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geschrieben bat, von diesem Schicksale betroffen worden ist. Gott wolle alle diese friedlichen Missionsarbeiter in seinen Schutz nehmen!
Im Hinblick auf die Sorgen und Befürchtungen, die in dieser schweren Zeit jeden Missionssreund bewegen, führt das Kirchenblatt der Pfalz „Union" in ebenso ernster wie tröstender Weise Folgendes aus:
Wenn wir heute auf das Missionsfeld hinausschauen, könnte uns bange werden, bange um das Leben unserer Missionare, die nicht bloß den mit uns im Kriege liegenden Feinden, sondern auch der von diesen aufgestachelten heidnischen Bevölkerung schutzlos preisgegeben sind, bange um die mit so vielen Opfern erkämpften Missionsgebiete, bange um die Zukunft der heidnischen Völker, die kaum noch Vertrauen haben auf die Siegeskraft des Evangeliums und der predigt vom Frieden, wenn die Völker, die ihnen dieses Evangelium bringen, in denen das Evangelium schon so viele Jahrhunderte wirksam ist, selbst keinen Frieden unter sich haben. Besonders das Volk, das sich so gern das Mis ions- volk und Bibelvolk nennt, ist es, das den Weltkrieg entfacht hat und immer weiter schürt. Jetzt zeigt es sich, daß sein Missionsinteresse aus Habgier und Gewinn'ucht entsprungen ist, daß seine Krämerseele auch das heiligste, die Menschenseele, mißbraucht um schnöden irdischen Gewinnes willen. Wie ein vernichtendes Urteil steht über ihm geschrieben: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon." Für den Geldbeutel hat es Mission getrieben, seine Frömmigkeit war ihm Geschäft. Und wir haben dieses Volk stets bewundert als ein Missionsvolk, von dem man nur lernen kann. Nun hat uns der Krieg die innerste Triebfeder dieses Volkes zur Mission offenbart und hat der Mission einen Schlag versetzt, von dem sie sich so schnell nicht mehr erholen wird. Uicht bloß werden draußen die Missionsvölker mit Mißtrauen, ja Verachtung auf die christliche Missionsarbeit schauen, auch bei uns werden sich viele vom Missionswerk abwenden und die Mis ionsgaben uns verweigern. Die bisherigen nicht wenigen Feinde der Mission werden spottend triumphieren. Die Missionsarbeit ist durch den Krieg mit am meisten geschädigt. Wir Könnens nicht leugnen, das Missionswerk befindet sich in einer schweren Krisis. Es könnte wahrhaftig manchem Missionsfreund bange werden.
Uber wir verzagen nicht. Wenn wir diesen Krieg mit Gottes Hilfe siegreich bestehen, erwachsen unserem Volke große Uufgaben und nicht die geringsten auf dem Gebiete der Mission. Deutsche Wahrheit und Treue, deutsches Gottvertrauen und deutsche Frömmigkeit, deutschen Glauben und deutsche Bedlichkeit, deutsche Gründlichkeit und Urbei.samkrit, kurz deutsches Ehristentum den Völkern, auch den heidnischen zu bringen ist unsere größte Uufgabe und Pflicht. Vas ist unsere feste Hoffnung, daß Gott uns noch zu Großem braucht. Tine gewaltige Verantwortung wird da auf unsere Schultern gelegt. Eine unendlich große, ernste, wichtige Ausgabe wird uns anvertraut. Jetzt gilts die Verheißung, die dem deutschen Volke gegeben ist, erfüllen zu Helsen: „Und es soll an deutschem Wesen noch einmal die Welt genesen."
Wie erhaben, wie heilig ist dieser Berus, wie groß die Zeit, die wir erleben dürfen! Ein Wendepunkt der Geschichte ist da. versäumen wir den Augenblick nicht! Jeder muß mithelfen an seinem Teil und nach seinem vermögen die uns von Gott gestellte Aufgabe zu erfüllen.
