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Don der Gattin wandte ich mich zum Kinde und sah mit Staunen zu, wie es von Frau hartnagel behandelt wurde. Ls war nun gewaschen, zog die runden, roten Beiuchen nach dem Leibe zu und fing laut an zu quäken. Vas „Nmmen- bäschen" zog ihm zuerst das hemdcheu an, dann legte sie das Kind auf den Leib und knüpfte das Bändchen zu. In derselben Weise legte sie ihm das Jäckchen an, dann wickelte sie das Kind in eine Windel und umhüllte die strampelnden Vein- chen zum Schluß mit einem Wolltuche, das sie mit einer Sicherheitsnadel zusammensteckte. Dann legte sie mir kichernd meinen Sohn auf den Nrm und sagte: „Sie werden ihn doch halten können, er wiegt gut seine neun Pfund."
Das waren glückliche Stunden, die uns beiden beschert waren, wenn wir in den nächsten Wochen an der Wiege unseres Kindes saßen. Unser kleiner Knabe atmete leise im Schlafe, wir lauschten aus seine Ntemzüge und dankten Gott für alle Gnade und Bewahrung. Ich freute mich, nach langer Nbwesenheit wieder zu Hause zu sein. Der Gewinn der ersten Reise, die ich als selbständiger Meister einer Kapelle gemacht hatte, übertraf alle meine Erwartungen, ich hatte, nachdem alle Unkosten abgerechnet waren, einen Reinertrag von 1500 Mark. Ich hütete mich aber, hiervon im Dorfe etwa verlauten zu lassen, sonst wäre meine Wohnstube von Leuten, die von mir Geld hätten leihen wollen, nicht leer geworden.
Uls unser Sohn vier Wochen alt war, ließen wir ihn taufen. Drei Namen gaben wir ihm mit aus die Lebensreise. Zur Erinnerung an meinen Vater sollte er Johannes heißen, dann war es mir ein Herzenswunsch, einen meiner Musikantenkollegen, mit denen ich seither so viel Mühsal und Beschwerde geteilt hatte, als Paten zu nehmen. Nach längerer Ueberlegung fiel meine Wahl auf Sebastian Wolf aus Imsweiler. Er stand in demselben Nlter wie ich und war einer der brächten und ehrlichsten Musikanten, die ich jemals kennen gelernt habe. Seit einigen Jahren war er verheiratet und weil er fleißig und sparsam war, ging es ihm gut. Endlich sollte Wilhelm Hinkel aus Stein-Bockenheim Gevatter stehen,' ich hatte von ihm, als ich noch ein junger Dienstknecht war, nur Liebe und Freundlichkeit erfahren. Beide gingen gern auf meine
Bitte ein. und so ließ ich denn von dem Bürgermeister eintragen, daß mein Sohn Wilhelm Iohannes Sebastian heißen sollte. Wilhelm sollte er gerufen werden.
Zu meiner großen Freude war zur Taufe auch meine alte Mutter erschienen. Ich hatte sie in der Kutsche holen lassen, mit der ein Fürselder Bauersmann, wenn die Feldarbeit nicht zu sehr drängte, Reiselustige über Land beförderte. Diese Kutsche war allerdings kein modernes Fahrzeug, sie ging nicht aus Gummirädern, sondern war ein alter, geräumiger schwerfälliger Reisewagen, der mit großem Gepolter über die Landstraße dahinschwankte. Man nannte ihn im Dorfe den „Familienwagen", auch die „Nrche Noäh" oder den „Rumpelkasten". Über man saß doch ganz gut darin, zum mindestens hatte man Platz, und meine gute Mutter freute sich über diese Fahrt,' sie war noch nie in ihrem Leben in einer Kutsche gefahren. (Fortsetzung folgt.)
ttirchliche Anzeigen.
Sonntag, den 10. Januar, 1. nach Epiphanias. Landesmissionsfest.
Kollekte für die Heidenmission.
Gottesdienst.
In der Stadtkirche.
vormittags 9 V? Uhr: Pfarrer D. Schlosser, vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde.
Pfarrer D. Schlosser.
Nbends 5Uhr: Pfarrer Schwabe.
Mittwoch, den 13. Januar, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer D. Schlosser.
In der Johanneskirche.
vormittags 9Vs Uhr: Geh. Kirchenrat Prof. D. E ck. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde.
Pfarrer Bechtolsheimer.
Nbends 5 Uhr: Pfarrer Nusfeld.
Nbends 7Ve Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde im Lukassaal, sowie der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde im Johannessaal.
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Verantwortlich: für den Textteil Pfarrer Bechtolsheimer, für den klnzeigenteil fj. Beck; Druck und Verlag der Brühl'fchen Unioerfitäts-
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