Geist stets weiter an meinem Herzen, und als ich den nächsten Sonntag das Bett verließ, fühlte ich, daß dieser Tag mein Schicksal entscheiden würde.
Mancherlei Pläne durchkreuzten meinen Sinn, aber ich erkannte, daß ich sie alle als unheilsam verwerfen müsse, und gegen Abend fühlte ich einen starken Trieb, in eine Evangelisationsversammlung zu gehen, und ich ging. Das Haus war ganz voll Menschen, und nur mit großer Mühe arbeitete ich mich durch die dichtgedrängte Menge nach dem Rednerpult hin. Hier sah ich den Apostel der Trinker und derer, die um ihres schlechten Lebens willen aus der menschlichen Gesellschaft ausgestoßen sind — den Gottesmann 3. M. A. Als er sich von seinem Sitze erhob, wurde in der Versammlung tiefe Stillei er erzählte seine Erfahrung, jene einfache Geschichte, die ich nachher noch so manchmal hörte, die aber stets neu erschien, wie er nämlich ein Dieb, ein Vagabund, ein Trunkenbold gewesen sei; „aber," sagte er, „ich gab Gott mein Herz, und Er errettete mich heraus aus aller Lasterhaftigkeit und Gottlosigkeit." Es sprach eine solche Aufrichtigkeit aus diesem Manne und aus seinen Worten, daß man von der Wahrheit seines Bekenntnisses überzeugt sein mußte, und unwillkürlich mußte ich zu mir selbst sagen: „Es soll mich doch wundern, ob auch -ich noch gerettet werden könnte." 3ch lauschte dann noch den Zeugnissen von etwa 25 bis 30 Personen, die alle erzählten, wie auch sie durch die Sünde ruiniert gewesen, wie sie aber nun durch Gottes Gnade gerettet seien, und da faßte ich den Entschluß, mich retten zu lassen und lieber am Platze zu sterben, als ungerettet wieder u>eg- ' zugehen.
Nach dem Schlüsse der Versammlung wurden die, die gerettet werden wollten, cin- gcladen, noch etwas zu bleiben und nach vorn zu kommen. Mit einer ganzen Schar Trunkenbolde kniete auch ich dort nieder. Ich werde
diese Szene nie vergessenI Mich wunderte, wie es nur zugehcn sollte, daß ich mit Gottes Hilfe gerettet würde. Ich war ein ganz Fremder
dort, aber ich fühlte, daß man Mitleid mit mir hatte, und das half mir mächtig. 3. betete
zuerst, ich werde es nie vergessen, er sagte:
„Teurer Heiland, willst Du nicht in Barmherzigkeit auf diese armen Seelen sehen? Sie haben Deine Hilfe nötig. HErr, sie können nicht länger ohne Dich ihre Wege gehen. Treuer 3esu, diese armen Sünder sind in eine böse Grube geraten; willst Du ihnen nicht heraushelfen? Rede Du mit ihnen, HErr, um Deiner Barmherzigkeit willen! Amen." Nach ihm betete feine Frau inbrünstig für uns, und 3. forderte dann die übrige Versammlung auf, auf den Knien
zu bleiben und zu beten, während er uns Gerettetseinwollende auffordern werde, für uns selbst zu beten. Cr ging sodann von einem zum anderen und sagte: „Beten Sie, sagen Sie jetzt dem HErrn, was Sie wünschen, das er 3hnen tun soll." O wie zitterte ich, als er sich mir näherte. Obgleich ich niedergekniet war mit dem festen Vorsatz, Gott mein Herz zu geben, so fühlte ich mich doch nun in diesem erhabenen Moment der Entscheidung mit unwiderstehlicher Macht zurückgehalten. Der Teufel kniete an meiner Seite und hielt mir Sünden aus meinem vergangenen Leben vor; Taten, die ich schon längst vergessen hatte. „Warum," raunte er mir zu, „hast du diese Dinge getan, wenn du d ' ein Christ werden willst? Und so schnell sol. das gehen, heute abend noch? Wäre es nicht besser, du würdest noch warten, bis du aus dem Durcheinander und aus der Unruhe heraus bist, worin du dich jetzt befindest, und dann dich aufmachen?" Ein gewaltiger . . mpf tobte in meiner Seele! Cs mar mir, als yörte ich eine liebende Stimme sagen: „Komm!" Der Teufel sagte: „Sei vorsichtig." Da legte 3. seine Hand auf mich und ermunterte mich zu beten. 3ch antwortete: „Können denn Sie nicht für mich beten?" 3. aber sagte: „Alle Gebete der ganzen Welt können Sie nicht retten, wenn Sie nicht selbst für sich beten." 3ch zögerte einen Augenblick, dann sagte ich mit brechendem Herzen: „HErr 3esus,, kannst Du mir nicht helfen?" Mein lieber Leser, nie, solange ich eine sterbliche Zunge habe, kann ich diesen Moment beschreiben. Obgleich meine Seele >mit einer unbeschreiblichen Finsternis umgeben war, so war es mir doch, wie wenn die herrlichste Klarheit des mittäglichen Sonnenscheins in mein Herz hineinleuchtete. 3ch fühlte, daß ich nun ein freier Mann geworden war. O dieses köstliche Gefühl der Sicherheit, der Freiheit der Ruhe in Fesu! 3ch war msr dessen bewußt, daß Fesus, der große Sünderheiland, mit all Seiner Herrlichkeit und Macht in' mein Leben hineingekommen, daß in der Tat das Alte vergangen und alles neu geworden war.
Von jenem Augenblick an bis jetzt habe ich nie mehr ein Verlangen nach geistigen Getränken gehabt. Und wenn ich alles Geld besäße. das ich je gesehen habe, so könnte es mich nicht mehr zum Trinken solcher Getränke bewegen. 3ch versprach Gott in jener Nacht, daß, wenn Er den Reiz nach geistigen Getränken von mir nehme, ich mein ganzes Leben in Seinen Dienst stellen und nur 3hm leben und für 3hn arbeiten würde. Er hat treulich Sein Teil getan, und ich habe versucht, das meine zu tun.
Vier 3ahre nach meiner Bekehrung wurde ich durch die Vertreter des alten 3. M. A.
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