Darum müssen wir auch noch mehr, noch intensiver, noch ernster und aufopfernder arbeiten auf dem großen weiten Missionsfeld. Die Schäden, die der Krieg hier verursacht, müssen
ausgebessert, aus den Buinen blühenden Missionslebens müssen noch blühendere Mißionsstätten erbaut werden. Darum dürfen wir von der Mission nicht lassen, besonders nicht in dem Land, das uns in diesem Kriege sehr enttäuscht hat, Iapan. Sollen wir jetzt aus Bache für seine Hinterlist unser dortiges Niissionswerk aufgeben und die vielen treuen Thristen dort im Stiche lassen, wie viele meinen? Sollen wir sprechen: Kein Pfennig mehr für die Mission in Japan? Wie kurzsichtig, wie falsch wäre das! Wollen wir ihnen doch lieber zeigen, daß unser Ehristentum größer ist als ihr Heidentum, zeigen, wie Thristen handeln, zeigen, daß unsere Liebe zu ihnen, den Heiden, echt ist! Wenn wir die Mission in Japan ausgäben, würden wir den Engländern die größte Freude machen, wir hätten nur Bachteil davon. Bein, das deutsche Ehristentum, das deutsche Wesen muß dort noch mehr als bisher verbreitet werden. Darum, wollen wir deutsche Thristen sein, dann mü sen wir Missionsfreunde sein. Daran können wir unser Deutschtum, unsere Vaterlandsliebe zeigen. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht.
Da? Leben in Giehen vor und während der voli?- bewegung in den vierziger Jahren de? vorigen Jahrhundert?.
von h. h—-r.
(Fortsetzung.)
Lin vollständiges, recht gutes Musikkorps, aus Berufs- musikcrn und Musikfreunden zusammengestellt unter Leitung des Musiklehrers Schierholz, ein Trommlerkorps mit Tambourmajor, Sappeure mit stattlichen Bärten, mit weißen Schurzfellen und Aexten auf den Schultern, zogen beim Aus- marsch der Lürgerwehr voran, und das Ganze bot dem Auge einen recht hübschen militärischen Anblick.
Das Kommando über die gesamte Bürgerwehr führte ein Oberst, dem für Fragen der Organisation oder besondere Maßnahmen ein Generalrat beigegeben war. Zum Generalrat gehörten außer den Ofsizieren noch einige Wehrleute, die besonderes vertrauen und Ansehen genossen.
von den Gießener Frauen und Jungfrauen wurde der Lürgerwehr eine reich in Seide gestickte Fahne gestiftet und an einem Sonntag der auf dem Brand in Parade aufgestellten Wehr in feierlicher Weise übergeben, hieran schloß sich ein Umzug durch die Stadt und ein Weihefest mit Konzert und Ball im Lusch'schen Garten. Fahnenträger war der Schneidermeister horepseck, ein stattlicher Mann.
Oberst der Lürgerwehr war zuerst der Professor Karl Vogt, der aber infolge seiner Wahl zum Abgeordneten in das Parlament nach Frankfurt bald wieder abtrat, ebenso konnte sein Nachfolger Postmeister Schön wegen Versetzung von hier das Kommando nicht lange behalten. Bach diesen wurde Oberstleutnant Fresenius, der als hessischer Hauptmann den spanischen Feldzug milgemacht hatte, damit betraut.
Sämtliche Offiziere und Unteroffizierstellen in der Bür- gerwehr gingen aus freier Wahl hervor.
Das Einexerzieren der Mannschaften fand durch gediente Militärpersonen auf dem Brand statt, während größere Gesamtübungen auf dem Trieb abgehalten wurden. Vas war dann jedesmal ein kleines Volksfest für die ganze Einwohnerschaft. wer nur konnte, zog mit, um den Bedungen zuzusehen. Die Marketender hatten Stände aufaeschlagen, da gab es Erfrischungen, Bier und warme Würstchen. In den Pausen fanden sich die Wehrleule zu ihren Familien und vergnügten sich mit diesen bei den Klängen der Lürgerwehrmusik.


