Das alles sah ich im Geiste, während ich dort saß. Der sengende römische Himmel blaute über mir und schillernde Eidechsen huschten durch die Trümmerspalten.
Und ich sagte mir: Wo sind heute die Christen, die Gut und Blut, Sicherheit und Leben für ihren Heiland dahinzugeben willens sind? Schon den Namen Jesu als den seines HCrrn auszusprecheii, bringen vielevon ihnen nicht fertig, weil der Nachbar darüber lächeln oder der Freund mitleidig die Achseln zucken könnte. Und während in jenen fernen Jahrhunderten die Bekenner Jesu Gefahren und Verfolgung nicht achteten, um in unterirdischen Gewölben zusammenzukommen und gemeinsam zu beten und ihren Heiland zu loben, schätzen manche derjenigen, die sich heute Christen nennen, eine Bibel- oder Gebetsstunde niedriger ein, als Kino und Theater.
„Ich kann nicht verstehen," sagte einmal ein sogenannter Christ, „daß man soviel von Opfern spricht, welche die Leute für ihren Glauben bringen. Meiner hat mich noch nicht fünf Pfennig gekostet."
„Daraus ersieht man," fiel ein wahrer Jünger Fest, ein, „daß dir der HCrr Jesus keine fünf Pfennig wert ist!"
Lieber Leser, wieviel ist Jesus dir wert?
Wenn Er dir nicht dein Leben wert ist, so bist du Ihm die Ewigkeit nicht wert. _
Wenn du Ihm nicht dcineSünden bringst, damit Cr sie dir vergebe, und du Ihm danach nicht Zeit, Kraft, Geld, Willen, Glieder, Gedanken. Herz und Seele zu eigen gibst als deinem .HCrrn und König, so nützt dich vein Opfertod auf Golgatha und die dort vollbrachte Erlösung und Versöhnung mit Gott weniger wie nichts, denn sie wird dir zum Gericht.
, „Niemand kommt zum Vater, denn durch Mich," sagt der Heiland.
Und Paulus bekennt, daß er alles, was ihm im Leben Gewinn war, um Christi willen für Schaden achte, auf daß er Ihn gewinne und in Ihm erfunden werde.
Wie stehst du zu dem Heiland? Ist Er schon dein Heiland geworden?. Sonst eile und errette deine Seele! M. M. M.
R
Kin Hleiseertebnis von Dr. Baedeker.
Doktor Bädeker hatte in Transkaukasien eine Anzahl Versammlungen in einem fernen Armenierdorf tief in den Bergen gehalten. Es war Ende Dezember. Die späte Jahreszeit, die schauerliche Einsamkeit der Gegend, die Gefahr plötzlich auftretender Schneestürme, alles zusammen machte die Reise wenig lockend für einen,
der das Land kannte. Aber die Dörfler hatte, ihn bei so mancher früheren Gelegenheit gedrängt, sie zu besuchen, ohne daß er ihren Wunsch zu erfüllen vermochte. So konnte er ihrer inständigen Bitte nicht länger widerstehen.
Es wurde für ihn ein denkwürdiger Weihnachtsmorgen, an dem er ihnen 'Lebewohl sagte und sich mit seinem armenischen Übersetzer und Führer auf den Rückweg machte. Einige Brüder aus dem Dorfe begleiteten sie noch ein Stück, um ihnen den Weg zu weisen. Dann blieben auch sie zurück, und die beiden setzten ihren
Marsch allein fort.
Ich weiß nicht mehr, wie lange sie in der weiten Einöde gewandert waren, als der Führer merkte, daß er die Richtung verloren hatte. Di« Zeichen der heraufkommenden Nacht machten sich bereits bemerklich. Und wenn die Nacht kommt, so geschieht es in diesen Bteiten ganz plötzlich. Da stand der Armenier endlich still und sagte: „Ich kann nicht weiter. Ich bin ganz erschöpft. Wir haben. den Weg verloren und laufen in
der Irre."
„Siehst du nichts, was dir bekannt vorkommt? Nichts, was uns unseren Standort oder unsere Richtung angibt?" erkundigte sich der Doktor.
„Ich habe vergebens nach einem Zeichen oder einer Wegmarke ausgeschaut! Wehe uns! Wir kommen bis zum Morgen um vor Kälte! In ein paar Minuten geht die Sonne unter."
„Dann wollen wir hier am Flecke auf die Knie gehen und unserem himmlischen Vater alles sagen," sagte Baedeker.
„AchNch Tor! Solch eine Reise zu wagen in so unbekannter Gegend, zu solcher Zeit!" stöhnte der Begleiter.
Ruhig erividerte Baedeker: „Gott kann für uns sorgen und uns leiten. Wir wollen Ihn darum bitten."
„Wir sind gewiß stundenweit von jeder menschlichen Wohnung, und mir werden die Beine so schwer. Ich sehe die Heimat nicht wieder!"
„Wenn du dem Weg nicht kennst, Gott kennt ihn. Komm, höre aus zu jammern und laß uns beten!"
Schweigend knieten die beiden einige Minuten nebeneinander. Dann wandte der Doktor sein Antlitz gen Himmel und rief in seiner fröhlichen, vertrauensvollen Art Den an, auf den er mit solch triumphierendem Glauben sich verließ.
„Vater, wir können nicht umkommen, denn wir sind allezeit in Deiner Hand und unter dem Schatten Deiner Flügel. Du kennst unseren Weg. Sende uns Hilfe in unserer Not und führe uns an einen sicheren Ort!"
Ein fernes Hundegebell unterbrach den Beter.


