Ausgabe 
29.9.1918
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ihren Schrecken für den beharrlichen Sünder. Und Jesus sagte auch, daß Himmel und Erde vergehen würden, nicht aber Seine Worte. Fast alle Bücher der Bibel zeigen uns, neben den herrlichsten Ver- heißungen, im Hintergrund das Wetterleuchten kom­mender Gerichte. Sie zeigen das Heraufkommeu eines sehr schweren Gotteszornes, der mit seinen Schrecken über die unversöhnte Sünderwelt hereinbrechen wird. Der Sünder hat mit der Verwerfung der Sühne im Opfer Christi das äußerste getan, was ein Mensch vor Gott tun kann. Es -muß darum nach Ver- werfung der Gnade das Gericht in seine Rechte treten.

Ein zwiefaches Ziel zeigt die Schrift für alle Wege der Menschenkinder: das ewige Leben und den ewigen Tod. Eins von diesen beiden Zielen wird, mein Leser, auch bald das deiuige sein. Nur eine kurze Spanne Zeit trennt dich von dem Tage, wo es auf immer erreicht sein wird. Pfeilgeschwind gehen die Jahre dahin.Unser Leben ist wie ein Dampf, der fine kleine Zeit währt, danach aber verschwindet." (Jak. 4, 14.) Nur diese kurze Spanne Zeit ist dir gegeben, um zu wählen, um dich zu entscheiden. Ewigkeiten werden dahinrollen, aber dir wird keine zweite Gelegenheit zu wählen gegeben werden.

Du hast jetzt noch deine auf das Irdische sich beziehenden Sorgen, deine Freuden und Leiden. Geld und Gut, Ehre und Lust der Welt scheinen dir etwas zu sein. Aber nach ganz kurzer Zeit wird all das für dich gänzlich nichtig geworden sein. Es wird bald das Irdische für dich in gänzliche Be- deutungslosigkeit und Wertlosigkeit hinabgesunken sein. In deiner Sterbestunde, am Tage des Ge­richts, was könnten dir dann alles Gold und alle Kronen der Erde sein, wenn du den ewigen Gott gegen dich hast? Eins ist not, hat Jesus gesagt. Stunden kommen und Tage, wo dieses Wort weder von dir noch von irgend jemand sonst bestritten werden wird. Stunden kommen und Tage, ivo es feststehen wird auf allen Höhen und in allen Tiefen, daß in der Tat zu allen Zeiten und für alle Menschen nur eins not war und nur einer: Jesus Christus, die Rettung in Seinem Namen und die gläubige Verbindung mit Ihm.

L

Die suchende Seele.

Die suchende Seele ist in ihrer Verwirrung und Unruhe in peinlichster Selbstbetrachtung festgehalten. Sie blickt beharrlich auf ihre tiefe Verderbtheit, auf ihre wechselnden Gefühle. Sie beklagt ihren Mangel an Ernst und Kraft, und indem sie so beständig mit sich selbst beschäftigt ist, sinkt sie in immer tieferes Elend hinab. Durch den Glauben macht sie diesem Zustand 'ein Ende. Sie kehrt sich selbst und ihrem

Elend und ihrer ganzen Vergangenheit den Rücken, um Auge und Ohr und Herz Christo zuzuwenden. Dann aber bahnt ein großer wunderbarer Wechsel sich in ihr an. Nicht mehr, was sie ist und tut, erregt ihr Interesse und ihre Aufmerksamkeit, sondern das, was Christus ist und getan hat. Die Seele sieht, hört, traut nicht mehr sich selber, sondern allein Christo. Sie entzieht sich jedem anderen Ein­fluß und jeder anderen Empfindung. Auf Christum blickt sie, an Ihn hängt sie sich, Ihm vertraut sie, Ihn läßt sie gelten und nichts außer Ihm im Himmel und auf Erden.

Vielleicht darf eine Mitteilung aus dem Leben des Schreibers dem einen oder anderen dienen.

Ein Ringen der Liebe und des Geistes Gottes war, sehr früh beginnend und immer erneut ein- setzend, durch mein Leben gegangen. Endlich brach mein Widerstand. Ich entschloß mich, Gott zu suchen und mit Ihm ins Klare zu koinmen, was cs auch kosten möge. Zwar hatte ich schon oft solche Ent­schlüsse gefaßt. Aber diesmal geschah es mit einer das ganze Herz durchdringenden Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit. Unter der Unerschütterlichkeit des Entschlusses brachen alle die Hindernisse und Fragen und Sorgen, mit denen der Feind lange meine Seele ausgehalten hatte, zusammen. Alle Erdensorgen und Ängste waren erstickt durch die Sorge um die letzten und höchsten Fragen. Auf dem Schlachtfeld meiner Seele setzte ich nun alle Kräfte ein. Ich wollte durch Beten und Kämpfen zum Ziele ge­langen. Mitten in dies erregte Ringen hinein aber fiel das Zeugenwort eines Jüngers Jesu. Es hielt meiner verwirrten Seele das strahlend helle Licht des Evangeliums entgegen:Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat das ewige Leben...", der wird nicht gerichtet..der wird nicht verlorengehen." (Joh. 3, 36; V. 1518.)

Eine völlige Überraschung bedeutete für mich die Frage nach dem Glauben. Die ganze Bewegung in meinem Innern kam zum Stillstand. Konnte und wollte ich glauben dem Werke und Worte Christi, das war also die entscheidende Frage. In der Stille sann ich betend nach über den Schrift­worten von der Sündenvergebung durch den Glauben an Christum. Zögernd zuerst, aber dann immer voller und bestimmter wandte sich mein Glaubens­auge dem Kreuze zu. In Wirklichkeit wußte ich ja, daß für mich keine Hoffnung da sei, außer der einen großen, die sich mir am Kreuze bot. War es zuviel gewagt, wenn ich der Aufforderung folgte und mein ganzes Vertrauen auf die Heilstat setzte, die am Kreuze geschah? Betrat ich nicht einen gewissen und festen Weg, wenn ich den Weg des Schrift- zeugnisfes betrat? Indem ich aber mit festem Ent­schluß auf diesen Felsengruud meine Füße setzte, sanken vor meinem suchenden Auge langsam die Hüllen. Ich sah das Wunder der geschehenen Sühnung und Erlösung durch das Kreuz,