Ausgabe 
8.12.1918
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Vater von vier Kindern sofort unter die Waffen rief. Bist du, lieber Leser, vielleicht auch so ein Grübler und Zweifler? Laß dich nicht solange aufhalten!

An den schlichten Feldpostbriefen unseres Wehr- mannes war mir besonders auffallend, daß nie ein Klagelied oder ein Murren zu hören war, sondern stets ein lieblicher Ton der Dankbarkeit für erfahrene Hilfe und Güte Gottes herausklang. So ist es nicht zu verwundern, daß er die Wahrheit des Schrift- Wortes erfahren durfte:Wer Dank opfert, der preist' Mich, und das ist der Weg, daß Ich ihm zeige das Heil Gottes." (Ps 50,23.) Möchtest du, lieber Leser, nicht auch diesen schönen Weg einschlagen? Durch Dankbarkeit gegen Gott zum Heil Gottes!

Äußerlich betrachtet, ging es freilich einen schweren Weg. Durch Schanzarbeit in ständiger Nässe zog der gesunde, starke Manu sich eine Rippen- fell- und Lungenentzündung zu. Fieberglühend und abgezehrt fand ich ihn im Lazarett. Meine größte Sorge auf dem Wege war die gewesen, Gott möge ihn doch nicht wegnehmen, ehe er in Christo Er- rettung gefunden habe. Als ich aber an sein Bett trat, legte er die linke Hand auf die keuchende Brust, hob die rechte in die Höhe, sah mich mit seinen fieberglänzendeu Augen groß an und brachte mühsam die Worte hervor:Viel Glück! Der Heiland! So einfach und so groß I" Nun wußte ich genug; meine bange Sorge wich großer Freude.Der Heiland! Das ist etwas Großes!" So be- zeugte er wiederholt.Wie schwer haben oft meine Sünden mich gedrückt! Aber jetzt ist alles weg alles weg!" Und dabei machte er eine energische Handbewegung und fuhr daun fort:Wie ist es

mir so leicht! Wie bin ich doch so froh!"

Immer wieder bat er mich, ihm etwas aus der Bibel vorzulesen;aber etwas vom Heiland," setzte er meist hinzu. Wie ein Dürstender den frischen Trunk, so nahm er das Wort des Evan­geliums auf. Auch Verse aus geistlichen Liedern: Mir ist Erbarmung widerfahren" u. a. wollte er immer wieder hören. Wiederholt rief er, so laut er konnte:Jesus, Heiland meiner Seele, laß an

Deiner Brust mich ruh'n!" Dabei betonte er mit Nachdruck das Wörtchenruh'n", und ich ließ es ihm so, obwohl der Vers eigentlich etwas anders lautet. Er ruhte wirklich an der Brust seines Hei­landes. O selige Ruhe I

Einmal fragte ich ihn:Wie ist es denn ge­

kommen, daß du nun deinen Heiland gefunden hast?" Da sagte er:Ich weiß es nicht; auf einmal war Er bei mir; ich durfte Ihn nur nehmen." Und nach einer Pause fuhr er fort:Wie bin ich doch

so dumm gewesen, so dumm! Bin vierzig Jahre auf dieser Welt herumgegangen und habe den Hei­land nicht gefunden! Wieviel habe ich mich geplagt mit Zweifeln und Grübeln! O hätte ich doch gewußt, daß es so einfach ist, so einfach!"

Nur eins drückte ihn noch. Als ich ihm das Lied vorsagte:Wo findet die Seele die Heimat,

die Ruh'?" sagte er bei manchen Stellen:O wie schön!" Aber beim Schluß:So komm, o mein

Heiland, und hole mich heim," schwieg er nachdenk- lich still, und ein Schatten kam über sein Angesicht. Nach einer Weile sagteer:Ich wäre noch so gern bei meiner Frau und meinen Kindern geblieben!" Ich seufzte innerlich und durfte ihm daun sagen: Sieh, wenn der Heiland dich heimholt, dann sorgt Er auch für deine Frau und deine Kinder. Du darfst es glauben, Er hat sie noch viel lieber, als du sie hast." Ec hob den Kopf, und sein Gesicht hellte sich wieder auf.Ja, unsere Liebe und Seine Liebe, das ist gar kein Vergleich! Das glaube ich, daß Er besser für sie sorgen kann als ich." Nun war er von allem Irdischen los und konnte sich ganz in die Hand seines Heilandes legen. Wenn Er mich holen will, dann soll Er bald kommen." Das war sein letztes Wort. Er schloß die Augen, blieb ruhig liegen und schlief fried- lich ein.

Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hatdasewigeLeben!" K. E.

K

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Keil dem Sünder!

Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten." (Matth. 9, 13.)

Mein Jesus nimmt die Sünder an,

Die reuig zu Ihm kommen.

Kein einz'ger je dem Zorn entrann Von den vermeintlich Frommen;

Nur wer sich "selbst im Licht erkannt Und seine Schuld dem HErrn bekannt.

Dem will Er Gnad' erzeigen.

Mein Jesus nimmt die Sünder an.

Die großen und die kleinen.

O möchten sie doch Mann für Mann Am Gnadenthron erscheinen!

Warmn, du unbekehrtes Herz.

Willst du vergehn in deinem Schmerz?

O komm zu Jesu Füßen!

Mein Jesus nimmt die Sünder ein,'

Des jubelt meine Seele.

Ich will mich reuig zu Ihm nah'n.

So oft ich mich verfehle.

Er tut Sein liebend Herz mir auf.

Stärkt mich in meinem Glaubenslauf;

Preis Ihm für Sein Erbarmen! W.

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