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Engel in seiner gewohnten Sprechweise mit seinen pfarr- kindern unterhielt, so glaube ich, daß er ihnen damit näher trat und mehr zu ihrem Herzen sprach, als wenn er sich des hochdeutschen bedient hätte, das damals noch für viele in­sofern eine Fremdsprache war, als sie manche Ausdrücke und Wendungen gar nicht recht verstanden. Es gab so manches, das sich in früheren Zeiten ziemte, sich aber jetzt nicht mehr schickt. Dem trotz einiger Eigenheiten allgemein beliebten und hochgeschätzten Geistlichen ich auch manches, wie z. B. dasHeß, laßt Euch Koppe" nachgesagt worden, wovon ich bestimm weiß, daß es glatt erfunden war."

Außerdem liegt noch vor mir eine schriftliche Aeußerung aus dem Jahre 1888, in der eine alte Dame, die von Engel im Jahre 1826 konfirmiert worden ist, seinen Unterricht noch nach 62 Jahren in sehr anerkennenden Worten preist und seiner nach so langer Zeit pietätvoll gedenkt. Sie schreibt, sein Unterricht sei heilig und sehr ernst gewesen, Engel habe die Sehren des Luthertums mit Begeisterung vorgetragen und habe bei seinen Konfirmandinnen viel Liebe und Anhänglich­keit gefunden.

Auf Grund dieser Mitteilungen stehe ich nicht an, mein ursprüngliches Urteil über Engel abzuändern. Offenbar hat der Mann, der allerdings ein Original gewesen zu sein scheint, Gegner gehabt, die ihn mit Absicht lächerlich gemacht haben. Dazu gehört Karl Vogt, der in seinen Gießener Er­innerungen nicht nur Engel, sondern alle anderen Persön­lichkeiten, die in Gießen in seiner Jugendzeit lebten, sogar seine eigenen verwandten, lächerlich macht. Engel lebte in einer Zeit, in der viele bestrebt waren, einen Pfarrer nur deshalb in den Augen anderer herabzusetzen, weil er ein Pfarrer war. Wie sehr leichtfertige Schwätzer und Lügner bei der Verbreitung der Anekdoten über Engel tätig waren, geht aus der Mitteilung unseres Gewährsmannes hervor, daß die Geschichte von dem eigenartigen Verhalten Engels zu dem Uaubmörder Heß glatt erfunden ist. h. B.

Lin pfälzischer Musikant.

Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.

(Fortsetzung.)

Sch hatte Mitleid mit den armen Burschen, die uneinig waren wie kleine Knaben und verlassen wie die Schafe, wenn der Schäfer das Weite gesucht hat. Weil ich an diesem Tage wieder einen guten Verdienst gehabt hatte, so beschloß ich, den Landsleuten Essen zu spenden. Sch sprach mit dem Wirte und nach verlaus einer halben Stunde standen geräucherte Fische und Kartoffeln auf den Tischen, hei! wie da die Musikanten Zugriffen! Sie schoben ihre Teller an die großen Schüsseln heran, füllten die Teller so hoch, als ob sie Heuhaufen zu­sammensetzen wollten, und aßen, wie Leute essen, die tage­lang keine richtige Mahlzeit bekommen haben. Aller Streit und alles Schimpfen war mit einem Male unter ihnen wie abgeschnitten.

Während die Leute aßen, machte ich mir über sie weiter meine Gedanken und kam zu dem Schluß, daß ihnen nur die feste Hand fehle, sie in Ordnung zu halten. Weil sie mir leid taten, beschloß ich den versuch zu machen, sie zu beschäf­tigen. Allerdings war es ein großes Wagnis, eine Kapelle von 22 Mann zu leiten, der ganze plan war auch zu über­raschend gekommen, als daß ich mir die Sache gehörig hätte durch den Kopf gehen lassen, aber ich wollte es einmal wagen.

