Ausgabe 
31.3.1918
Seite
3
 
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Es erfolgte keine Antwort.

Willst du nicht mit mir reden?"

Wer find Sie?" fragte er trotzig.

Ich meine es gut, ich möchte dir etwas Hutes erweisen und dir helfen."

Wer hat Sie hergeschickt?"

Ich komme aus eigenem Antrieb, um deinetwillen."

Ich könnte Sie töten I Mit einem einzigen Schlage! Hinaus aus meiner Zelle!" schrie er heiser, und wieder rasselten die Ketten des leiden­schaftlich erregten Menschen.

Du wirst mich doch nicht töten!" ant­wortete sie mit einem kleinen, silbernen Lachen, sWas hättest du davon? Ich meine es gut mit Sir, nicht böse. Ich will mit dir vom Heiland reden."

Hinaus!" sage ich,ich will nichts hören."

; Dieder das Kettengerassel, und der rohe Mensch l legte die Hände auf die Ohren.

Dann werde ich zu Hause für dich beten l und dich bald wieder besuchen. Wir haben alle Vergebung nötig, und wenn ich bete, will ich l Gott bitten, dir und mir zu vergeben. Gotl besohlen!"

Der Gefangene gab keine Erwiderung, und s !ie öerlietz die Zelle so ruhig, wie sie eingetreten war. Dann besuchte sie den Gefangenen immer l wieder und bemühte sich auf alle Weise, an sein s erhärtetes und ertötetes Gewissen zu kommen.

Ich möchte wohl wissen, iver Sie eigent- ich sind?" fragte er einmal, als feine Neugier stärker wurde als feine Wildl)eit.

Ich bin die Tochter des Barons von- Wrede," antwortete sie.

Der Gefangene starrte sie an.

Sie wollen mir doch nicht weismachen, daß so rin kümmerliches Frauenzimmer wie Sie die Tochter oon dem nobel», hübschen Manne ist!" rief er aus.

Ich bin 's aber doch," sagte sie.Es können nicht alle so groß und hübsch sein, wie mein Later und du!"

Dieses fäserzhafte Kompliment brach seinen Widerstand völlig. Ein oder zivei Minuten ver­harrte er in Schweigen.

Es hat gar keinen Zweck, daß Sie mit mir reden," fing er wieder an.Mit mir kann nie­mand etwas anfangen, mein Herz ist hart wie Stein!"

Wie freue ich mich, daß du das sagst," antwortete sie strahlend.

Was soll das heißen?" fragte er ärgerlich.

Ich freue mich, daß dein Herz hart wie ! Stein ist," erklärte sie ihm.Ich habe schon , Blumen, ja bisweilen gar Bäume aus den Steinen wachsen sehen, und du auch Ein kleines Samenkorn fällt in eine Höhlung, wurzelt ein und wächst, und der Stein wird schön geschmückt. So, denke ich, wird ein Wort, das der HErr mir für dich geben wird, in deinem steinernen | herzen Wurzeln schlagen. Ich bete schon dafür."

Sie betete, und ihr Gebet wurde erhört. Der grausame Mörder erkannte seine Sünden, suchte und fand Frieden mit Gott durch den HErrn Iesum, den einigen Mittler zwischen Gott und den Menschen. Gott, hatte der treuen Arbeiterin diese Seele geschenkt.

Möllige Mergeöung.

Höre, Schuldbeladener, es sollen auch dir die Sünden erlassen werden! Höre es, du, der du dich im Schlamme der Sünde ge­wälzt hast, bis du 'blutrot davon geworden bist, bis dir die Sünde sozusagen zur anderen Natur geworden ist; bei Gott ist Macht, das Blutrote schneeweiß zu machen.Alle Sünde und Lä­sterung wird den Menschen vergeben." Diese Worte klingen mir lieblicher als die schönste Dichtung: ich finde sie weit eher wert, ln goldener Schrift gedruckt zu werden, als sämtliche Aus­sprüche der weisesten Philosophen des Altertums. Welche bessere Botschaft kannst du einem schuld­beladenen Menschen verkündigen, als daß ihm Gott Gnade aufbehalten hat und bereit ist, ihm zu vergeben? Sage ihm, daß es nicht wahr ist, wie so viele meinen, daß alles, was wir uns je haben zuschulden kommen lassen, not­wendigerweise auf uns liegenbleibe und uns hienieden und jenseits zum Schaden gereiche. Es ist nicht so; es ist ein Mittel gegen das Sündenübel von Gott vorgesehen. Ja, Gott kann sogar die Spuren verwischen, die nach der Hei­lung von der Krankheit zurückgeblieben sind. Die Sünde kann vollkommen vergeben und für immer beseitigt werden. Gedenkt der Worte des HErrn:Ich vertilge deine Misse­taten wie eine Wolke und deine Sünden wie den Nebel." Ist eine Wolke fort, so ist der Himmel nicht schwärzer, sondern ebenso klar, wie er gewesen ist, ehe sich die Wolke bildete. Ein anderes Bild der Gnade Gottes sind uns die Worte:Wenn deine Sünde gleich blut­rot ist, soll sie schneeweiß werden." Frisch­gefallener Schnee zeigt auch nicht die Spur von Befleckung, sondern ist vollkommen weiß, und Gott kann dich, armer Sünder, so reinwaschen, daß nicht das kleinste Sündenfleckchen zurück- blcibt, wärst du auch der schuldbeladenste aller Schuldbeladenen.Ihr seid ganz rein, rein um und um," sagt Christus zu Seinen Jüngern. O was für ein herrliches Wort war das, und dieses Wort gilt allen, die Jesu vertrauen! Ist man gereinigt in Seinem Blute, so bleibt keine Spur von Sünde zurück.

Die von dem Geiste Gottes in uns ge­wirkte Umwandlung des Herzens und die von Christo Jesu für uns erwirkte Vergebung der