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Deutschen wegen der Enteignung der Ländereien unfreundlich gesinnt gewesen, was nicht ohne Einfluß auf das Verhalten der Bevölkerung geblieben sei. Die deutschen Missionare wurden in das Negierungsgebäude befohlen, wo sie über ihre Personalien und ihre Wirksamkeit Aufschluß geben mußten. Als sie das Gebäude wieder verlassen wollten, wurde ihnen ihre Gefangennahme mitgeteilt. Es wurde ihnen nicht mehr erlaubt, in ihre Wohnungen zurückzukehren, um nur auch das Notwendigste mitnehmen zu dürfen. Abends wurden sie auf ein Transportschiff gebracht, auf dem sie nun 8 Tage eine entsetzliche Leidenszeit durchmachten. Die Behandlung war nichts weniger als gut. Männer und grauen wurden getrennt und anfangs jede Verständigung untersagt. Die Kost war vollständig ungenügend. Während der 8 Tage bekamen die Gefangenen kein Brot und kein Wasser, statt des Brotes wurde alter Schiffszwieback gereicht, der aber ungenießbar war und Krankheiten verursachte. Das Mittagessen war äußerst spärlich, die Frauen weinten vor Hunger und Entbehrungen. Ls wurde den Gefangenen nicht einmal ein Löffel zum Essen gegeben, mit den Händen mußte die Nahrung aus der Schüssel genommen und in den Mund gebracht werden. Alle Bitten halfen nichts,' die Gefangenen wurden mehr als rücksichtslos behandelt. Nach 8 Tagen landete das Schiff in Akra, hier wurde den Gefangenen erlaubt, sich auf der Missionsstation verpflegen zu dürfen. Es geschah dies aber nur deshalb von seiten der Engländer, damit die Verköstigung der Gefangenen abgelöst werden konnte. Die Gefangenen erhielten von den Engländern nicht die kleinste Entschädigung oder Verpflegung.
Aach Ablauf von l4 Tagen wurden die Missionare wieder als Kriegsgefangene erklärt und auf einem Transportschiff nach England gebracht. Unterwegs fanden verschiedene Male Ausschiffungen statt, so daß die Missionare auf zusammen 6 Schissen untergebracht waren. In England selbst war die Verpflegung besser, die Behandlung ließ aber viel zu wünschen übrig. Liner der Gefangenen hatte eine schwerkranke Frau, die von ihm getrennt wurde. Lr setzte alle Mittel in Bewegung, um seine Frau in ihrer entsetzlichen Lage besuchen zu dürfen. Alle Bitten wurden abgeschlagen. Endlich erhielt der Mann noch Zutritt ins Sterbezimmer, als die Frau schon in den letzten Zügen lag und zwei Stunden hernach ihr Leben aushauchte. In England wurden die Frauen der Missionare von ihren Männern wieder getrennt, ohne daß den Männern über den Aufenthalt der Frauen Mitteilung gemacht worden wäre. Jedoch erhielten die Missionare durch einen befreundeten englischen Pastor die Nachricht, daß die Frauen bereits nach Holland abgeschickt worden seien. Die Missionare wurden sodann vor den Kommandanten des Gefangenenlagers geführt und ihnen eröffnet, es werde ihre Freilassung verfügt werden, wenn sie einen Ausweis über ihre Tätigkeit als Missionare vorlegen könnten. Sie erklärten hierauf, daß ihnen dies unmöglich sei, da ihre Gefangennahme urplötzlich erfolgt sei. Wegen Fehlens des Ausweises wurde aber die Freilassung verweigert. Einer der Gefangenen hatte nun zufällig den Jahresbericht des Basler Missionshauses in der Tasche, worin die Namen der Missionare und ihre Stationen verzeichnet waren. Der Bericht wurde sodann als Ausweis angenommen und die Missionare durften, nachdem ihnen noch das Ehrenwort, nicht gegen England zu kämpfen, abverlangt worden war, in die deutsche Heimat über Holland zurückkehren.
Ein pfälzischer Musikant.
Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.
(Fortsetzung.)
Während man mich auszog, war es mir, als führten alle Gegenstände rings um mich her einen Tanz auf. Die Letten bogen sich hin und her, und die Fensterkreuze neigten sich zur Seite. Dann zog sich ein dunkler Schleier vor meine Augen, und ich sank auf das Bett.
Als ich wieder zu mir kam, lag ich, gut zugedeckt, auf meinem Lager und fühlte beim Atmen die heftigsten Schmerzen in der Brust. Ts war mir, als ob mich einer mit einem Messer steche, ich stöhnte laut, daß die Kranken, die in den anderen Letten lagen, nach mir hinsahen.
Ein großer Herr mit grauem Barte stand mit einem Male vor mir und redete mich in deutscher Sprache an. Er fragte mich, wo ich Schmerzen verspüre, daraus schloß ich, daß er der Arzt sei. Lin Wärter, der einen weißen Kittel trug, richtete mich aus, und nun beklopfte mir der Arzt lange und aufmerksam Brust und Nücken und behorchte mit einem Hörrohr Herz und Lungen. Als die Untersuchung zu Ende war, sank ich matt in mein Kissen zurück und hörte, daß der Arzt in holländischer Sprache etwas zu dem Wärter sagte, um sich dann zu entfernen.
Mein Körper glühte in der Hitze des Fiebers, ich schreckte deshalb zusammen, als eine Schwester und der Wärter mir einen nassen Umschlag um Brust und Nücken legten, aber nun wußte ich doch, was mir fehlte: es war eine Lungenentzündung. Ich hatte schon oft gehört, daß man gegen diese Krankheit nasse Umschläge anwende.
Man gab mir eine Suppe zu essen, aber ich bat, als ich einige Löffel davon gegessen hatte, daß man mich lieber schlafen lassen solle, da ich zu müde sei. Bald fiel ich auch in einen unruhigen Schlaf, aus dem ich wieder auffuhr, als die Schmerzen in der Brust zu heftig wurden.
Als es in dem großen Zimmer, in dem ich lag, anfing zu dunkeln, stand Sebastian Wolf vor meinem Bett und sagte mir, die Kapelle hätte an diesem Tage gute Geschäfte gemacht, er wolle mir das Geld geben, das er eingesammelt habe. Aber ich wehrte ab. Was hätte ich in dem Krankenhause mit dem Gelde machen sollen? Ich befand mich in einem Zustande, in dem mir alles gleichgültig war. Doch bemerkte ich, wenn auch nur flüchtig, daß ein Kranker, der ziemlich entfernt von mir in einem Bette, nahe am Fenster lag, dem Sebastian Wolf etwas zurief, und es war mir, als ob dieser Kranke in pfälzischer lNundart gesprochen habe.
Im Saale war es dunkel geworden,' ein einziges Licht hing an der Wand, und schwacher Schein siel auf die Letten. Das war das letzte, das ich noch mit völlig klarem Bewußtsein jaf); denn nun kam eine Nacht, voll von Unruhe, Schmerzen, Angst und Fiebergestalten. Ich schwebte durch endlose Näume, dann stürzte ich eine gewaltige Tiefe hinunter, gleichwie der Mond, wenn der Sturmwind schwere Wolken treibt, in die Tiefe stürzt. Ich fragte mich, wer denn der Mensch sei, der solche Schmerzen habe, und wurde mir im Bruchteil einer Sekunde darüber klar, daß. ich dieser Mensch sei. Ich hatte mit der ungefälligen Wirtsfrau in Boxtel, die mir und meinen Musikanten Kaffee kochen sollte, zu tun. Mit müden Schritten schleppte ich mich auf der Landstraße dahin und sah die Pappeln an mir vorübergleiten. Meine Kapelle spielte in meiner unmittelbaren Nähe, aber ihre Musik, die ich sonst so gern hörte, gellte mir in die Ghren, daß ich Schmerzen davon bekam. Durch dunkle, schwere