von dem, das der Wirt auf den Tisch gestellt hatte, blieb auch nicht ein kleines Bröckchen mehr übrig. Sch sah

sogar einen der Musikanten, der sich angelegentlich mit den Köpfen der Fische beschäftigte, und ich glaube, daß er mehr als einen Fischkopf mit seinen starken Zähnen zermalmt hat. Nicht gefiel mir, daß ein älterer Musikant, als das Essen von den Tellern verschwunden war, mir zurief:Meister, Durst haben wir auch, sonst wären wir keine echten Pfälzer." Zwar ließ ich jedem ein Glas Bier reichen, aber ich beschloß, den vorlauten Burschen bei passender Gelegenheit vorzunehmen.

Dann rief ich Georg vackermann in eine Ecke und sagte ihm, ich wolle es versuchen, seine Kapelle zu übernehmen, Lohn könne ich aber erst nach 14 Tagen zahlen, wenn ich mir ein Bild von den Leistungen der Leute gemacht habe. Bis dahin aber wolle ich für freie Station aufkommen.

vackermann ging zu seinen Kollegen. Sie hielten unter sich einen Kat, dann kam der Unterhändler zurück und sagte, alle seien mit meinem Vorschläge einverstanden.

Am nächsten Morgen teilte ich die ganze Schar in drei Gruppen. Die Leute, die seither bei mir gewesen waren, ließ ich mit Sebastian Wolf gehen, da ich dessen Treue während meiner Krankheit erprobt hatte. Acht der Ueuangenommenen schickte ich unter der Führung des Georg vackermann aus, und mit den übrigen ging ich selber weg. Jeder der drei Gruppen war ein anderer Stadtteil angewiesen, am Abend wollten wir uns in unserem Gasthause treffen. Es sollte an diesem Tage nur Straßenmusik gemacht werden.

Sch blieb mit meiner Gruppe in dem Hafenviertel, da die Leute doch noch zu wild aussahen, als daß ich mit ihnen in den Straßen, in denen die feinen Leute wohnten, hätte Ehre einlegen können. Aber trotz ihres unrasierten Kinnes und ihres langen Haupthaares zeigten sie, daß sie tüchtige Musiker waren, sie waren taktfest und verfügten über einen großen Vorrat von Sachen, die sie spielen konnten. Sie hatten auch noch die Koten, die ihnen ihr früherer Meister bei her Abreise von der Heimat übergeben hatte. Da dieser das Weite gesucht hatte, ohne seine Adresse zu hinterlassen, so war es ja kein Unrecht, daß wir die Koten einstweilen noch benutzten.

Wir hatten einen guten Tag, verdienten viel Geld, und ich konnte den Leuten, die immer Hunger hatten, ein tüchtiges Mittagessen geben lassen.

Am nächsten Tage nahm ich die Gruppe mit, die am Tage zuvor von Georg vackermann geführt worden war, und fand auch bei diesen Leuten tüchtige Leistungen.

Kun war mein plan gefaßt: ich wollte die sämtlichen 15 Mann der meisterlosen Kapelle annehmen und sie gruppen­weise spielen lassen. Zunächst schickte ich die Leute aber zum Friseur, sorgte auch dafür, daß das mangelhafte Schuh­werk ausgebessert und die Kisse in den Hosen und Böcken geflickt wurden. Auch hielt ich darauf, daß sich alle am Morgen richtig wuschen. Es waren doch einige unter ihnen, die etwas verwildert waren, und Sauberkeit war bei ihnen nichr die erste Tugend. (Fortsetzung folgt.)

Kleine Mitteilungen.

Für den allgemeinen Buß- und Bettag, den wir am Palmsonntage begehen, haben Shre Königliche Hoheit die Großherzogin folgende Texte bestimmt: Für den vormittag Psalm 79, 9hilf du uns, Gott, unser Helfer, um deines Kamens Ehre willen,' errette uns und vergib uns unsere Sünden um deines Kamens willen", für den Kachmittag 1. Kor. 16, 13Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark".