, als dem einzigen anwesenden Doc- tor der Theologie den Ehrenplatz anwies und mir ein lautes vivat brachte. Es war eine köstliche Session, und ein Wein- chen, Freund, Vetter und Gevattermann, ein Weinchen wurde kredenzt, das einen über die Erde und alle ihre Plackerepen kräftig emporhob. heute ist noch ein Nachklang von seinem Geiste bei) mir übrig. Die Professoren haben mir schon zum Teil in lateinischer Sprache gratuliert zu den honores, die sie eximios und meritos nennen. Das Diplom ist sehr ehrenvoll abgefaßt worden. Ich habe nach Darmstadt an alle bedeutende Personen Exemplare abgesandt."

5. Bus dem kirchlichen Leben der Stadt Gießen.

In einem Briefe, der datiert istGießen, den 6. Juli) 1822", lesen wir folgendes:

Mit den Geldern bei) dem Kirchenbau scheint es jetzt ernstlich vorwärts zu gehen. Der neue Bürgermeister hat sich ein verzeichniß von allen rückständigen Zinsen geben lassen und sie werden nun in der Kürze aus dem Stadtärarium be­zahlt werden. Ich bin jetzt bei dem Ausschuß der Bibelgesell­schaft des Großherzogthums. Zu dem Ende habe ich vor einiger Zeit 500 Bibeln erhalten. Wenn Sie daher einige arme Kinder haben, woran es wohl nicht fehlen wird, die noch keine Bibel besitzen, so können diese durch einen Schein von Ihnen welche erhalten. Nächsten Mittwoch wird hier in der neuen Kirche ein großes Musikfest gegeben, wozu ich Sie bestens einlade. Es wird vorzüglich für Sie als einen Ton­kundigen sehr großes Interesse haben. Kommen Sie daher in Zeiten hierher, da können wir über manche Dinge reden."

Diese Mitteilung ist zeitgeschichtlich interessant. Nach den Befreiungskriegen setzten allenthalben die Bibelgesellschaften mit ihrer Arbeit ein,' auch Engel hat es sich angelegen sein lassen, Bibeln zu verbreiten. Die neue Kirche, von der er hier redet, ist die im Jahre 1821 fertiggestellte Stadtkirche. Das Stadtärarium, das er erwähnt, ist die Stadtkasse.

(Fortsetzung folgt.)

Zur Charakteristik des Geh. ttirchenrates D. Engel.

In Nr. 8 desSonntagsgrußes" hatte ich geschrieben, daß der Geheime Kirchenrat D. Engel durch unangebrachte Scherze manchmal die Würde des geistlichen Amtes außer acht gelassen habe. Mein Urteil hatte ich auf eine schriftliche, ungedruckte Mitteilung gegründet, die von einem Manne herrührt, der mit Engel in Beziehung gestanden hat. Nun wird mir von einem Gießener Herrn folgendes geschrieben:

Ich mochte erwähnen, daß ich Ihr Urteil über Kirchen­rat Engel doch etwas hart finde. Ich kann mir das nicht anders erklären, als daß die Mitteilung, die Ihnen zugegan­gen ist, doch zu einseitig gewesen sein muß. Ich glaube ihn etwas genauer gekannt zu haben, da ich zu ihm in die Kon­firmandenstunde gegangen und von ihm konfirmiert worden bin und auch nachher noch mancher seiner Amtshandlungen beigewohnt habe. Ich habe nie im geringsten bemerkt oder gehört, daß er seine Amtswürde außer acht gelassen oder sich sonst etwas vergeben hätte, und glaube eher, daß das Gegen­teil der Fall war. Wenn seine Sprechweise einen Bnklang an die Gießener Mundart hatte, so war dies in früherer Zeit bei fast allen geborenen Gießenern mehr oder weniger der Fall, ohne daß es die derbe und urwüchsige Ausdrucksweise der geringeren Leute zu sein brauchte. Und wenn sich Kirchenrat