Ausgabe 
4.8.1918
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Laßt euch niemand das Ziel verrücken!"

(S-lbsterlebtes.)

Zuweilen besucht mich eine alte Bauernfrau aus der Umgegend. Sie ist in Blankenburg auf einer Konferenz zum Glauben gekommen, und ihr Eifer, in der Nachfolge Jesu zu leben, ist be­wundernswert. Ja, sie ist glücklich im HErrn, nur ein Kummer bedrückte sie bei ihren ersten Besuchen: ihr Mann und ihre einsige schon erwachsene Tochter lehnten es beharrlich ab, denselben Weg mit ihr zu gehen. Sie sandte ihre Tochter schon nach Blanken­burg und in andere christliche Häuser, aber dieselbe kam stets so tot wieder zurück, wie sie gegangen war.

Auch hierher sandte sie sie, um Gottes Wort in der Gemeinschaft zu hören; es zog sie an, aber zum Frieden kam sie nickt Nun besuchte sie mich auch, und ich bat Gott, mir das Hindernis zu zeigen, weswegen die a>me Seele keinen Frieden sinden könne. So still und verschlossen sie sonst war, öffnete der Herr ihr das Herz und die Lippen, und sie erzäblte mir, als Kind hätte sie ganz einfällig und k ndlich glauben können, aber dann hätte eine sehr kluge,- gebildete Freundin, zu der sie immer avfgeschaut hätte, durch etliche Worte ihr das Ver­trauen zu Gott und Seinem Worte genommen.

.tu diesem Augenblick, erzählte mir das junge Mädchen, sei es ihr gewesen, als hätte sie alles auf einmal verloren und als ob sich eine Kruste von Eis um ihr Herz gelegt hätte. Sie hatte der Stimme der Schlange geglaubt, gründlich war ihr vom Feinde das Ziel verrückt ivorden, i nd nun hatte das Leben alles Glück, alle Freude für sie verloren.

Es war sehr schwer, sie vom Gegenteil zu über­zeugen, aber daheim betete ihre Mi tier für sie, und ich schrie zum HErrn. Während ich sprach, drückte sie mehrere Male die Hand aufs Herz und sagte: Ich kann es fühlen, daß die Eisrinde schmilzt, aber sie ist noch nicht ganz geschmolzen." Damit ging sie. Ich fuhr frr', für sie zu beten, und hatte die große Fieude, daß sie am nächsten.Morgen mit strahlendem Ang> sicht wiederkam. Das Eis war über Nacht völlig geschmolzen. Jesus, der Auf­erstandene, hatte Sich ihr als der Lebendige, als der Sieger und Erretter ihrer Seele offenbart, sie war des ewigen, herrlichen Ziels des Lebens wieder gewiß geworden, und die Mutter war überglücklich, als ihr Kind völlig umgcwandelt zu ihr zurüflkchrte.

Nun hat auch der Bnter sich dem HErnr ergeben, und es werden jetzt Versammlungen in diesem Hause gehalten. - Helene von Haefeler.

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Auf der Wage gewogen.

Mein Text ist sehr kurz, er lautet:Tekel", das heißt:Du bist auf der Wage gewogen und zu leicht erfunden." Im fünften Kapitel des Buches Daniel lesen wir die Geschichte des Königs Belsazar.

Es wird uns erzählt von einem üppigen Mal, welches er bereiten ließ.

Seine tausend Gewaltigen versammelte er um sich und soff fick voll mit ihnen. Und da er trunken war, hieß ei die goldenen und silbernen Gesäße herbringen, die sein Vater Nebukaduezar aus dem Tempel zu Jerusalem weg- genommen hatte, daß der König mit seinen Gewaltigen, mit seinen Weibern und mit seinen Kebsweibern daraus tränken. Also wurden hergebracht die goldenen Gefäße, die aus dem Tempel, aus dein Hause Gottes zu Jerusalem, genommen waren; und der König, seine Gewaltigen, seine Weiber und Kebsweiber tranken daraus. Und da sie so soffen, lobten sie die goldenen, silbernen, ehernen, eisernen, hölzernen und steinernen Götter. Eben zur selbigen Stunde gingen hervor Finger als einer Menschenhand, die schrieben gegen dem Leuchter über aus die getünchte Wand in dem königlichen Saal. Und der König ward gewahr die Hand, die da schrieb. Da eulsäibte sich der König, und seine Gedanken erschreckten, daß ihm die Lenden erschütterten und die Beim zitterten."

Welch ein Schr"ck durchfuhr die Glieder bei königlicken Sünders, ?ic- er die Fckmmenschrift an der Wand gewahrte, n.r jo mehr, als keiner seiner Weilen, Siernseher und Zauberer imstande war, die Schr ft zu lesen. Dock es gab einen Mann iin Königreich, der mit der Schuft vertraut war, die­weil er den Schreiber kanme. Daniel, der Prophet des Höchsten, lvurde hergerusen, und er las dem König die Schrift und gab ihm die Deutung.

Kurz war der Text, gewaltig die Auslegung, furchtbar die Ausführung» schrecklich die Erfüllung. Die Verhandlung ist schnell beendet, das Urteil ist gesprochen und vollzogen. In derselben Nackt wurde der lüsterne König von seinem Tbron gestoßen. Cyrus zog ein in die Stadt. Man hörte den Fuß­tritt der Gewappneten, das Klingen der Waffen, das Tr umpbgi schrei der Sieger, und in jener Nacht wli'de das Blut des dem Gericht verfallenen Königi Belsazar mit dem be m Prunkmal in Strömen fließenden Wein vermischt.

Laßt mich nun, meine Freunde, ein wenig stehcnbleiben bei dem Wvrtlein Tekel" du bist in einer Woge gewogen." Einige pflegen an den Worten Gottes herumzu- nörgeln. Du magst die Schrift kritisieren, solang! alles gut bei dir steht. Wenn das Weiter schön ist, deine Gesundheit nichts zu wünschen übrig läßt und dein Geschäft rentabel ist, dann magst du frogeii gleich Pharao: Wer ist der Gott, dessen Stimm! ich hören niüßte? Aber warte nur ein wenig, dik Lage wird sich vollstätidig ändern, sobald Trübsal über dich hereinbrickt.

Vorausgesetzt, die Stimme des HErrn riefe dir, mein Freund, in diesem Augenblick einHalt" auf deinem Wege zu. Würdest du bereit sein, dich auf der Wage der Gerechtigkeit wiegen zu lassen? Ich meine nicht, ob du bestehen kannst auf der Wage deines eigenen Urteils, sondern auf der Wage Gottes. Kannst du dm wiegen lassen nach dem Gesetz des HErrn?